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Wurzen Bauernverband will Wölfe im Landkreis Leipzig bejagen
Region Wurzen Bauernverband will Wölfe im Landkreis Leipzig bejagen
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10:47 27.08.2019
Der Wolfsbestand in Sachsen nimmt weiter zu und macht vielen Tierhaltern Probleme. Quelle: dpa
Landkreis Leipzig

Die Wolfspopulation in Deutschland, vor allem aber in Sachsen, Brandenburg und Niedersachsen nimmt weiter zu – um rund 30 Prozent jährlich. Auch im Landkreis Leipzig findet der geschickte Jäger in den Wäldern und auf den Weiden problemlos genug Nahrung.

Elke Zehrfeld, Geschäftsführerin des Regionalbauernverbandes Muldental, betrachtet diese Entwicklung mit großer Sorge. Sie sieht den Beruf des Schäfers in der gesamten Region bedroht, die aktuelle Anzahl könne man bereits an zwei Händen abzählen. Diesen müsse nun geholfen werden, durch faire Rissbegutachtung, Entschädigung und Unterstützung beim Herdenschutz.

Allerdings betont Zehrfeld: „Alle von Landwirten und Tierhaltern getroffenen, sehr teuren Schutzmaßnahmen (Herdenschutzzäune, Herdenschutzhunde, Esel), die auch teilweise gefördert wurden, haben den Wolf nicht abhalten können und stellen kein Hindernis für diese Tiere dar.“

Fachstelle Wolf soll in Sachsen die Kompetenzen bündeln

Um die Unterstützung der Nutztierhalter in Sachsen besser zu koordinieren, wurde im Freistaat nun ein neues Kompetenzzentrum geschaffen, das seit August 2019 aktiv ist. Die Fachstelle Wolf im sächsischen Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie soll alle anfallenden Aufgaben unter einem Dach vereinen.

So wird von hier aus die Dokumentation der Tiere, Rissbegutachtung, Beratung der Landwirte und Öffentlichkeitsarbeit gesteuert. „Die Dokumentation erfüllt dabei mehrere Ziele: Einerseits dient sie dem Monitoring, andererseits ist sie Basis für die durch die unteren Naturschutzbehörden zu treffende Entscheidungen über Managementmaßnahmen der Vergrämung und Entnahme, wie sie die Sächsische Wolfsmanagementverordnung vorsieht“, so Vanessa Ludwig, Sprecherin der Fachstelle Wolf.

Abschuss nur legitim bei zweifacher Überwindung von Schutzmaßnahmen

Diese übernimmt seit dem 1. August auch die Aufgabe der Rissbegutachtung. Kann der Wolf als Ursache nicht ausgeschlossen werden, gibt es eine Entschädigung für den Tierhalter. Werden innerhalb von zwei Wochen die Schutzvorkehrungen sogar zweifach überwunden, kann der Wolf anschließend erschossen werden.

„Nach erstmaligem Überwinden der zumutbaren Schutzmaßnahmen ist die Erhöhung von stromführenden Zäunen auf mindestens 120 Zentimeter Höhe oder der Einsatz von 90 Zentimeter hohen stromführenden Zäunen in Kombination mit Herdenschutzhunden erforderlich“, erklärt Ludwig weiter.

Diese Zäune seien für Wölfe weiterhin überwindbar, würden die Anzahl an solchen Angriffen auf Nutztiere jedoch reduzieren. Dazu die Sprecherin der Fachstelle: „Die empfohlenen Herdenschutzmaßnahmen verringern Schäden effektiv, werden aber keinen hundertprozentigen Schutz bieten können, denn sie stellen ein Kompromiss aus Wirksamkeit und finanziellen Mehraufwand dar.“

Bauernverband: Herdenschutz in dieser Form nicht ausreichend

Eine Form von Herdenschutz, die der Regionalbauernverband scharf kritisiert. So gäbe es einige Fälle in den Herdenschutzhunde von Wölfen angegriffen wurden und zahlreiche Beispiele für überwundene Schutzzäune. „Nicht nur der Wolf ist ein schützenswertes Tier, auch Schafe, Rinder, Ziegen, Pferde, Muffel- und Gatterwild. Hier geht es schlicht um die wirtschaftliche Existenz von Familien und Betrieben, die unsere Versorgung sichern oder aktive Landschaftspflege betreiben“, so Zehrfeld.

Auch die Entschädigungen für die Tierhalter kritisiert die Geschäftsführerin. Diese würden die eigentlichen Kosten nicht widerspiegeln. Von der Fachstelle Wolf und der Politik fordert sie: „Die Höhe der Entschädigung muss zeitnah festgelegt und gezahlt werden, das setzt eine zügige Feststellung der Ursache voraus. Hier muss die berechtigte Kritik der Vergangenheit bei der Feststellung und Beurteilung von Rissen endlich in die Tat umgesetzt werden.“

„Unter aktiven Bestandsmanagement verstehen wir, Schutzgebiete für den Wolf in großräumigen Waldgebieten oder ehemaligen Truppenübungsplätzen. Außerhalb der Schutzgebiete sollte das Jagdrecht angepasst werden, um eine notwendige Regulierung zu bestimmten Zeiten vornehmen zu können“, so Zehrfeld.

