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19:36 18.03.2020
Sachsens Logistikzentrum des Edeka-Supermarktes stellt sich auf den erhöhten Bedarf während der Coronakrise ein (Symbolbild). Quelle: Arne Dedert/dpa
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Berbersdorf

Das Toilettenpapier steht versandfertig in Rollcontainern und auf Paletten. „Es ist alles da“, sagt Ulrich Günther, Betriebsleiter im Zentrallager der Edeka-Regionalgesellschaft Nordbayern-Sachsen-Thüringen in Berbersdorf (Landkreis Mittelsachsen). Leere Regale wie zuletzt in Supermärkten gibt es hier nicht. Die Coronavirus-Krise hat aber auch Auswirkungen auf das hochmoderne Logistikzentrum. „Wir haben derzeit einen Bedarf wie an Weihnachten und Ostern zusammen“, sagt der Geschäftsführende Vorstand Rainer Kämpgen.

Sachsens Landwirtschaftsminister Wolfram Günther lässt sich an diesem Mittwoch die Abläufe erklären. „Ich bin der Versorgungsminister“, sagt der Grünen-Politiker. Deswegen habe er sich mit eigenen Augen davon überzeugen wollen, dass die Versorgung für die Menschen gesichert sei. „Wenn es zu Versorgungsengpässen kommt, dann nur, weil über den Bedarf eingekauft wurde“, stellt er klar.

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„Notsituation, die es gar nicht gibt", so der Versorgungsminister

Günther nutzt die Gelegenheit und appelliert einmal mehr, Hamsterkäufe zu unterlassen. „Das Plädoyer ist, nicht mehr zu kaufen als man braucht und verbraucht, um nicht Notlagen zu schaffen, die es nicht gibt“, sagt er eindringlich. Alles andere sei ein unsolidarisches Verhalten. „Optisch machen wir uns eine Notsituation, die es gar nicht gibt“, betont Günther.

In den riesigen Hallen mit einer Fläche von 49.000 Quadratmetern gleich neben der Autobahn A4 herrscht Hochbetrieb. Lkw fahren an der einen Seite an die Entladerampen, auf der anderen Seite verlassen beladene Trucks wieder das Gelände - durchschnittlich 600 bis 700 Lkw-Bewegungen pro Tag. 2019 wurden in Berbersdorf laut Unternehmensangaben mit 49 Millionen Verpackungseinheiten (Colli) 542 Millionen Euro umgesetzt.

Rund 380 Mitarbeiter sind in dem Logistikzentrum beschäftigt. Wegen der hohen Nachfrage wird in Berbersdorf zurzeit auch samstags bis 22 Uhr statt wie normal bis 14 Uhr gearbeitet. „Wir haben keine Knappheitssituation“, beteuert Kämpgen. Es gehe nur um das Problem der logistischen Abwicklung.

Am Mittwoch herrschte am Grenzübergang zu Polen in Ludwigsdorf (Kreis Görlitz) auf der Autobahn A4 ein Stau von bis zu 60 Kilometern Länge. Auch die Lieferanten für und aus Berbersdorf steckten dort fest. „Im Moment haben wir deswegen Schwierigkeiten, die Märkte im Raum Görlitz zu beliefern“, bestätigt Kämpgen.

Doppelte der Normalmengen gefragt 

H-Milch, Toilettenpapier, Suppen mit Gemüse, Küchenrollen - das sind zurzeit die Renner. „Im Moment ist es das Doppelte von den Normalmengen“, sagt Betriebsleiter Günther. Insgesamt werden vier Sortimente unterschieden: Trocken, Feinkost, Tiefkühl sowie Obst und Gemüse. „Die Mengen sind in allen vier Sortimenten angestiegen“, berichtet er. „Die Ware ist da, und sie kommt weiter“, sagt er beschwichtigend.

Frank Ziegler weiß um die Nöte in den Läden vor Ort aus erster Hand. Er ist Mitinhaber zweier Märkte in Chemnitz und Brand-Erbisdorf (Mittelsachsen). „Wir führen Diskussionen darüber, warum Kunden nur einmal Toilettenpapier bekommen“, berichtet er. Das koste Zeit und Nerven. „Wenn jeder im Verhältnis kauft, hätten wir keine Probleme.“

Ihn plagt wie auch andere Einzelhändler, dass er nicht genügend Personal hat, um die Regale schnell genug wieder zu bestücken. „Die Mitarbeiter fehlen“, sagt er. Ziegler wünscht sich, dass die Menschen die ganze Woche zum Einkaufen nutzen und nicht nur die Zeit kurz vor dem Wochenende. „Wir leben in harten Zeiten, aber gemeinsam ist das schaffbar“, verkündet er zuversichtlich.

dpa