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Wurzen Batteriegroßspeicher in Bennewitz eingeweiht
Region Wurzen Batteriegroßspeicher in Bennewitz eingeweiht
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18:49 03.05.2019
In Bennewitz wurde gestern ein Batteriegroßspeicher neben dem Umspannwerk in Betrieb genommen. Hier Maik Erbert von Mitnetz Strom beim Kontrollgang in einem Container. Foto: Thomas Kube Quelle: Thomas Kube
Bennewitz

Seine Feuertaufe hat der Batteriegroßspeicher am Bennewitzer Umspannwerk bereits bestanden – als es in Europa am 10. Januar zu einem Beinahe-Blackout kam, weil die Frequenz im Stromnetz auf kritische 49,8 Hertz absackte. Am Freitag wurde die rund zehn Millionen Euro teure Anlage nach mehrwöchiger Testphase im Beisein von Marc Reimer, Geschäftsführer beim Investor Upside Invest GmbH & Co. KG aus dem nordrhein-westfälischen Dülmen, und Martin Dulig (SPD), Minister für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr, in Betrieb genommen.

Riesige Batterien sorgen für konstante Spannung im Netz

„Es bedarf künftig vieler Energiespeicher“, sagte Reimer. Denn die Energiewende stellt die Netzbetreiber vor ein Problem. Im mitteleuropäischen Verbundnetz Strom beträgt die Frequenz genau 50 Hertz. Sie ist dann gegeben, wenn Stromproduktion und Nachfrage im Einklang sind. Sonne und Wind jedoch stehen nicht konstant zur Verfügung, während zuverlässige Erzeuger wie Atom- und Kohlekraftwerke heruntergefahren werden. Das Ergebnis sind Schwankungen, wie sie sich laut Reimer in letzter Zeit häufen. Hier setzt der Batteriespeicher an. „Sobald die Frequenz nach oben geht, entnimmt der Speicher Energie aus dem Netz – sinkt sie, gibt er Energie ab.“ Die Kontrolle erfolgt zweimal pro Sekunde. „30 Sekunden braucht er für den Ausgleich – für ein Kraftwerk ist das fast unmöglich.“

Die Batteriespeicheranlage am Umspannwerk in der Bennewitzer Parkstraße wurde am Freitag offiziell in Betrieb genommen. Von hier aus werden Schwankungen im Stromnetz ausgeglichen.

Bau des Speichers in Bennewitz in nur zehn Monaten

Im Juli 2018 wurde mit dem Bau des Batteriegroßspeichers begonnen, gleich neben dem EnviaM-Umspannwerk, wo der Strom aus dem überregionalen 110-KV-Netz über Trafos auf 20000 Volt gewandelt wird, um dann der Region zur Verfügung gestellt zu werden. Partner beim Bau war Envia-Netzbetreiber Mitnetz Strom. Dieser stellte alle technischen Maßnahmen für Anschluss und Betrieb der Anlage. Dazu gehörten neben Tiefbauarbeiten und Kabellegung auch die Lieferung und Montage der Übergabestation.

„Es ist ein wegweisendes Projekt für Mitnetz Strom, denn unsere klassische Aufgabe ist es, elektrotechnische Anlagen wie Stromleitungen zu warten, zu bauen, instand zu halten und für eine sichere und zuverlässige Stromversorgung zu sorgen“, sagte Uwe Härling, Leiter der Netzregion Westsachsen. Die Energiewende werde von Mitnetz aktiv begleitet. „Wir sind einer der Verteilnetzbetreiber mit der höchsten Einspeiseleistung aus erneuerbaren Energien in Deutschland. Rein rechnerisch könnten wir in unserem Netzgebiet 100 Prozent Strom aus erneuerbaren Energien anbieten. Die Netzinfrastruktur richten wir seit Jahren darauf aus. Schwankungen im Stromnetz gleichen wir beispielsweise im kleineren Umfang mit regelbaren Ortsnetztrafostationen aus“, so Härling.

Startschuss für gigantische Anlage

Knopfdruck für einen gigantischen Speicher in Bennewitz. Quelle: Thomas Kube

Jetzt kommt der „große Bruder“. Insgesamt wurden 18 Container mit 10.400 Batterie-Zellen – eine wiegt 90 Kilogramm – sowie neun vom Weltmarktführer SMA gelieferte Wechselrichter hochwassersicher auf Sockeln aufgestellt und an das Stromnetz angeschlossen. Die Batterien kommen aus China. Deshalb auch drückte Yi Dai, Projektleiter beim Joint-Venture-Partner Narada, ebenso mit auf den Start-Buzzer wie Landrat Henry Graichen (CDU) und Bürgermeister Bernd Laqua (parteilos).

Die Anlage hat eine Gesamtkapazität von mehr als 16 Megawatt. „Damit könnten 5500 Haushalte, also eine Gemeinde von Bennewitzer Größe, ein Jahr lang mit Strom versorgt werden“, veranschaulichte enviaM-Vorstandsvorsitzender Stephan Lowis. Und: Die Anlage ist laut Upside „sehr nachhaltig ausgelegt“. Die Blei-Karbon-Batterien haben eine Lebensdauer von rund 20 Jahren und sind recyclebar. Hinzu kommt, „dass diese moderne Art des Stromrecyclings mit wenig Energieverlust einhergeht. Die Bennewitzer Anlage vermeidet 66.000 Tonnen Kohlendioxid pro Jahr“, erklärte Reimer.

Vergleichbare Anlage entsteht derzeit in Groitzsch

Bennewitz ist nicht der erste Standort, an dem Upside investiert hat. Zwei, wenngleich mit zwei und fünf Megawatt deutlich kleinere Anlagen stehen in Brandenburg, eine weitere in Mockrehna. „Aber das hier ist für uns ein echter Meilenstein“, so Reimer. „Die Anlage ist die größte in Europa. Sie unterstreicht unser Bemühen, einen tatkräftigen Beitrag zur Energiewende zu leisten.“ In Groitzsch wird seit zwei Wochen an einer vergleichbaren Anlage gebaut. Offenbar, so Reimer, sei das Klima in der Region gut für Innovationen. „Als 2009 im nur zehn Kilometer entfernten Waldpolenz der Solarpark eingeweiht wurde, war er der größte der Welt“, erinnerte er.

Dulig sieht Handlungsbedarf für weitere Innovationen auf dem Energiemarkt

„Leider wird die Energiewende in Sachsen auf die Frage reduziert: Wie stehst du zur Kohle?“, bedauerte Dulig. Über den Kompromiss und das Kohleausstiegsdatum 2038 könne man streiten, aber beides „baut auf Voraussetzungen, die wir noch nicht haben“, verwies er auf die nötige Netzstabilität, an der gerade ein Industrieland Interesse haben müsse. In der Energiepolitik wurde „viele Jahre zu wenig getan, um die eigenen Ziele zu erfüllen“, so Dulig. Jetzt brauche man mehr innovative Lösungen in der Energiewirtschaft. „Sie gehen mit guten Lösungen voran“, zog er – bildlich – den Schutzhelm vor Upside. Lowis schenkte ihm diesen. „Sie können ihn im Wahlkampf sicher gut benutzen“, scherzte er.

Von Ines Alekowa

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