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Taucha Sieben Jahre nach einem Schlaganfall stellt Rüdiger Bartels seine neuen Bilder aus
Region Taucha Sieben Jahre nach einem Schlaganfall stellt Rüdiger Bartels seine neuen Bilder aus
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07:31 10.09.2019
Künstler Rüdiger Bartels dankt bei der Vernissage in Taucha den Gästen für ihr Kommen und seiner Frau Claudia für die Unterstützung in den zurückliegenden schweren Jahren. Quelle: Foto: Olaf Barth
Taucha

„Oh doch, es gibt sie, die Wunder. Herzlich Willkommen zurück im Leben“, beendet Jürgen Ullrich in der Galerie des Tauchaer Rittergutsschlosses seine Laudatio. Er hält sie zur Eröffnung der Ausstellung „Zimt und Koreander“ mit Werken von Rüdiger Bartels. Rund 70 neue Werke aus der jüngeren Zeit nach dessen Krankheit sind zu sehen.

Vor dem letzten Satz seiner Rede hatte der Schlossvereinschef an das Jahr 2012 erinnert. Nur wenige Tage nach Eröffnung der bisher größten Ausstellung auf dem Schlossgelände, damals mit über 130 Werken von Bartels, erlitt der heute 64-jährige Künstler einen schweren Schlaganfall. Die Folgen werfen ihn auf die Entwicklungsstufe eines Kindes zurück. Sprechen und viele andere alltägliche Verrichtungen muss Bartels fortan neu erlernen. Ullrich: „Es war ein Schock, er hat niemanden mehr erkannt, ich glaubte nicht, dass das noch mal was wird.“

Erweiterte Technik – neue Bilder

Arzt-Besuche, Krankenhaus-Aufenthalte und Therapien machen aber auch klar, dass Bartels’ für die Malerei und Kreativität zuständiger Gehirnbereich weniger betroffen ist. Bald greift der Künstler wieder zu Pinsel und Farbe, verarbeitet so, was ihm gerade widerfährt. Es entstehen seine „Traumbilder“, rätselhaft, und auch von ihm nicht zu erklären. Doch er versucht es, und erklärt auch, weshalb er manches nicht erklären kann – schildert Ullrich diese Phase. Die Familie unterstützt den Weg zurück in die Selbstständigkeit, wo es nur geht, für den Weiterbetrieb des Klosterschankhauses aber reicht die Kraft nicht mehr.

Claudia Bartels dankt den „vielen lieben Menschen“ fürs Kommen. Die neuen Bilder ihres Mannes seien eine Wahnsinnsarbeit. Nach wie vor sei er ein großer Meister des Zeichnerischen, Grafischen. Hinzu komme nun auch eine malerische Umsetzung, mit der er seine Zeichnungen im Spiel von Licht und Farben mit Acryl und Pastell hervorhebt. „Es steckt so viel Seele und großes Gefühl darin. Tauchen Sie in die Bilder ein, lassen Sie sie auf sich wirken“, ermuntert die 57-Jährige. Die Malerei war das einzige, was ihrem Mann geblieben war und habe ihm geholfen, sein Selbstverständnis wieder zu erringen

Selbstständigkeit ist wieder da

Inzwischen kann man Rüdiger Bartels, der wie immer schwarz gekleidet ist und einen Hut trägt, auch wieder in der Stadt begegnen. Und stellt man sich ihm nach einem kurzen Gruß vor, erwidert er, etwas stolz und lächelnd: „Ich habe Sie auf dem Schirm.“ Wem er das und vieles mehr auch zu verdanken hat, daran lässt er an diesem Nachmittag keine Zweifel aufkommen: „Vor sieben Jahren konnte ich nicht sprechen, und es hat lange gedauert. Mir wurde in vielen Kliniken geholfen, vor allem aber ist immer meine Frau an meiner Seite gewesen. Jetzt stehe ich hier, sehe meine Frau und sage, dass ich sie sehr lieb habe.“

Emotionen und indische Klänge

Es ist emotional an diesem Nachmittag. Die Live-Musik zwischendurch hilft ihr dabei, gefasst zu bleiben, sagt Claudia Bartels. Maximilian Leicht spielt auf dem Fußboden sitzend die Sitar und erzeugt auf dieser indischen Langhalslaute sphärische Klänge, die gut zu den berührenden Momenten passen. Auf die Frage, wie es ihr eigentlich geht, antwortet sie kurz aber vielsagend: „Danke, dass Sie fragen. Es geht mir jetzt gut.“ Viele Gespräche führen die Bartels an diesem Tag und viele Besucher stehen tatsächlich lange vor einigen Bildern und tauchen tief ein in diese farbige Welt des teils Verschwommenem und teils in Fotoschärfe zu Papier Gebrachtem.

„Die Ausstellung ist phänomenal, die Bilder sind unglaublich ausdrucksstark, so auch die Porträts. In eines habe ich mich sofort verliebt, das möchte ich kaufen“, sagt zum Beispiel Franz Josef Heigl. Der 76-jährige ehemalige Präsident des Sächsischen Rechnungshofes ist begeistert.

Von Olaf Barth

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