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Wurzen Altenheim Lessingstraße: Volkssolidarität Wurzen zieht Reißleine
Region Wurzen Altenheim Lessingstraße: Volkssolidarität Wurzen zieht Reißleine
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11:03 25.01.2019
Seit einem Jahr ruht die Baustelle in der Lessingstraße: Im Oktober des Vorjahres verschwand dann sogar der Kran als letzter Hoffnungsträger für einen möglichen Neubeginn. Quelle: Kai-Uwe Brandt
Wurzen

Fast anderthalb Jahre übte sich die Volkssolidarität (VS) Wurzen in Geduld. Doch jetzt hat der Regionalverband den Kanal voll und zieht seine Konsequenzen. So beschloss der Vorstand vor wenigen Tagen, den Vertrag mit dem Projektentwickler des geplanten Altenheimes in der Lessingstraße zu kündigen. „Wir sind natürlich über die Entwicklung sehr enttäuscht“, sagt Vorstandsvorsitzende Astrid Nowak.

Volkssolidarität war zu keinem Zeitpunkt Bauherr

Bevor sie die Hintergründe der Entscheidung erläutert, stellt die 69-Jährige allerdings noch einmal klar: „Die Volkssolidarität Wurzen war zu keinem Zeitpunkt Bauherr des Objektes, sondern wollte lediglich das Haus nach Fertigstellung als Alten- und Pflegeheim betreiben.“ Eben diese Tatsache nahm die Öffentlichkeit nach dem Baustopp im Februar des Vorjahres nicht wahr. Selbst die Stadtverwaltung verwies Nowak zufolge sämtliche Anfragen an die VS. „Investor des Vorhabens ist seit jeher die Harkai Projektentwicklung GmbH mit Sitz in Leipzig und nicht der Regionalverband.“

Baukran wird Ende Oktober demontiert

Der erste Kontakt zwischen Geschäftsführer Markus Harkai und der VS liegt lange zurück und fand im Dezember 2012 statt. 2013 unterschrieb dann der Wohlfahrtsverein einen Mietvertrag über 25 Jahre. Zum gleichen Zeitpunkt erfolgte der Verkauf des 5360 Quadratmeter großen Areals an den Bauträger, und im April 2014 genehmigten die Behörden das Vorhaben. Allerdings dauerte es bis zum Spatenstich über drei Jahre. Nowak: „Im September 2017 ging’s endlich los.“ Aber schon Anfang 2018 ruhten die Arbeiten. Damals begründete Harkai den Verzug mit Finanzierungsproblemen. Demnach soll die Bank für Sozialwirtschaft als Kreditgeber des Sechs-Millionen-Euro-Vorhabens abgesprungen sein. Zugleich versprach er das Ende der „ärgerlichen Pause“ im April.

Der Abbau: Am 25. Oktober 2018 rückten Schwerlasttransporter an, um den Kran abzutransportieren. Quelle: Kai-Uwe Brandt

Eine Botschaft ohne Taten. Denn das Gras wuchs danach hoch und mit ihm die Bedenken bei der VS. Allmählich verwilderte das Gelände zur Investruine. Am 25. Oktober verschwand auch der Kran als letzter Hoffnungsträger für einen baldigen Neubeginn von der Bildfläche. „Irgendwann hört der Spaß auf, zumal uns Herr Harkai nicht über das Ende der Bautätigkeit informierte, geschweige denn unserer Bitte nachkam, eine übliche Hinweistafel zum Bauherrn und dem künftigen Objektbetreiber anzubringen“, berichtet Nowak.

Regionalverband fordert jetzt Schadenersatz

Vielmehr sandte Harkai der VS den mittlerweile zweiten Nachtrag zum früheren Mietvertrag zu. Einer juristischen Prüfung durch eine eigens beauftragte Rechtsanwaltskanzlei aus Chemnitz hielt das Papier nicht stand. „Die Bedingungen waren für uns unannehmbar. Bereits den ersten Nachtrag haben wir nur zähneknirschend unterschrieben.“ Wenig später schlug der Generalunternehmer „über seine Sekretärin“ die Vertragsauflösung im beiderseitigen Einvernehmen vor. Die VS kündigte mit Fristsetzung 17. Januar. Darüber hinaus forderte der Regionalverband Schadenersatz in Höhe von 25 000 Euro. „Immerhin haben wir im Vorfeld viel Kraft und Arbeit reingesteckt – von der Wirtschaftlichkeitsberechnung bis hin zum Aussuchen des Mobiliars. Es gab sogar schon Anmeldungen für die künftigen Jobs beim Pflegepersonal.“

Mit der Enttäuschung hält Nowak keineswegs hinterm Berg. „Ja, es hat uns kalt erwischt. Doch wir tragen weder Schuld daran noch haben wir die Situation mitverschuldet.“ Trotz alledem will die VS an ihrem Wunsch, ein Altenpflegeheim zu betreiben, festhalten. Zumindest Oberbürgermeister Jörg Röglin (SPD) sicherte hierbei seine Hilfe zu.

Projektentwickler ist nicht erreichbar

Wie es in der Lessingstraße nun weitergeht, bleibt indes offen. Mehrere Versuche, Projektentwickler Harkai im Büro beziehungsweise über Handy zu erreichen, scheiterten bislang.

Animation des Neubaus in der Lessingstraße: Ende 2018/Anfang 2019 sollte das Alten- und Pflegeheim mit 72 Plätzen bezugsfertig sein. Quelle: Volkssolidarität Wurzen

Den Plänen nach sollte an der Lessingstraße ein Flachbau in L-Form mit Erdgeschoss und zwei Obergeschossen entstehen inklusive 62 Ein-Bett-Zimmer von 22 Quadratmetern und fünf Zwei-Bett-Zimmer von 33 Quadratmetern. Für die 72 Heimplätze, darunter zwölf für Demenzkranke, hätte die Volkssolidarität 25 Pflegekräfte benötigt und sieben Stellen für das Wirtschafts- und Verwaltungspersonal.

Von Kai-Uwe Brandt

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