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Wurzen Auszeichnung beim Brandiser Neujahrsempfang
Region Wurzen Auszeichnung beim Brandiser Neujahrsempfang
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18:28 25.01.2019
Neujahrsempfang im Foyer der Oberschule: Bürgermeister Arno Jesse zeichnete für ehrenamtliches Engagement aus: Brigitte Süptitz, Wolfgang Lippe, Nico Skopnik, Uwe Colditz und Lothar Heller (v.r.). Quelle: Ines Alekowa
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Brandis

„Alles Gute, was geschieht, setzt das nächste in Bewegung.“ Das Goethewort hatte Bürgermeister Arno Jesse (SPD) mit Bedacht dem Neujahrsempfang der Stadt Brandis im Forum der Oberschule vorangestellt. Denn auch in diesem Jahr stand die Auszeichnung ehrenamtlich engagierter Bürger im Mittelpunkt der Veranstaltung. Und die Hoffnung, sie mögen beispielgebend sein für andere, sich in der Stadt und den Ortsteilen einzusetzen.

Brandiser Nachwuchsmusiker spielen auf Empfang

Klassisch auch die Musik. Für diese sorgten die beiden Brandiser Nachwuchsmusiker Gymnasiastin Loretta Bölk (Violine) und Musikstudent Julius Bölk (Klavier). In exzellenter Weise brachten sie unter anderem eine Meditation von Jules Massenet und Introduction und Tarantella von Pablo de Sarasate zu Gehör. „Wir haben immer tolle Künstler“, sagte Jesse, „aber das heute ist ein echtes Erlebnis.“

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Lob gab es auch angesichts der bevorstehenden Kommunal- und Kreistagswahlen für die Arbeit des Stadtrates. „Er ist fünf Jahre lang Probleme und Projekte sehr konstruktiv angegangen – bei aller Unterschiedlichkeit“, sagte Jesse und wünschte sich, auch mit der neuen Besetzung „im guten Klima zu agieren“.

Die Brandiser Ehrennadel erhielten:

Kategorie Kinder/Jugend/Sport: Nico Skopnik. Er leitet die Abteilung Triathlon/Wintersport beim ESV Lok Beucha. Laudator Wolfgang Schor, Abteilungsleiter Leichtathletik, erinnerte daran, dass schon 1974 die Abteilung Wintersport gegründet wurde. Der Jugend war es zu verdanken, dass im Rahmen der Sachsen-Aktion „Nichts los im Dorf“ eine Rollerstrecke im Sportpark Lange Stücken entstand – der Skirollerlauf ist ein Highlight der Abteilung und findet in diesem Jahr zum 25. Mal statt. Ende der 1990er-Jahre, als die Triathlon-Tradition in Leipzig endete, entschlossen sich die Beuchaer Wintersportler, sie weiterzuführen. Der Triathlon Day lockt jährlich rund 800 Teilnehmer nach Beucha. Im vergangen Jahr erlebte die Kultveranstaltung mit überregionaler Ausstrahlung ihre 20. Auflage.

Sonderkategorie: Wolfgang Lippe. Laudatorin Mandy Thieme vom Vorstand des Musikvereins zählte ihn zu den Leuten, „die im Kleinen wuseln und trotzdem nicht wegzudenken sind“. „Er bot uns vor sechs Jahren Hilfe an, um im Rahmen seiner Möglichkeiten etwas für die Allgemeinheit zu tun.“ Zuverlässig öffne der Rentner seitdem pünktlich die Musikarche und schließe abends ab, kümmere sich um die Heizung und dass der Spielplatz in Ordnung ist... „Er ist längt unentbehrlich geworden.“

Heimat- und Kulturpflege: Brigitte Süptitz. Organisationstalent und Beharrlichkeit zeichnen die Vorsitzende des Beuchaer Heimatvereins aus. Als der Verein 2008 gegründet wurde, „kam für den Vorsitz nur eine Person in Frage, die eng mit Beucha verbunden ist“, sagte Laudatorin und Ortschronistin Barbara Wuytack. Seitdem wagt sich Süptitz, im Unruhestand, immer wieder an Vorhaben, „die möglichst viele ansprechen sollen“ –Tag des offenen Denkmals, Vorträge, Weihnachtsmarkt, die Wiederaufstellung des Bebel-Gedenksteins. Beim Jubläum 200 Jahre Völkerschlacht und 100 Jahre Völkerschlachtdenkmal feierte sich Beucha als Dorf der Steine. „Ihr Engagement spornt auch immer wieder andere an“, so Wuytack.

