Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Wurzen Angriff auf Borsdorfer Parthefest: Prozess endet mit Freispruch – wegen fehlender Beweise
Region Wurzen

Angriff auf Borsdorfer Parthefest: Prozess endet mit Freispruch

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:09 11.10.2021
Keine hinreichenden Beweise: Am Amtsgericht Grimma wurden jetzt zwei junge Männer vom Vorwurf der gefährlichen Körperverletzung entlastet.
Keine hinreichenden Beweise: Am Amtsgericht Grimma wurden jetzt zwei junge Männer vom Vorwurf der gefährlichen Körperverletzung entlastet. Quelle: Stefan Puchner/dpa
Anzeige
Grimma/Borsdorf

Im Frühherbst des Jahres 2019 lud die Gemeinde Borsdorf vorerst letztmalig vor dem Auftauchen des Corona-Virus zum Parthenfest auf die Panitzscher Trabrennbahn ein. Am Rande jener Mitte September vor zwei Jahren veranstalteten Festivität kam es zu einem Übergriff auf einen Festbesucher.

Für diesen mussten sich nun zwei zum Tatzeitpunkt 18- und 16-jährige Männer aus dem nördlichen Muldental wegen gefährlicher Körperverletzung verantworten. Peter F.* und Benjamin V. wurde zur Last gelegt, Sebastian H. tätlich angegriffen und mit einem Faustschlag zu Boden geschlagen zu haben.

Faustschlag aus dem Nichts

Der heute 23-jährige Geschädigte berichtete im Zeugenstand darüber, dass er zunächst von einer von Peter F. mit dem Fuß in seine Richtung gekickten Bierflasche getroffen worden sei, woraufhin jener sich ihm, aus einer Gruppe Jugendlicher lösend, auf kurze Distanz genähert und vor den Brustkorb gestoßen hätte.

„Dann traf mich aus dem Nichts ein Faustschlag, der mich zu Boden warf, sodass ich erst wieder im Krankenwagen aufwachte“, schilderte der Geschädigte. Dieser konnte allerdings keine Aussage dazu treffen, ob Peter F. auch der Absender des Faustschlages gewesen war.

Zwei Freisprüche

Zwei Zeugen, mit denen Sebastian H. zum Zeitpunkt des Übergriffs auf ihn etwas abseits des Festzeltes gestanden hatte, bestätigten das aggressive Verhalten von Peter F. und weiteren Jugendlichen aus dessen Umfeld. Keiner der beiden allerdings vermochte Peter F. zweifelsfrei als den Schläger zu identifizieren. Auch die Anwesenheit von Benjamin V. während der Attacke konnten weder der Geschädigte noch die beiden anderen Zeugen bestätigen.

Dem Staatsanwalt ließ dies keine andere Möglichkeit, als für beide Beschuldigten auf einen Freispruch zu plädieren. Zumindest hinsichtlich des Vorwurfes „gefährliche Körperverletzung“. Benjamin V. nämlich war in einem parallel verhandelten Verfahren des vorsätzlichen und unerlaubten Anbaus von Cannabis und des Besitzes weiterer Betäubungsmittel angeklagt.

Mit blauem Auge davongekommen

Im weiteren Verlauf des Verfahrens hatte er sich auf eine geständige Einlassung eingelassen und in dieser bekannt, Cannabis mit dem Ziel angebaut zu haben, daraus Tetrahydrocannabinol, kurz THC, zu gewinnen. Dass Benjamin V. auch in diesem Anklagepunkt noch einmal mit einem blauen Auge davon kam, hatte mit dem Wirken von Ria Albrecht aus dem Jugendamt des Landkreises Leipzig zu tun.

Die im Bereich Jugendhilfe im Strafverfahren tätige Behördenmitarbeiterin legte der Staatsanwaltschaft und Richterin Antje Gasser dar, dass der Angeklagte seit längerer Zeit in geordneten sozialen Verhältnissen leben würde und seitdem auch nicht wieder straffällig geworden sei. Zudem sei nicht erwartbar, dass von ihm künftig weitere Straftaten ausgehen würden.

Aufsatz zum Thema „Stolpersteine“

Ihrem Vorschlag, Benjamin V. zur Auflage zu machen, sich einem hinter den Wurzener „Stolpersteinen“ verbergenden Schicksal zu widmen und dazu eine schriftliche Arbeit anzufertigen, stimmte die Staatsanwaltschaft zu und plädierte zudem für eine Geldstrafe in Höhe von 300 Euro.

In diesem Sinne erging dann auch das Urteil von Richterin Antje Gasser. Diese gab Benjamin V. allerdings mit auf den Weg, dass ihm bei einem Rückfall hinsichtlich des Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz mindestens eine Jugend-, womöglich aber sogar eine Freiheitsstrafe drohe.

Psychische Folgen

Wenig befriedigend dürfte die Verhandlung für den Geschädigten Sebastian H. ausgegangen sein. Dieser berichtete im Zeugenstand von einigen beschädigten Zähnen und einer gebrochenen Nase als Folge des Faustschlages. Letztere sei schief verheilt, bei den Zähnen gäbe es weiteren Behandlungsbedarf. „Auch psychisch hat mich der Vorfall sehr mitgenommen, die Auseinandersetzung mit ihm im Vorfeld der Verhandlung war sehr belastend.“

Von Roger Dietze