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Wurzen 80 Kilometer auf zwei Rädern durch das Wurzener Land
Region Wurzen 80 Kilometer auf zwei Rädern durch das Wurzener Land
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14:09 19.07.2019
Von Deutschlands ältester Zuckerfabrik in Mühlbach bis zum Steinarbeiterhaus nach Hohburg: Der neue Radweg für das Wurzener Land erstreckt sich über 80 Kilometer und bietet jede Menge Sehenswürdigkeiten der Region. Demnächst erfolgt die Beschilderung der Route. Quelle: Kai-Uwe Brandt
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Wurzen

Ob Johannas Höh’ in Pyrna, der Forsthof Waidmannsheil in Bennwitz, das Steinarbeiterhaus in Hohburg oder die Dehnitzer Fähre – die Region besitzt vielerlei attraktive Ausflugsziele. Wer sie entdecken möchte, kann sich jetzt auf den Sattel seines Fahrrades schwingen. Denn die Route eines Radweges für das Wurzener Land ist nun abgestimmt und abgesteckt. Damit geht ein Traum von Michael Zerbs auf die Zielgerade, der von der Idee im Mai des Vorjahres bis zur Umsetzung heute gerade einmal etwas über ein Jahr dauerte.

Umsetzung der Radweg-Idee dauert nur etwas über ein Jahr

Zerbs tritt selbst gern in die Pedale, strampelte schon auf Weser-, Ems- und Oderradweg. Fernab seines Hobbys arbeitet der 52-Jährige im Stadthaus Wurzen und verantwortet hier den Bereich Straßen- und Wasserbau. Nebenbei, wie er sagt, habe er außerdem den Hut für den Radverkehr auf. Kein Wunder also, dass in ihm der Wunsch reifte, einen Radweg allein nur für das Wurzener Land zu schaffen. Dazu suchte Zerbs den Kontakt mit den Bürgermeistern von Bennewitz, Lossatal sowie Thallwitz und Partnern, wie den Geopark Porphyrland und das Regionalmanagement Leipziger Muldental in Grimma.

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Für Radtouristen gibt es schon mehrere Möglichkeiten, die Region zu erkunden. Zum Beispiel auf dem Mulderadweg. Aber erstmals besitzt das Wurzener Land einen eigenen Streckenverlauf. Quelle: Kai-Uwe Brandt

Ohne den Schulterschluss wäre das ehrgeizige Projekt mit einer Routenlänge von circa 80 Kilometern wohl in den Kinderschuhen stecken geblieben und nicht so rasch verwirklicht worden, merkt Zerbs an. Zudem verspricht er sich von der Vermarktung des Radweges durch die Leipzig Tourismus und Marketing GmbH (LTM) eine große Resonanz über die Grenzen des Wurzener Landes hinaus. „Demnächst wird es einen Online-Auftritt von LTM mit sogenannter Outdoor Activity geben. Darüber lassen sich dann die persönlichen Touren planen.“ Ein Klick und der Radler weiß genau, wo sich Deutschlands älteste Zuckerfabrik im Wurzener Ortsteil Mühlbach befindet und wie es zum Tiergehege nach Dornreichenbach geht.

Die Zukunft gehört dem Fahrrad

Kommentar von Kai-Uwe Brandt

Das Rad nimmt Fahrt auf. So viel steht schon einmal fest. Doch hinken die Möglichkeiten, auf dem Sattel des Drahtesels die Region und seine Stadt kennenzulernen, leider oft meilenweit hinterher. Wenn heute über die Zukunft des Verkehrs gesprochen wird, dann dominiert immer noch das Auto die Debatte. Bestes Beispiel ist der aktuelle Streit über das Parken am und auf dem Wurzener Marktplatz, nur weil die Stadtverwaltung den hartnäckigen StVO-Sündern jetzt endgültig Poller vor die Nase setzte. Dabei wollen alle nach Fahrverboten für Dieselfahrzeuge in Großstädten und den Schülerdemos „Friday for future“ zurück zur Natur, aber anscheinend kaum einer gern zu Fuß oder auf den Pedalen.

Um so erfreulicher ist die Tatsache, dass der neue Radweg im Wurzener Land hier gegensteuert und zugleich dafür sorgt, umweltbewusste Touristen von außerhalb zu locken, die landschaftlichen Reize und Sehenswürdigkeiten zu entdecken. Schließlich hat das kommunale Bündnis von Wurzen, Bennewitz, Lossatal und Thallwitz mit den Hohburger Bergen, der über tausendjährigen Stadt Wurzen und der Mulde allerhand fürs Auge zu bieten. Die Tour in Etappen dürfte sich also lohnen, selbst für Einheimische.

Allerdings gibt es in Wurzen noch einiges für die Zukunft auf zwei Rädern zu tun, um halbwegs schad(stoff)los von A nach B zu gelangen. Denn der Weg zur Fahrradstadt führt beispielsweise über sichere Abstellanlagen, ein fahrradfreundliches Zentrum, keine unnötigen Hindernisse, zu denen auch Einbahnstraßen zählen, und den stationären Service. Und wenn sich dann auch die Einwohner öfter auf den Drahtesel schwingen, kann das Rad so richtig Fahrt aufnehmen.

k.brandt@lvz.de

Wurzen ist neues Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Rad- und Fußverkehr

Aber noch gibt es Einiges zu tun, um den Wurzener-Land-Radweg zu etablieren. Laut Zerbs erfolgt nach und nach die entsprechende Beschilderung. „Langfristig sollen auch verschiedene Wege verbessert werden.“ Der Ausbau liegt allerdings in den Händen der jeweiligen Kommune und hängt vor allem von der finanziellen Förderung ab.

Im Übrigen verspricht sich Zerbs weitere Impulse durch die taufrische Mitgliedschaft Wurzens in der „Arbeitsgemeinschaft sächsischer Kommunen zur Förderung des Rad- und Fußverkehrs“. Der Verein wurde am 7. März von damals acht Städten und Gemeinden in Bautzen gegründet und soll zum fachlichen Austausch animieren, Forschungsvorhaben initiieren, über Geldquellen informieren sowie Standardlösungen, wie die Öffnung von Einbahnstraßen oder das Fahrradparken, entwickeln. Dass die Arbeitsgemeinschaft mit den Neulingen Leipzig, Dresden, Oschatz, Limbach-Oberfrohna und nun auch Wurzen allmählich wächst, freut Zerbs.

Lüptitzer Straße erhält stationäre Luftpumpe für Radler

Ein sichtbares Zeichen für die Zukunft auf zwei Rädern will der passionierte Pedalritter aus dem Stadthaus schon im August umsetzen. „Die Lüptitzer Straße erhält an der Schwimmhalle eine öffentliche Luftpumpe aus Edelstahl, mit der nicht nur die Schläuche von Fahrrädern aufgepumpt werden können, sondern ebenso von Kinderwagen oder Rollstühlen.“ In Städten, wo bereits solche öffentlichen Stationen existieren, hätte es jede Menge positiver Resonanz aus der Bevölkerung gegeben, betont Zerbs.

Ermöglicht wird das aktuelle Vorhaben dank dreier Sponsoren. So finanzieren die Wurzener Unternehmen FläkGroup, Word Resources Company sowie die Wutra Fördertechnik GmbH zu 90 Prozent die Kosten von 1900 Euro.

Von Kai-Uwe Brandt