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Wurzen ­AfD und Neues Forum im Wurzener Stadtrat
Region Wurzen ­AfD und Neues Forum im Wurzener Stadtrat
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14:27 27.05.2019
Das Stadthaus Wurzen war am Montag zu: Bis in die Nacht hinein wurden hier die Stimmen der Europa-, Stadtrats,- Kreistags- sowie Ortschaftsratswahl ausgezählt. Quelle: Kai-Uwe Brandt
Wurzen

Die Sieger der Stadtratswahl am Sonntag heißen Alternative für Deutschland (AfD) und das Neue Forum für Wurzen (NFW). Die beiden Newcomer errangen auf Anhieb sieben Mandate. Demnach zieht die AfD mit allen vier Kandidaten ins Parlament. Vertreter des NFW werden nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis der Spitzenkandidat Christoph Mike Dietel, Lars Vogel sowie Benjamin Brinsa sein. Letzterer ist bekannt als eine zentrale Person der Neonazi-Szene zwischen Wurzen und Leipzig sowie als Kampfsportler mit Spitznamen „The Hooligan“.

Wahlbeteiligung in Wurzen über dem Niveau von 2014

Ebenfalls beim Wählervotum zulegen konnte die unabhängige Wählervereinigung „Bürger für Wurzen“. Statt vormals vier Sitze freut sich BfW-Fraktionschef Thomas Zittier auf nunmehr sechs Mandatsträger im Plenarsaal. „Für uns ist das ein toller Erfolg.“ Den Ausgang der Wahl sieht der 38-Jährige allerdings mit „einem lachenden und einem weinenden Auge“. Denn für etablierte Parteien wie CDU, Linke und SPD gab es eine „Klatsche“. Einzige positive Nachricht aus Sicht von Zittier sei die Wahlbeteiligung gewesen. Von den 13 584 Wahlberechtigten suchten 7502 Personen die Wahllokale auf, also 55,6 Prozent (2014: 41,5 Prozent).

Die größten Verluste fuhr indes die CDU ein. Von den einst 13 Sitzen erhielten die Christdemokraten lediglich noch sieben. Trotz der deutlichen Wahlniederlage, so Fraktionschef und Spitzenkandidat Matthias Rieder, bliebe die CDU nach wie vor stärkste Kraft im Rat. „Natürlich will ich unsere Enttäuschung nicht verhehlen.“ Er hofft für die kommende Legislatur auch mit den neuen Verhältnissen auf „gute Sacharbeit zum Wohle der Stadt Wurzen“.

Ergebnis der Stadtratswahl

CDU (7 Sitze, 24,3 Prozent): Matthias Rieder (1440 Stimmen), Kay Ritter (604), Hannelore Dietzschold (511), Roland Mühlner (414), Andreas Kewitz (283), Joachim Spröh (296), Lothar Schlegel (268)

Bürger für Wurzen (6 Sitze, 22,9 Prozent): Thomas Zittier (1701), Matthias Lange (353), Andreas Fricke (350), Thomas Schumann (281), Ronny Wedekind (242), Claudia Zittier (229)

AfD (4 Sitze, 15,7 Prozent): Michael Buchwald (1171), Thilo Oldenburger (1200), René Opolka (682), Nancy Aßmann (294)

Die Linke (3 Sitze, 12 Prozent): Jens Kretzschmar (736), Peter Poppe (578), Petra Röber (316)

Neues Forum für Wurzen (3 Sitze, 11 Prozent): Christoph Mike Dietel (860), Benjamin Brinsa (359), Lars Vogel (286)

SPD (3 Sitze, 10,9 Prozent): Jörg Röglin (1255), Martina Schmerler (411), Heinz Richerdt (168)

Wurzener SPD stürzt in die Bedeutungslosigkeit ab

Nahezu in die Bedeutungslosigkeit abgestürzt wäre die SPD ohne ihren Spitzenkandidaten Oberbürgermeister Jörg Röglin. Obwohl von Beginn seiner Nominierung an klar war, dass er aufgrund seiner Funktion die Wahl zum Stadtrat nicht annehmen wird, sorgte das Stadtoberhaupt allein für 1255 der insgesamt 2321 sozialdemokratischen Stimmen. Insofern zieht die SPD jetzt mit drei Mandaten in den Stadtrat. Ein Sitz geht verloren. „Leider gelang es nicht, uns vom bundespolitischen Trend abzukoppeln“, sagte Röglin. Das Bewerberteam sei bei alledem mit jungen Frauen und gestandenen Männer gut gewesen, ebenso die Ziele wie zum Beispiel kostenloses Schulessen.

Linke verliert, Grüne ohne Chancen

Auf gleich zwei Sitze muss zudem die Linke nach dem Urnengang verzichten. Den Sprung ins Gremium schafften einzig Jens Kretzschmar, Peter Poppe und Petra Röber. „Ich bin enttäuscht“, teilte Fraktionsvorsitzender Kretzschmar auf Anfrage mit, „dass wir unsere Arbeit im Stadtrat nicht gut genug vermitteln konnten.“ Daher wollen die Genossen in den nächsten Tagen die Fehler analysieren.

Freude über die gelungene Premiere äußerte AfD-Mann René Opolka. „Wir werden nun versuchen, unsere Wähler würdig im Stadtrat zu vertreten.“ Den Erfolg seiner Partei führte er darauf zurück, dass das Kommunalparlament in der vergangenen Legislatur „nicht wirklich funktionierte und sich damit das Frustpotenzial in der Wählerschaft erhöhte“. Diese Tatsache habe unter anderem zur Gründung des Neuen Forums für Wurzen geführt.

NFW-Spitzenkandidat Christoph Mike Dietel pflichtet ihm ungewollt bei. „Uns gibt es seit einem Jahr und zwei Monaten. In einer solchen kurzen Zeit die Bürger zu überzeugen, ist eine tolle Sache.“ Für die Zukunft, so der 54-Jährige, gelte es „dicke Bretter zu bohren und Positionen zu formulieren, die im Stadtrat mehrheitsfähig sind“.

Chancenlos blieben übrigens die beiden Bewerber von Bündnis 90/Die Grünen – Sylke Mathiebe und Jens Haubner.

Von Kai-Uwe Brandt

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