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Taucha Landwirt geht Bienen aus dem Weg und spritzt nachts
Region Taucha Landwirt geht Bienen aus dem Weg und spritzt nachts
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08:44 29.04.2019
Imker Richard Beer hat an diesem Rapsfeld bei Portitz zahlreiche seiner Hauptvölker aufgestellt. Hier verzichtet Landwirt Benedikt Biermann auf Insektizid-Einsatz. Quelle: Foto: Olaf Barth
Taucha

Auf zahlreichen Feldern zwischen Taucha und Leipzigs nördlichen Ortsteilen blüht jetzt wieder der Raps. Die gelben Pflanzen aus der Familie der Kreuzblütengewächse ziehen Bienen magisch an. Allein die Saat-Gut Plaußig Voges KG hat auf ihren Flächen im Norden von Leipzig auf rund 560 Hektar Raps stehen. So bei Taucha-Pönitz, Hohenheida, Gottscheina, Podelwitz und Wiederitzsch. Auf diesen Äckern wird in der kommenden Woche ein Mittel gespritzt, das die Pflanzen vor der Krankheit „Weißstängeligkeit“ schützen und den dafür verantwortlichen Bodenpilz in Schach halten soll. Allerdings wird die von einem Traktor gezogene Pflanzenschutzspritze nicht tagsüber, sondern nachts unterwegs sein.

Auch Landwirte brauchen Bienen

Mit dem ungewöhnlichen Vorgehen will Landwirt Benedikt Biermann kein geheimnisvolles oder verbotenes Tun verdunkeln, sondern schlichtweg dem Flug der Bienen aus dem Weg gehen. „Wir arbeiten mit einem zugelassenen Fungizid, das wir eigentlich auch tagsüber spritzen dürften“, erklärt der Geschäftsführer Saat–Gut Plaußig Voges KG. Doch mit dem Portitzer Imker Richard Beer habe er die nächtliche Vorgehensweise vereinbart: „Das Insektensterben ist ein großes Thema. Mir war von Anfang an eine gute Zusammenarbeit mit Imkern wichtig, denn auch wir Landwirte sind natürlich an den Bienen interessiert.“ Biermann legt Wert auf die Feststellung, dass es bei dem Vorgehen nicht darum geht, seine Berufskollegen zu belehren: „Jeder muss das für sich selbst entscheiden, wie er mit den Problemen umgeht. Wir wollen uns da nicht herausstellen. Fakt ist aber, dass es nur miteinander und nicht gegeneinander geht.“ Für Imker Beer ist Biermanns Agieren „außergewöhnlich für die Region und ein ganz wichtiger Schritt für den Schutz der Bienen.

Pflanzenschutzmittel zur Hauptflugzeit ist verheerend

Beer begrüßt das Aufeinanderzugehen. „Raps ist für die Bienen so anziehend, da lassen sie selbst Obstblüten links liegen. Um so verheerender ist es für die Bienen, wird in ihrer Hauptflugzeit, bei bestem Flugwetter um die Mittagszeit, ein Pflanzenschutzmittel gespritzt. Das vertragen die Bienen nicht, wird aber in der Regel hier in der Umgebung noch so gehandhabt“, sagt Beer und freut sich deshalb umso mehr über Biermanns Angebot, nachts zu spritzen. Doch die Kooperation geht noch weiter. Beer hat 21 seiner Haupt-Bienenvölker an einem Rapsfeld zwischen A14 und Portitz konzentriert. Auf diesem Feld verzichtet Biermann auf das Spritzen eines Insektizids. Dieses wird auf den anderen Feldern zusätzlich zu dem Fungizid ausgebracht, um so die Ausbreitung der Schädlinge Kohlschotenrüssler und Kohlschotenmücke zu verhindern. Denn der Käfer bohrt in die Rapsschote ein Loch, durch das die Mücke in die Frucht gelangt. Die Mückenlarven fressen dann die Rapskörner und vernichten so die Ernte.

150 Völker mit je 40 000 Bienen

„Das zeigt die Diskrepanz zwischen Imkern und Landwirten. Die Landwirte haben ein Problem und müssen handeln, doch das Mittel schadet den Bienen“, erklärt Beer. Selbst wenn die als für Bienen unschädlich eingeordnete Kategorie B 4-Insektizide zum Einsatz kommen (B 1 bedeutet tödlich), hieße das lediglich, dass die Bienen überleben. Über ihren Zustand, ob sie ihre Aufgaben in dem hochkomplexen Staatengebilde noch erfüllen können, sage das gar nichts aus. „Doch es geht nur im Miteinander. Aus der Ferne gegenseitig drauf hauen hilft keinem“, sagt der 34-Jährige. An bis zu zehn Standorten stehen seine 150 Völker mit jeweils 40 000 Bienen. Pro Volk kommen 60 Kilogramm Honig zusammen.

Blühflächen-Projekt ist schon in Planung

Künftig sollen bei jedem verkauften Glas Honig zehn Cent draufgeschlagen werden. Mit dem Geld will Beer Saatgut kaufen. Denn er und Biermann haben ein weiteres Projekt in Planung. Auf den Äckern rund um Plaußig, Portitz und BMW sollen Blühflächen angelegt werden, die mindestens drei Jahre Bestand haben und vielen Insektenarten einen Lebensraum bieten sollen.

Unternehmen unterstützen Vorhaben

Möglich wird dies auch, weil sich zwei Unternehmen bereit erklärten, das Vorhaben zu unterstützen und dem Landwirt eine Pachtaufwandsentschädigung zukommen lassen. Biermann wiederum übernimmt mit seinen Kollegen die Arbeit zum Anlegen dieser Blühflächen. Schon seit Jahren legt die Saat-Gut Plaußig Voges KG freiwillig Blühstreifen an. Allein in diesem Jahr kamen elf Hektar dazu. Wichtig sind diese Blühflächen und -streifen gerade für Bienen. Sie finden dort auch noch am Saisonende reichlich Pollen, um sich mit diesem „abwechslungsreichen Eiweiß-Cocktail“ ein Fettpolster anfressen und so gestärkt in den Winter gehen zu können, erklärt Beer.

Von Olaf Barth

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