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Wurzen Borsdorf sucht bei Breitbandausbau Schulterschluss
Region Wurzen Borsdorf sucht bei Breitbandausbau Schulterschluss
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16:04 06.11.2017
Schnelles Internet ist in Borsdorf noch Zukunftsmusik.   Quelle: picture-alliance/ dpa
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Borsdorf

 Borsdorf, Brandis, Machern und Naunhof wollen gemeinsam den Breitbandausbau vorantreiben, ähnlich wie es das Wurzener Land anstrebt. Der Borsdorfer Gemeinderat beschloss am Mittwoch einstimmig eine Absichtserklärung, die gleichlautend auch den anderen Parlamenten vorliegt. Die vier Kommunen wollen demnach eine „erhebliche Verbesserung der Versorgungssituation der Haushalte und Gewerbetreibenden“, also „mindestens 100 Mbit/s im Downstream für alle Anschlüsse“. Ausbauprojekte und Fördermodelle sollen abgestimmt, die Gründung einer Betreibergesellschaft oder eines Zweckverbandes, der Netzausbau und -betrieb sowie das Dienstangebot umsetzt, geprüft und Förderanträge gemeinsam eingereicht werden.

Vorangegangen war die Vorstellung der Breitbandstudie für die Gemeinde durch IT-Spezialist Markus Malik von der Tilia GmbH Leipzig, die Kommunen im Infrastrukturbereich berät. Die Studie ermittelte Fördermodelle und ist Basis für die Bewerbung um Fördermittel. Der Bund fördert den Breitbandausbau in Deutschland, wobei die Zielbandbreite aber nur 50 Mbit/s beträgt, mit vier Milliarden Euro. Die Förderquote beträgt 90 Prozent, den Rest müssen die Kommunen selbst beisteuern. „Allerdings treten Sie im Scoringverfahren in Wettbewerb mit anderen, das heißt Borsdorf wird gleichgesetzt mit München“, erklärte Malik.

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T

In der Gemeinde gelten laut Bauamtsleiter Marcus Planert aktuell nur große Teile von Panitzsch als versorgt sowie die Parthenaue, auch nachzuschauen im Breitbandatlas Sachsen. Die Antworten von 35 angeschriebenen Telekommunikationsunternehmen zu ihren Ausbauplänen bezeichnete Malik als „nicht zufriedenstellend“. Ein Grund, weshalb die Kommune selbst aktiv werden will.

S

Zwei Technologien, um schnelles Internet zum Verbraucher zu bringen, stehen zur Wahl: Drahtlos erteilte Malik gleich eine Absage – Mauern dämpften das Signal, Mindestgeschwindigkeit sei nicht garantiert. Und bei der drahtgebundenen schloss Bürgermeister Ludwig Martin (CDU) Kupferkabel kategorisch aus. „Wir wollen eine Zukunftstechnologie, und das heißt bis zur letzten Stelle Glasfaser und keinen Vectoring-Murks.“ Er spielte dabei auf die derzeitige Praxis an, Glasfaser bis zum Kabelverzweiger zu legen und Kupfer bis zum Teilnehmeranschluss zu belassen. Den Nachteil erklärte Malik: „Je mehr Anschlüsse am Kupferkabel, um so schwächer die Verbindung, außerdem nimmt die Leistung mit der Strecke ab.“

Malik machte die Rechnung für drei Netzvarianten auf. Am günstigsten mit 2,151 Millionen Euro, das bedeutet 229 227 Euro Eigenanteil, käme Borsdorf mit FTTC (Fibre-to-the-Curb), Glasfaser bis zum Bordstein, im Fördermodell „Wirtschaftlichkeitslücke“. Hier erhält eine Telekommunikationsfirma einen Zuschuss für Ausbau und Netzbetrieb. Dieser gleicht die Lücke aus, wenn zu erwartende Einnahmen nicht die Investitionskosten decken und somit kein Ausbau erfolgen würde – was auf dem Land mit geringer Einwohnerdichte und langen Tiefbautrassen wahrscheinlich ist. Die Kommune hat, da sie nicht das Risiko trägt, keinen Spielraum für künftige Erweiterungen. Deutlich höher fällt die Investition aus bei FTTB (Fibre-to-the-Building/zum Gebäude) mit Zuschuss (7,607 Mio Euro) und FTTB im Betreibermodell (6,099 Mio Euro). Das bedeutet, dass Kommunen das passive Netz bauen, das dann auch in deren Eigentum verbleibt. Ein Betreiber pachtet es, installiert aktive Elemente, übernimmt den Vertrieb. – „Allerdings“, ergänzte Planert die Beispiele, „sind alle mit jetzt schon 30 Mbit/s in den Kosten nicht berücksichtigt.“

Bürgermeister Martin machte angesichts der Summen kein Hehl daraus, dass für ihn schnelles Internet „eigentlich zur staatlichen Daseinsvorsorge gehört“. Aber im Moment müsse man sich auf der beschriebenen Rechtsbasis bewegen.

Von Ines Alekowa