Soziales Engagement: Lothar Heller und Uwe Colditz. Die Laudatoren Doreen Forbrig und von der Feuerwehr Robert Teich lobten das langjährige Engagement der Ausgezeichneten vor allem in der Polenzer Feuerwehr. Heller hatte 1969 die Leitung der Jugendfeuerwehr übernommen und, so Forbrig, „zahlreiche Polenzer Kinder an die Aufgaben der Wehr herangeführt“. Es folgten 22 Jahre als Ortswehrleiter. 2004 löste Uwe Colditz, vorher bereits Jugendwart, zwar Heller an der Spitze der Spritzentruppe ab. Aber dieser blieb in weiteren Vereinen aktiv, zum Beispiel als Heimatvereinsvorsitzender und Ortschronist. In Colditz’ Amtszeit fiel der Neubau des Gerätehauses 2010. „In seinen 14 Jahren als Wehrleiter hat er das Amt perfekt umgesetzt“, lobte Teich, „Er bleibt einer der besten Kameraden.“

Brandis verfügt über gute Liquidität

Der Bürgermeister nutzte die Veranstaltung natürlich zu Rück- und Ausschau. Er verwies auf den pünktlich beschlossenen Haushalt „mit nie dagewesenen Investitionen und Liquidität“, den Kitaneubau – „noch nie gab es ein so großes Bauprojekt“ –, den Breitbandausbau, der bis Jahresmitte fertig sein soll, die Wohnfelder, die zum Beispiel in Beucha und auf der Jahnhöhe entstehen, und die begonnene Sanierung des Stadtparks. Auch die Ratskellersanierung habe man angeschoben, die Ortsdurchfahrt Wolfshain werde endlich gebaut.

Für dieses Jahr hofft Jesse auf die Kirchplatzgestaltung, und über den ÖPNV – „eine Erfolgsgeschichte“ – werden im April auch Beucha und das Gewerbegebiet besser angebunden. Ehrengast Ines Lüpfert, Zweite Beigeordnete im Landkreis Leipzig, machte Jesse auf den „hervorragenden, aber aus allen Nähten platzenden Schulstandort Brandis“ aufmerksam, „damit Sie unsere Vision der Erweiterung mit Leidenschaft unterstützen“.

Parteienschelte von Grimmas Bürgermeister thematisiert

Jesse schaute aber vor allem über die Stadtgrenze, „denn wir sind alle eingebunden in größere Prozesse und müssen aus diesem Rahmen das Beste machen“. Ausgangspunkt seiner Betrachtungen war das in der LVZ veröffentlichte Meinungsbarometer. „Die Leute denken, dass die eigene Meinung wenig zählt und Probleme nicht wie erforderlich bearbeitet werden“, und das obwohl sie gleichzeitig ihre persönliche Situation als so gut wie nie einschätzten.

„Erschreckt“ habe ihn auch das LVZ-Interview mit Grimmas Oberbürgermeister Matthias Berger. „An seiner Kritik der Parteien ist einiges dran, aber die Schlussfolgerung, wir bräuchten keine Parteien mehr, ist gefährlich“, sagte Jesse. Wer so etwas fordert, werde „zum Brandstifter“ und stelle Pluralität in Frage. Jesses mit Leidenschaft vorgetragene Schlussfolgerung ist eine andere: „Die Parteien müssen erneuert und gestärkt werden. Und die Parteien sind am Ende wir.“

Aufforderung zum Einmischen in Brandis

Wenn man in die Geschichte schaue, mahnte Jesse, sei Demokratie immer am Desintersse der Bürger gescheitert. „Sich einbringen ist anstrengend, kompliziert und leider auch langsam“, räumte er ein. Aber er als Bürgermeister versuche, die Menschen vom Sofa wegzuholen, erinnerte er an die Bürgerbefragung zum Haushalt, an die Mitmachstadt. „So viele Möglichkeiten sich einzubringen, gab es noch nie. Und irgendwas sollte man doch bewegen können – und wollen – für die Stadt. Es ist so einfach.“

Damit hatte er den Bogen zur Auszeichnung von fünf ehrenamtlich tätigen Bürgern mit der Ehrennadel der Stadt geschlagen, die genau das vorleben. „Wir zeichnen beispielhaft aus, um zu zeigen, dass Engagement Spaß machen kann“, so Jesse und endete mit Konfuzius: „Es ist besser ein Licht anzuzünden, als über die Dunkelheit zu schimpfen.“

Von Ines Alekowa