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Wurzen Brandiser Schule setzt Zeichen gegen Rassismus
Region Wurzen Brandiser Schule setzt Zeichen gegen Rassismus
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11:14 30.06.2018
Eine Arbeitsgemeinschaft von Schülern hat sich für den Titel „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ stark gemacht. Schulleiter Uwe Storek (v. r.) und Bürgermeister Arno Jesse sowie Pate Simon Yacoub (3. v. l.) beglückwünschen die Schüler.
Eine Arbeitsgemeinschaft von Schülern hat sich für den Titel „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ stark gemacht. Schulleiter Uwe Storek (v. r.) und Bürgermeister Arno Jesse sowie Pate Simon Yacoub (3. v. l.) beglückwünschen die Schüler. Quelle: Ines Alekowa
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Brandis

Die Brandiser Oberschule darf sich seit Donnerstag „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ nennen. Das traditionelle Schulfest zum Schuljahresabschluss bildete den passenden Rahmen für die Verleihung des Titels vom Netzwerk für Demokratie und Courage (NDC). „Wir sind natürlich stolz auf den Titel, aber er ist auch eine Verpflichtung“, sagte Schulleiter Uwe Storek.

Öffentlich gegen Diskriminierung eintreten

Warum, erklärte Henriette Wolf vom NDC, in dem sich bundesweit junge Leuten für Demokratieförderung und gegen menschenverachtendes Denken engagieren. „Das Projekt bietet Schülern die Möglichkeit, das Klima an ihrer Schule aktiv mitzugestalten, bürgerschaftliches Engagement zu entwickeln und gemeinsam mit ihrer Schule ein öffentliches Zeichen gegen Diskriminierung zu setzen.“ Das Projekt „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ ist mit mehr als 2300 Schulen das größte Schulnetzwerk in Deutschland. „Gerade in den letzten Jahren hat es einen richtigen Boom erlebt“, sagte Wolf. Vor dem Hintergrund der Flüchtlingswelle und dem Erstarken der AfD sei es für immer mehr Menschen „ein wichtiges Anliegen, gegen Rassismus bewusst Position zu beziehen“.

Problem Mobbing an der Schule

Schülersprecher Niclas Schaufuß hatte die Anregung, sich für den Titel zu bewerben, vor einem Jahr aus dem Landesschülerrat mitgebracht. „Ich hätte nicht gedacht, dass es so viel Aufmerksamkeit erlangt“, freute er sich. Eine Arbeitsgemeinschaft wurde gegründet, die das Projekt in allen Klassen vorstellte. Denn Voraussetzung war, dass mindestens 70 Prozent derer, die an der Schule lernen und arbeiten, unterschreiben, dass der Einsatz gegen Rassismus und Diskriminierung ein gemeinsames Ziel ist. „Wir wollen einen freundlichen Umgang miteinander an unserer Schule erreichen, ohne Mobbing und Ausgrenzung“, erklärte Amy Hoffmann von der AG. Einmal im Jahr soll es zudem ein Projekt zum Thema geben. Gerade Mobbing komme bei jüngeren Schülern durchaus vor, weiß Kilian Kistritz, „zum Beispiel, weil jemand etwas moppelig ist“. Das Problem sei, „sie sehen das als Spaß“.

Pate hat Vielfalt bei Olympia in Brasilien erlebt

Dass eine Welt ohne Rassismus funktionieren kann, verdeutlichte Simon Yacoub. Der ehemalige Judoka mit palästinensischen Wurzeln und jetzige Trainer wird das Projekt als Pate begleiten. 2016 war er bei den Olympischen Spielen in Brasilien dabei. „Im Olympischen Dorf“, erzählte der 29-Jährige, „leben 10 000 Athleten aus vielen Nationen zusammen. Alle grüßen sich, gehen friedlich und fröhlich miteinander um. Das zeigt, dass es möglich ist.“

Bürgermeister spricht von Auftrag

Auch Bürgermeister Arno Jesse (SPD) war zur Titelverleihung gekommen und zeigte sich „mächtig stolz“ auf die Schule. „Aber es geht nicht um ein Etikett, sondern um eine Einstellung und einen Auftrag“, betonte er und hatte da auch schon eine Idee. Im Moment, so berichtete er, habe man in der Stadt „ein Riesenproblem mit Schmierereien und Aufklebern. Geht das gemeinsam mit unserem Bauhof an“, schlug er vor.

Amani Padda vom NDC jedenfalls sicherte die weitere Unterstützung des Netzwerkes zu. „Es wäre schön, wenn sich die Oberschule und das Gymnasium, das den Titel im vergangenen Jahr bekommen hat, vernetzen würden“, sagte sie.

Von Ines Alekowa