Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Wurzen Bürgermeister als Chauffeur: Jesse rettet Neujahrsempfang in Brandis
Region Wurzen Bürgermeister als Chauffeur: Jesse rettet Neujahrsempfang in Brandis
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:52 22.02.2018
Neujahrsempfang Quelle: Ines Alekowa
Brandis

Noch etwas atemlos trat Bürgermeister Arno Jesse (SPD) zur Eröffnung des Brandiser Neujahrsempfangs am Donnerstagabend im Forum der Oberschule ans Mikrofon: Orkan Friederike hatte Anastasia Marry und Artern Sargsyan, die mit Querflöte und Saxophon die Veranstaltung musikalisch umrahmen sollten, am S-Bahn-Halt Völkerschlachtdenkmal ausgebremst – Jesse spielte kurzentschlossen Chauffeur. Auch einige Sitze im Publikum blieben leer, um so mehr freute sich der Bürgermeister, dass neben Vertretern Brandiser Vereine und Einrichtungen sowie Stadträten auch Sachsens Integrationsministerin Petra Köpping (SPD), vorbei an umgekippten LKW auf der Autobahn, von Berlin gekommen war, ebenso wie Landrat Henry Graichen (CDU).

Denn Jesse nutzte den Empfang auch für eine Bilanz sowie einen Ausblick auf 2018. Und viele der genannten Aufgaben, ob das den Ratskeller betrifft, wo Jesse vom „Ausbremsen durch den Denkmalschutz“ sprach, oder die Schaffung von Kita-Plätzen, kann die Stadt nur mit Unterstützung von Landkreis und Land stemmen. Deshalb würdigte er auch, dass der Landkreis beim Ausbau der digitalen Infrastruktur mit den Kommunen an einem Strang zieht. Warum, erklärte Graichen: „Der Landkreis steht hier auf dem vorletzten Platz in Sachsen. Es kann nicht sein, dass Kommunen in Haftung genommen werden, weil der Bund sein Unternehmen Telekom versilbert hat.“

Auszeichnungen fürs Ehrenamt

KATEGORIE SOZIALES ENGAGEMENT: Sabine Köhler hat beim Aufbau der Arbeiterwohlfahrt in Brandis geholfen, ist seit 25 Jahren Vorsitzende des Awo-Ortsvereins und organisiert den Handarbeitskreis. Günter Vogel ist seit zehn Jahren Vorsitzender des Ortsvereins Beucha der Volkssolidarität und organisiert die monatlichen Treffen. Beide, so Laudator Joachim Kühnel, wirken außerdem im Seniorenbeirat der Stadt mit.

KATEGORIE KINDER/JUGEND/SPORT: Eberhard Pruß ist seit den 1990ern Mitglied im TSV. Laudatorin Cornelia Steinhilber bezeichnete ihn als „guten Geist des Hauses, der für jeden ein offenes Ohr hat“. Seiner Beharrlichkeit ist es zu verdanken, dass im Vereinsheim seit vergangenem Jahr auf einer Weltmeisterschaftsanlage gekegelt wird.

SONDERKATEGORIE FESTKOMITEE 150 JAHRE FREIWILLIGE FEUERWEHR BRANDIS: Polizeipräsident Bernd Merbitz betonte, der Einsatz der Wehr könne gar nicht genug gewürdigt werden. Sie rückte 2017 nicht nur zu 107 Einsätzen aus, sondern habe mit der Festwoche „für Jung und Alt in Brandis nachhaltig Identität gestiftet“.

KATEGORIE HEIMAT- UND KULTURPFLEGE: Joachim Kühnel hat, so Laudator Pfarrer Christoph Steinert, nachhaltig das Stadtbild mit geprägt – CVJM-Haus, Kita Kinderstube, Musikarche gehen auf sein Konto. Er hat Hunderte Kinder an die Musik herangeführt, war lange Jahre Stadtrat und engagiert sich noch immer als Seniorenbeauftragter.

„Aber wir sind leider nicht nur Treiber von Projekten, sondern auch Getriebene oft restriktiver Rahmenbedingungen“, kritisierte Jesse. „Wir verlieren uns in Verfahren, die kein Bürger nachvollziehen kann.“ Dass zum Beispiel die Ausweisung eines Baugebietes Jahre dauert, könne er keinem erklären, der jetzt in den Kreis ziehen möchte.“ Auch der Radweg Brandis-Polenz werde schon seit 15 Jahren gefordert. „Abwägungsprozesse halten nicht mehr Schritt mit Erfordernissen“, resümierte Jesse, „und das bedeutet Vertrauensschwund.“ Womit er bei der Bundestagswahl und den eigenen Genossen war. „98 Prozent der Bürger sind nicht in einer Partei organisiert, und wenn sie dann eine wählen, dann sicher nicht, damit sie sich mit sich selbst beschäftigt.“ Die Politik sei vielmehr aufgerufen Erleichterung zu schaffen. Die Bürger wollen vor Ort spüren, dass die aus allen Nähten platzende Oberschule ausgebaut, katastrophale Straßen wie die nach Polenz in Ordnung gebracht werden.“

Aber, bemühte Jesse ein Gauck-Zitat, Bürger seien nicht nur Konsumenten, sondern auch Mitgestalter. Und es gebe viele Möglichkeiten, sich einzubringen, schlug er den Bogen zum Höhepunkt des Abends, der Ehrung von Bürgern, die sich fürs Gemeinwohl einsetzen. „Es ist wichtig, dass die Stadt Personen, die sie prägen, heute in den Mittelpunkt stellt“, meinte Graichen dazu. „Denn wichtig in einer Stadt sind nicht nur bauliche Spuren, sondern auch menschliche.“ Und so ermutigte Jesse: „Sie sollten uns ein Vorbild sein. Machen Sie weiter! Leben Sie Verantwortung!“

Von Ines Alekowa

Wie lief 2017, und was steht in Brandis 2018 auf der Agenda? LVZ sprach mit Bürgermeister Arno Jesse (SPD) über die wichtigsten Vorhaben.

19.01.2018

Für Domkantor Johannes Dickert ist es das letzte Jahresprogramm der Wurzener Kirchenmusik, das er in seiner aktiven Dienstzeit auflegte. Denn der 64-Jährige geht am 31. Januar 2019 in Rente. Mit über 20 Konzerten im Dom und der Stadtkirche St.Wenceslai bietet die Veranstaltungsreihe wieder allerlei Höhepunkte.

19.01.2018

Der Freistaat wird in diesem Jahr Investitionen in den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) mit insgesamt 43 Millionen Euro in der Region Leipzig unterstützen. Auch der Landkreis profitiert davon.

22.01.2018