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Taucha Geänderte Satzung erlaubt nun Stellflächen im begrünten Bereich
Region Taucha Geänderte Satzung erlaubt nun Stellflächen im begrünten Bereich
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18:02 06.06.2019
Für Parkplätze und Vorgärten mussten in diesem Innenhof der Zwick’schen Siedlung einige Bäume weichen. Quelle: Olaf Barth
Taucha

Die in den 1930er-Jahren in Taucha für vornehmlich aus der Zwickauer Region stammenden Arbeiter gebaute Zwick’sche Siedlung hat einen ganz besonderen Charakter. Während sich an den Straßen in langen Häuserfronten Eingang neben Eingang reiht, sind die Innenhöfe für Außenstehende unerwartet grüne Oasen. Auf großen Wiesen stehen ausladende Bäume als mächtige Schattenspender, dazwischen Bänke oder Wäscheplätze. Das soll auch künftig so bleiben, dennoch wurde die Erhaltungssatzung für diese Siedlung geändert. Konkret geht es dabei um den Paragrafen 6, der den Erhalt der unbebauten Grundstücksflächen als begrünte Vorgärten und Innenhöfe festlegt.

„Investoren brauchen Platz“

„Es gibt einerseits die Erhaltungssatzung, um die Typik dieser Siedlung mit den großzügigen Freiräumen und begrünten Flächen zu erhalten. Andererseits können wir uns den Folgen der Sanierung und der Neugestaltung von Räumen nicht ganz entziehen. Jeder weiß, wie dringend Stellflächen benötigt werden, Investoren brauchen Platz“, hatte Baufachbereichsleiterin Barbara Stein erklärt, als die Satzungsänderung im Stadtrat zur Abstimmung stand. Man hätte verschiedene Überlegungen angestellt, um mehr Spielraum zu erhalten. Eine Aufhebung der Satzung hätte Investoren zu viel Gestaltungsspielraum gegeben, eine zu große Verdichtung mit Wohnbebauung hätte Abstriche an Lebensqualität befürchten lassen. Ähnliches müsste man auch erwarten, wenn über das gesamte große Gebiet ein Bebauungsplan gelegt würde, der gleichfalls Wünsche verschiedener Eigentümer mit unterschiedlichen Interessen nach mehr Baufeldern und damit unerwünschte Verdichtung fördern würde.

Bedingungen für Ausnahmen

Gemeinsam mit dem Bauordnungsamt des Landratsamtes Nordsachsen hätte man sich auf eine Ergänzung der Satzung bezüglich des Anlegens von Stellflächen in Ausnahmen verständigt, wenn das die Sanierung oder den Umbau bestehender Wohngebäude betrifft. So wurde es nun im Paragrafen 6 ergänzt. Bedingung dafür ist unter anderem, dass die Stellflächen so anzuordnen sind, dass eine möglichst kurze Anbindung an öffentliche Verkehrsflächen besteht. Außerdem seien sie samt Zufahrten so zu optimieren, dass ein Eingriff ins Bestandsgrün minimiert wird. Alle anderen Festsetzungen der Satzung bleiben unberührt. Stein gibt zu, dass diese Vorgehensweise seitens des Landratsamtes durchaus kritisch gesehen und dort angezweifelt wird, ob das der richtige Weg für die künftige Planung ist. „Aber wir haben das Bebauungsplanrecht, es liegt an uns, in Einzelfallprüfungen mit den Bauherren vernünftige Lösungen zu finden“, so Stein. Die Stadträte stimmten geschlossen für die von der Verwaltung vorgelegte Satzungsänderung.

Bienenfreundliche Anpflanzungen

Praktiziert wurde die neue Möglichkeit bereits nach der Sanierung der Walter-Rathenau-Straße 9-15 durch die städtische Immobilienbetreuungs- und Verwaltungsgesellschaft mbH (IBV). „Vor dem Erdgeschoss haben wir in dem zu diesem Zeitpunkt recht verwilderten Innenhof Gärten angelegt. Auch wurden Parkplätze an der Stirnseite bis etwas in den Hof hinein angelegt und dafür einige Bäume entfernt, was allerdings Ersatzpflanzungen im gleichen Innenhof zur Folge hatte“, beschreibt Andreas Neutsch eine dieser von der Satzung nun erlaubten Ausnahmen. Der 58-Jährige ist der Technische Leiter bei der IBV und sagt: „Wir wissen, dass wir der Natur Ausgleichsmaßnahmen schuldig sind. So haben wir in der Theodor-Körner-Straße bienenfreundliche Anpflanzungen vorgenommen und gemeinsam mit dem Nabu 65 Nistkästen angeschafft, die wir zusammen mit Kindern der Regenbogen-Grundschule als Projekt betreuen wollen.“ Laut Neutsch ist es das Ziel, mehr für die Natur zu tun als vorgeschrieben.

Von Olaf Barth

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