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Taucha Tauchaer restaurieren historischen Pferdeschlitten
Region Taucha Tauchaer restaurieren historischen Pferdeschlitten
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15:42 31.12.2017
Grzegorz Sobczynski (links) und Falk Breitenborn haben es fast geschafft. Nur die Polsterung fehlt noch, und natürlich der Schnee samt Rösser, um mit diesem Prachtexemplar von Schlitten eine fulminante Ausfahrt unternehmen zu können. Quelle: Foto: Reinhard Rädler
Taucha

Die Redewendung „Mit dem ist nicht gut Schlitten fahren“ trifft für den Möbel-Restaurator Falk Breitenborn in Taucha auf keinen Fall zu. Denn seit Mitte August hat er in seiner Werkstatt „Bei Eder“ in der Portitzer Straße einen barocken Pferdeschlitten in Arbeit. Und diesem antiken Stück verhilft der Experte wieder zu alter Schönheit. In diesen Tagen soll das Werk vollendet werden.

Die jetzige Besitzerin, die in Dewitz wohnt, ihren Namen aber nicht nennen möchte, bekam das Gefährt als Überraschung zu ihrem runden Geburtstag geschenkt. Und das nicht ohne Grund, denn dahinter verbarg sich ein Teil ihrer Familiengeschichte aus Göbschelwitz, von wo sie herstammt. Nachdem der Schlitten ihren Vorfahren vor langer, langer Zeit gute Dienste geleistet hatte, stand er jahrzehntelang ungenutzt in einer Ecke, wurde um die Wendezeit schließlich verkauft und zum Glück so vor holländischen Antiquitäten-Haien gerettet, die damals durch die Lande zogen. Einem Zufall ist es zu verdanken, dass der Ehemann des Geburtstagskindes von der Existenz des Schlittens erfuhr und ihn wieder zurückkaufen konnte. Nun war der gute Rat und das handwerkliche Geschick des Restaurators gefragt, denn der Zahn der Zeit hatte gewaltig an allem genagt, was mal neu und glänzend oder tragendes Element war oder eine technische Funktion hatte.

„Das war und ist eine echte Herausforderung für mich, denn hier sind so viele unterschiedliche Materialien wie Holz, Leder oder Metall, zu restaurieren oder zu ersetzen. Das alles auf einmal hatte ich so noch nicht. Mein Spezialgebiet sind eigentlich Möbel“, gestand der 50-jährige Engelsdorfer. Mit Grzegorz Sobczynski hat er einen erfahrenen Fachmann an seiner Seite, der sich mit viel Sachverstand und handwerklichem Können hauptsächlich um die Aufarbeitung dieser Rarität widmete. Der 45-jährige gebürtige Pole hat vor 20 Jahren sein Hobby zum Beruf gemacht und wohnt seit zehn Jahren in Taucha. In seiner ostpolnischen Heimat, nahe der weißrussischen Grenze, waren solche Schlitten weit verbreitet. Es gab sie auch in Deutschland und sie galten hier wie da als Statussymbol der Oberschicht. Dementsprechend aufwendig war die Ausstattung, die es nun galt, so nah am Original, als möglich wiederherzustellen.

„Wir versuchten nicht nur einfach die Holzart zu ersetzen, wo es nötig ist, sondern wir achteten zudem darauf, dass sie auch das entsprechende Alter hat“, erklärte Sobczynski. Man habe zum Beispiel unter einem alten Parkett eine Dielung aus noch älterem, aber gut erhaltenem Holz entdeckt und diese verwenden können. Nicht weniger akribisch ging er an die Bestimmung der Farben für die Restauration der Bemalung heran, die nach alter Art hergestellt und aufgebracht werden musste. „Der Grzegorz hat unwahrscheinlich viel Erfahrung und mit seinem Spezialwerkzeug, das er sich sogar aus Amerika beschafft hat, löst er die kompliziertesten Probleme“, lobt Breitenborn seinen Angestellten. Man könne aber nicht alles selbst bewerkstelligen. Ein Adlerkopf aus Grauguss, ein Schmuckelement des Schlittens, musste zum Beispiel in einer Gießerei nachgegossen werden und die Nachfertigung metallischer Kleinteile habe man in Schmiedehand übergeben müssen. „Für die Polsterung der Sitze, die komplett neu herzurichten sind, haben wir nun endlich auch einen erfahrenen Polsterer gefunden, der das für uns fachgerecht übernimmt“, ist der Restaurator erleichtert.

Eigentlich könnte der Schlitten dann durch den Schnee gleiten, aber die Besitzerin ist sich da nicht so sicher: „Ich habe den Pferdeschlitten nie fahren sehen, möchte ihn aber als ein Stück Familiengeschichte bewahren. Er wird deshalb nicht mehr Wind und Wetter ausgesetzt, er bekommt vielmehr einen Ehrenplatz in unserem Haus“, will die Dewitzerin für den Erhalt des historischen Familiengefährtes sorgen.

Von Reinhard Rädler

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