Die Herdenschutzzäune sind zwischen 120 und 90 Zentimeter hoch und stehen unter Strom – das reicht aber nicht immer, um die Wölfe von den Schafen fernzuhalten. Quelle: dpa

Der Wolf kostet Sachsen jährlich rund 3,5 Millionen Euro

Wie viele Wölfe aktuell in Deutschland leben, ist nur schwer nachzuvollziehen. Verschiedene Quellen schätzen die Population allerdings auf rund 1300 Exemplare. Eindeutig sind hingegen die Kosten, die der Wolf dem Staat bereits jährlich verursacht und auch, wie viele Nutztiere dieser reißt, ist weitestgehend dokumentiert.

So fallen allein in Sachsen rund 3,5 Millionen Euro Kosten an – durch Ausgleichszahlungen nach Wolfsrissen, Datensammlung, Dokumentation und Schutzzäune. Maßnahmen, die sowohl der Regionalbauernverband als auch der Landesjagdverband Sachsen (LJVSN) so nicht mehr akzeptieren möchten.

Sie fordern eine Prävention der Wolfsangriffe und besseren Schutz der Nutztiere durch einen Abschuss der Wölfe. Konkret soll die Population auf einen „Akzeptanzbestand“ reduziert werden. Der „nach unten einen Beitrag für den günstigen Erhaltungszustand der europäischen Wolfspopulation sichert. Nach oben ist eine individuelle Grenze zu definieren, die eine im volkswirtschaftlichen Sinne relevante Grenze ist“, so Frank Seyring, Präsident des sächsischen Jagdverbandes.

Wolfsrisse im Landkreis Leipzig:

Im gesamten Landkreis Leipzig werden immer wieder Wolfsangriffe auf Nutztiere bekannt. Hier eine Übersicht der Risse im Jahr 2019 :

21. Januar: Wolfsriss nicht ausgeschlossen – Schaf in Lossatal getötet

29. März:Schäfer entsetzt: Wolf reißt Schaf bei Trebsen

16. April:Fünf Schafe gerissen bei Püchau – Wolfsattacke?

21. Mai: Schaf nahe Zwenkau gerissen – Kreis schließt Wolf als Täter nicht aus

Andere EU-Länder regulieren den Wolfsbestand durch Jagd

Vorbilder seien hier europäische Länder, die den Wolfsbestand bereits langfristig erfolgreich kontrollieren würden. „Mit den im Monitoringjahr 2017/2018 für Sachsen ausgewiesenen 21 Wolfsrudeln ergibt sich eine Wolfsdichte von 1,2 Rudel pro 1000 Quadratkilometern.

Estland mit insgesamt 17 Wolfsrudeln erreicht eine Dichte von 0,37 Rudeln pro 1000 Quadratkilometern. Danach wäre eine tolerierbare Dichte im Vergleich mit Estland von sieben Rudeln für Sachsen anzustreben, und damit auch eine definierbare Anzahl von Wölfen“, so Seyring weiter.

Er fordert von der Politik sofort einzugreifen und die Gesetzeslage anzupassen. Der LJVSN-Präsident vermutet: „Rechnet man mit der unteren Wachstumsrate der Wolfspopulation von jährlich 30 Prozent, bedenkt Einwanderung und realistische Ausbreitung, leben 2020 in Deutschland etwa 1600 Wölfe, in zehn Jahren dann etwa 3800 Wölfe. Wenn die derzeitige Wolfspolitik so weitermachen darf, ist der Wolfsbestand in Deutschland mit legalen jagdlichen Maßnahmen nicht mehr beherrschbar.“

Sachsen fordert Anpassung der Gesetze

Eine Anpassung des Bestands ist aktuell jedoch nicht möglich. Die Sprecherin der Fachstelle Wolf erklärt: „Das Wolfsmanagement hat sich am geltenden Rechtsrahmen auszurichten. Dieser lässt gegenwärtig nur die Entnahme von einzelnen Wölfen oder Rudeln [...] – nach Einzelfallprüfung – zu.“

Zwar habe Sachsen vom Bund bereits eine Anpassung der Gesetze gefordert, diese habe jedoch keine Mehrheit gefunden. Ludwig weiter: „Ein flächendeckendes Bestandsmanagement der Tierart Wolf wird nach heutiger Einschätzung erst mit Erreichen des günstigen Erhaltungszustandes und einer Umstufung des Schutzstatus möglich sein.“

Eine konkrete Anzahl an Wölfen, die einen solchen Erhaltungszustand offiziell definiert, gibt es aktuell jedoch nicht. Seyring und Zehrfeld sind sich jedoch einig, dass dieser bereits überschritten wurde.

Von Tilman Kortenhaus

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