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Wurzen Andacht: Wurzen erinnert an Kriegsende vor 73 Jahren
Region Wurzen Andacht: Wurzen erinnert an Kriegsende vor 73 Jahren
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05:01 23.04.2018
Journalist und Autor Wulf Skaun beschäftigt sich seit vielen Jahren mit den Schicksalstagen 1945. Quelle: Andreas Röse
Wurzen

Der 24. April sei für Wurzen ein ganz wichtiger Tag. Vor 73 Jahren hätten mutige Männer geschafft, was anderswo nicht möglich war, sagt der evangelische Pfarrer Alexander Wieckowski: „Ungeachtet ihrer Parteibücher widersetzten sie sich dem ,Nero-Befehl’, den Feinden nichts als verbrannte Erde zu hinterlassen.“

Allianz von Menschen unterschiedlichster Überzeugungen

Stellvertretend auch für andere nennt der Geistliche fünf Namen: Da war der NSDAP-Oberbürgermeister Armin Graebert, der gemeinsam mit Otto Schunke (SPD), Kurt Krause (KPD) und gesegnet von den beiden Pfarrern Carl Magirius sowie Franz Wörner die kampflose Übergabe der Stadt organisierte. Unter Einsatz ihres Lebens nahmen sie Kontakt zum amerikanischen Kommandeur Victor George Conley auf und bewahrten die Stadt so vor dem Schicksal Eilenburgs, das von den Alliierten in Schutt und Asche gebombt worden war.

„Eine solche Allianz von Menschen unterschiedlichster Überzeugungen wünsche ich mir auch heutzutage. Nur wenn wir alle das Beste für unsere Stadt wollen, können wir die aktuellen Herausforderungen meistern.“ Wie berichtet, erlebt Wurzen derzeit eine Serie der politisch motivierten Gewalt.

Evangelische und katholische Kirchgemeinde laden am morgigen Dienstag zur „ökumenischen Andacht zum Kriegsende in Wurzen“ ein. Das „Gebet für unsere Stadt und das Wurzener Land“ findet in der Wenceslaikirche statt und beginnt 19 Uhr. Es ist ausgerechnet das Gotteshaus, auf dessen weithin sichtbarem Turm an jenem schicksalhaften Tag die weiße Fahne gehisst wurde. Der damalige Oberbürgermeister hatte zuvor den ehrenamtlichen Feuerwehrchef Walter Frommherz mit dieser lebensgefährlichen Aufgabe betraut.

Ringen um Ehrung für Retter der Stadt

Am 5. Mai 1945 kam der „Russe“ nach Wurzen – und Wulf Skaun auf die Welt. Fast 20 Jahre arbeitete das journalistische Urgestein als Redakteur der LVZ in Wurzen. „Ich bin ein Wurzener“ bekannte der in Leipzig lebende Skaun frei nach John F. Kennedy zur Verabschiedung in den Ruhestand. Er wird bei der ökumenischen Andacht einmal mehr dafür werben, dass Straßen in Wurzen künftig auch die Namen von Graebert, Krause und Schunke tragen sollten – eine Ehrerbietung, die in Bezug auf Magirius, Wörner und Conley längst Wirklichkeit ist.

2005 kam Lehrer Heinz Gey, Autor des Buches „Wurzens Schicksalstage. Die letzten Kriegstage in Wurzen“ auf Skaun zu und bat ihn, seine entsprechende Initiative bekannt zu machen. Der Redakteur räumte ihm in der Zeitung den Platz ein. An dessen Sterbebett versprach er Gey 2014 in die Hand, die ausstehende Ehrung weiter zu verfolgen. „Ich werde jetzt 73 und habe auch nicht unbegrenzt Kraft. Wenn es unserer, ohnehin schon nachgeborenen Generation nicht gelingt, für die nötigen Mehrheiten im Parlament zu sorgen, wird es nichts mehr“, so Skaun. Bislang verspüre er diesbezüglich nur von der CDU uneingeschränkten Rückenwind.

Pfarrer Wieckowski, selbst Vorstandsmitglied des Geschichts- und Altstadtvereins, unterstützt das Ansinnen des inzwischen verstorbenen Pädagogen Gey: „Ja, Graebert war NSDAP-Mitglied. Aber darf man einen Menschen nur nach seinem Parteibuch beurteilen? Ja, Krause war Kommunist. Aber war er es nicht, der persönlich durch die Mulde schwamm, um die Botschaft des Oberbürgermeisters zu überbringen?“

Wieckowskis katholischer Amtsbruder Uwe Peukert ist sich sicher: „Nur wer die Geschichte kennt, hat Zukunft.“ Wenn Menschen guten Willens die Kräfte bündelten, könne das sehr wohl auch ein Impuls in der heutigen nicht gerade friedvollen Zeit sein.

Von Haig Latchinian

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