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Taucha AfD-Erfolg macht Tauchas Stadtrat kleiner
Region Taucha AfD-Erfolg macht Tauchas Stadtrat kleiner
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06:01 28.05.2019
Das Rathaus in Taucha. Quelle: Olaf Barth
Taucha

Gut gelaunt hing am Montag AfD-Neu-Stadtrat Klaus Hofmann bereits seine Wahlplakate wieder ab. „Ich habe mein Wahlziel erreicht, nämlich mehr Stimmen zu bekommen als die SPD. Die hatten mich angefeindet, das nehme ich ihnen übel“, gibt der 68-Jährige zu Protokoll. Im Stadtrat will er auf vernünftige Mitarbeit setzen, blockieren wolle er nicht, aber hinterfragen. „Mit CDU und FDP kann man sicher zusammenarbeiten, da gab es keine Feindseligkeiten.“ Hofmann findet es schade, dass die AfD nicht mehr Kandidaten aufgestellt hatte und nun drei Mandate nicht genutzt werden können. Statt wie bisher 22 werden künftig 19 Stadträte am Ratstisch Platz nehmen. Hofmann hat dabei wie alle anderen bei Abstimmungen nur eine Stimme. Der Pönitzer hatte bei der Wahl 3948 Stimmen erhalten, die SPD 3883. Damit verliert sie einen Sitz am Ratstisch, hat nur noch vier.

Sacharbeit sollte Polemik ausschließen

SPD-Fraktionschef Christof Heinzerling meint dazu: „Das ist angesichts der Konkurrenz durch eine neue Partei und eine neue Bürgergruppierung nachvollziehbar. Die Menschen in Taucha hatten eine weit differenziertere Möglichkeit der Stimmzuweisung – was die Demokratie auch belebt und ausmacht.“ Die SPD-Stadträte würden weiter alle Kraft zum Wohl Tauchas einsetzen. „Auch wenn wir einen Sitz verloren haben, so weist das Wahlergebnis doch eine Zustimmung zur Sacharbeit der SPD in Taucha aus. Natürlich akzeptieren wir das Ergebnis. Eine gute Zusammenarbeit auch mit den neu hinzugekommenen Parteien schulden wir den Bürgern der Stadt“, so Heinzerling. Grundsätzlich gelte, dass die Stimme des Wählers immer die Richtung vorgibt und jede Wahl den Willen der Bevölkerung abbildet. „Hinter jedem Stadtrat stehen die Menschen, die ihn gewählt haben. Die SPD-Stadträte sind sich einig, dass Sacharbeit jedwede Polemik ausschließen sollte, und wir allen Menschen in Taucha gleichermaßen verpflichtet sind. Das gilt auch von Seiten der SPD gegenüber der AfD. Unser Ziel ist ein lebenswertes Taucha für alle Menschen, das ist unsere Aufgabe.“

Erfreut über hohe Wahlbeteiligung

Stärkste Kraft im Stadtrat bleibt die CDU, wenn auch etwas gerupft. Von den einst neun bleiben bei 5061 Stimmen noch fünf Sitze übrig, die von drei neuen und zwei erfahrenen Stadträten besetzt werden. „Wir stellen uns diesem demokratischen Votum, womit es nun zwei neue Parteien im Stadtrat gibt. Mit deren Vertretern werden wir uns sachlich und aktiv auseinandersetzen, deren Wählerschaft muss man ernst nehmen. Das Ziel, stärkste Kraft zu bleiben, haben wir geschafft“, blickt Spitzenkandidat Frank Apitz auf die Wahl zurück. Das hohe AfD-Ergebnis führt der 48-Jährige auf bestimmte Erfahrungen der Wählerschaft mit der Europa- und Bundespolitik zurück. „Sehr gefreut hat mich die hohe Wahlbeteiligung“, so Apitz. Statt wie zuletzt nur 43,6 Prozent waren diesmal 62 Prozent der Wahlberechtigten an die Urnen gegangen. Dass die CDU aber einen hohen Stimmenanteil verloren hat „kann uns nicht zufrieden stellen“. Aber man werde an der bewährten kommunalen Arbeit festhalten und alles tun, um Taucha weiter lebenswert zu machen.

Neulinge auf Anhieb im Stadtrat

Mit 1231 Stimmen hat Jens Barthelmes von den Unabhängigen Wählern Taucha das zweitbeste Ergebnis aller Kandidaten erreicht. Er gehört wie sein Mitstreiter André Hensel zu den insgesamt zehn neuen Stadtratsmitgliedern. „Das ist sensationell, uns gibt es erst seit Februar. Wir werden nun unser Fachwissen und unsere Lebenserfahrung sowie die Interessen unserer Wähler mit in die Stadtratsarbeit einbringen. Wir haben auf Programm statt auf Protest gesetzt“, erklärt Barthelmes.

Für die Linken verbleiben noch zwei Plätze im Stadtrat, ebenso wie für die FDP, die von Jochen Müller und Margot Witt neu besetzt werden. Zugelegt haben die Grünen, die jetzt mit drei Abgeordneten vertreten sind. Spitzenkandidat Fridtjof Erbs aus Sehlis meint: „Das Ergebnis freut uns und gibt uns die Chance, uns mehr in die kommunale Arbeit in den Ausschüssen einzubringen. Wir freuen uns auf eine sachorientierte Zusammenarbeit mit anderen gewählten Stadträten, um das Beste für Taucha zu erreichen.“

Von Olaf Barth

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