Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Taucha Handwerker dürfen noch immer nicht einreisen
Region Taucha Handwerker dürfen noch immer nicht einreisen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
07:01 13.06.2019
Die Buddha-Figur vorm alten Bahnhofsgebäude kündet davon, dass hier bald ein Tempel gebaut werden soll. Quelle: Olaf Barth
Anzeige
Taucha

Quang Vinh Dao ist die Ruhe selbst. Seine buddhistische Gelassenheit und den unerschütterlichen Glauben an sein Projekt kann er auch gut gebrauchen. Denn schon im vorigen Sommer sollte der von ihm initiierte Tempel auf seinem Grundstück errichtet werden, doch die Genehmigung für die Einreise der dafür notwendigen Fachleute aus Vietnam steht nach wie vor aus. Im Februar war der 54-Jährige extra nach Hanoi in die deutsche Botschaft gereist, um sich selbst um die Formalitäten zu kümmern.

Experten für Holzbaukunst nötig

„Wir haben für die Arbeiter keine Visa bekommen, die sind noch in Arbeit, das könne noch ein bis vier Monate dauer“, berichtet Dao von seinen Gesprächen in Vietnam. Er vermutet, dass die Verzögerungen auch mit einer personellen Neubesetzung in der Visa-Abteilung zusammenhängen können. Nun will er in diesen Tagen zumindest das in Taucha lagernde Bauholz umstapeln lassen, damit es zu keinen Beschädigungen der kunsthandwerklich wertvollen Seefracht kommt. Die war in Containern vor gut einem Jahr in Taucha eingetroffen. Nur die Bauleute, die Experten traditioneller Holzbaukunst für Tempelanlagen, die warten noch immer auf ihre Abreise.

Anzeige

„Einige haben bereits ein Visa, aber wir brauchen alle neun, sonst wird das nichts. Außerdem gibt es dann Solidarisierungseffekte, sodass auch andere die Reise nach Deutschland nicht antreten“, berichtet Rechtsanwalt Sven Kuhne von jenem Leipziger Anwaltsbüro, das Dao in der Angelegenheit vertritt und mit einem Vertreter in Hanoi ebenfalls vor Ort war. Auch Schreiben vom Architekten, vom Bürgermeister oder aus der Landespolitik an die Botschaft hätten nichts bewirkt, außer die Zusage, das Anliegen wohlwollend prüfen zu wollen. Momentan scheitere die Visaerteilung an dem Umstand, dass einige der Arbeiter keinen fachlichen Nachweis über ihre Qualifikation erbringen können.

Visa in den nächsten 14 Tagen?

„Diese besondere alte Bautechnik ohne Nägel oder andere Hilfsmittel wird von Generation zu Generation weitergegeben, dafür gibt es keine Berufsausbildung mit entsprechenden vorzeigbaren Abschlüssen. Wir haben gegen die Absage für diese Leute Widerspruch eingelegt“, schildert Kuhne das Dilemma. Inzwischen habe man mit der Außenhandelskammer Kontakt aufgenommen und Unterstützung zugesagt bekommen. Diese gehe davon aus, dass sich das in den nächsten 14 Tagen regelt“, so Kuhne.

Von Olaf Barth