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Wurzen Brandiser Firma hilft bei U-Boot-Verschrottung
Region Wurzen Brandiser Firma hilft bei U-Boot-Verschrottung
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05:00 07.01.2010
Von Simone Prenzel
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KG mit von der Partie.

 „Wir stellen für die Demontage der U-Boot-Segmente eine komplette lufttechnische Anlage her“, so Geschäftsführerin Helga Neumann. Die Luft ist rein – in Fabrikhallen, wo dieser Satz gilt, könnten die Entstaubungsspezialisten aus Brandis ihre Finger im Spiel haben. „Unsere Anlagen sind überall dort zu finden, wo Staub und andere Materialien anfallen“, umreißt Geschäftsführer Heikko Barthmann das Aufgabengebiet. Kunden hat das 15-Mann-Unternehmen nicht nur in Deutschland, sondern auch in Österreich, der Schweiz und Holland – und eben auch nördlich des Polarkreises, an den unwirtlichen Ufern der Barentssee. „Bei den Arbeiten für Murmansk handelt es sich um den bisher größten Auftrag in der Firmengeschichte“, ist Barthmann stolz. Bisher existiert die Kabine, die vier mals sechs Meter groß sein wird, nur auf dem Papier. Täglich hat Heikko Barthmann die Skizze in seinem Büro vor Augen – und damit die Herausforderung, vor der die 1990 gegründete Firma steht. „Die Vorbereitungen für Russland sind extrem langwierig“, lässt der Ingenieur durchblicken, der seit 1995 bei Füchtenkötter arbeitet. „Alle Unterlagen müssen in russisch angefertigt werden – und natürlich nach russischem Standard.“ Die Brandiser sind mit ihrer Anlage Teil eines gigantischen Abrüstungsprojektes, zu dem Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder und Russlands Staatschef Wladimir Putin noch den Startschuss gaben. In Murmansk tickt eine Zeitbombe – und die Brandiser werden sie mit entschärfen helfen. Die einst mächtigste U-Boot-Flotte der Welt ist hier als Schrotthaufen vor Anker gegangen. Mit unkalkulierbaren Risiken für die Umwelt. Das Geld, um die verstrahlte Armada in Stücke zu sägen, gibt Deutschland. „Wir arbeiten bei diesem Projekt eng mit den Energiewerken Nord zusammen“, berichtet Helga Naumann. Das bundeseigene Unternehmen EWN koordiniert im Auftrag der Bundesregierung sämtliche Arbeiten an der Barentssee. „Vorgesehen ist, rund 120 atomgetriebene U-Boote der russischen Nordmeerflotte zu verschrotten“, so ein Unternehmenssprecher der Energiewerke. Die bis zu 170 Meter langen Kolosse werden in eine Werft geschleppt und anschließend demontiert. Den Brandiser Spezialisten obliegt es, eine Kabine zu konstruieren, in der Schiffsteile unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen mit dem Brennschneider zerlegt werden. „Wir liefern dazu auch einen Schneidtisch, der in die Kabine hinein und wieder heraus gefahren werden kann.“ Ihr Know-how haben die Brandiser bereits bei der Demontage anderer heikler Hinterlassenschaften unter Beweis gestellt – unter anderem beim Abriss von Kernreaktoren im Kraftwerk Lubmin bei Greifswald. „Dadurch ist auch der Kontakt zu EWN zustande gekommen, die das einstige DDR-Atomkraftwerk im Auftrag des Bundes beseitigen.“ Gefragter Partner sind die Brandiser aber auch an der Elbe. „Für die Flugzeugwerke in Dresden stellen wir seit Jahren die Entstaubungstechnik her“, berichtet Helga Neumann. Das Dresdner Unternehmen, das zum Luft- und Raumfahrtkonzern EADS gehört, ist auf den Umbau von alten Passagierjets zu Frachtmaschinen spezialisiert. In genau 72 Tagen haucht man hier abgewrackten Flugzeugen neues Leben ein. Dabei fällt jede Menge Dreck an. „Etwa ein Kubikmeter Staub pro Tag“, schätzt man bei der Firma Füchtenkötter. Damit die Monteure trotzdem frei durchatmen und sich dem nächsten großen Vogel widmen können, sorgt Technik aus Brandis stets für reine Luft.  

Simone Prenzel