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Wurzen CDU-Direktkandidat Ritter: Protestwähler zurückholen
Region Wurzen CDU-Direktkandidat Ritter: Protestwähler zurückholen
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11:36 03.09.2019
CDU-Wahlparty in Wurzen: Ex-Landtagsabgeordnete Hannelore Dietzschold, Direktkandidat Kay Ritter und  Ex-Landtagsabgeordnete Angelika Pfeiffer (v.l.). Quelle: Frank Schmidt
Landkreis Leipzig

Der Wurzener Kay Ritter ist offenbar ein vorsichtiger Mensch: Der 47-Jährige, der im Wahlkreis 26 das Direktmandat holte, hatte am Wahlsonntag nur zur „Wahlauswertung“ eingeladen. Dass daraus im Verlauf des Abends eine Wahlparty wurde, dessen war sich der gelernte Betriebswirt nicht gewiss. „Es war klar, dass es ein enges Rennen wird“, gab der Wurzener am Tag danach zu Protokoll.

Die einlaufenden Hochrechnungen verfolgte er gemeinsam mit Freunden und Bekannten im CDU-Büro am Wurzener Markt. „Als sieben von acht Kommunen ausgezählt waren, wollten einige schon den Sekt öffnen“, berichtet Ritter. Doch er habe auch dieses letzte Ergebnis aus dem Lossatal – dem Heimatort von AfD-Bewerber Jens Zaunick – noch abwarten wollen.

Mit dem AfD-Resultat ist Ritter nicht glücklich

Zu vorgerückter Stunde konnten schließlich doch rund 40 Anwesende den CDU-Sieger beglückwünschen. „Zu den ersten Gratulanten gehörten meine beiden Vorgängerinnen Angelika Pfeiffer und Hannelore Dietzschold.“ Pfeiffer vertrat die Region bis 2009 im Landtag, Dietzschold in der vergangenen Legislaturperiode. Ritter sieht seinen Erfolg als „klares Zeichen für die Region, dass es weiter nach vorne geht“. Nicht glücklich sei er mit dem AfD-Resultat. Jetzt gehe es darum, auch die Protestwähler zurückzuholen, die von den demokratischen Parteien abgewandert seien. „Ich hoffe, dass es uns gelingt, die AfD zu entzaubern.“

Der Wurzener Kay Ritter holte im Wahlkreis 26 das Direktmandat für die CDU. Quelle: CDU Sachsen

Als gänzlichen Landtags-Neuling kann man Ritter dabei nicht bezeichnen: Den Dresdner Politikbetrieb kennt er bereits seit vielen Jahren. Als bisheriger Büroleiter von Dietzschold weiß er, welche Klinken man putzen muss, um die Interessen der Region in Dresden zu vertreten. Obwohl sich Ritter freute, „dass meine Heimatstadt hinter mir steht“, erreichte er seine besten Resultate nicht in Wurzen: Die höchste Zustimmung gab es für den CDU-Mann in Thallwitz (35,5 Prozent), im Lossatal (35,1 Prozent) sowie in Borsdorf (34,8).

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AfD-Direktkandidat Jens Zaunick jagte der Linken ihren bisherigen zweiten Rang rund um Wurzen ab. Entsprechend enttäuscht kommentierte Jens Kretzschmar (Linke) den Wahlausgang: „Mit diesem Ergebnis kann man nicht zufrieden sein“, so der 46-jährige Erzieher. „Ich bin frustriert, dass eine so rassistische Partei wie die AfD so ein gutes Ergebnis holt.“

Am 1. September wurde in Sachsen ein neuer Landtag gewählt. Diese Kandidaten aus dem Kreis Leipzig haben es als Direktkandidaten oder über die Liste ihrer Partei ins neue Parlament geschafft.

Das einzig Tröstliche sei, dass er besser als die Linke insgesamt abgeschnitten habe, „was ich als Bestätigung meiner Arbeit als Kommunalpolitiker werte“. Am Tag danach überwiege bei ihm noch die Enttäuschung, so Kretzschmar. „Aber spätestens morgen nehmen wir das Wahlergebnis als Auftrag, uns zu verbessern. Dazu gehört für mich auch, Fehler bei uns und nicht nur den anderen zu suchen.“

Birgit Kilian nur in Borsdorf zweistellig

Ganz optimistisch war auch Birgit Kilian in den Wahlkampf gestartet. Rund um Wurzen, wo die SPD mit Jörg Röglin auch den Oberbürgermeister stellt, wollte man etwas reißen. „Ich hatte mir schon ein zweistelliges Ergebnis vorgenommen, das habe ich mit 14 Prozent immerhin in meinem Heimatort Borsdorf erreicht“, zog Kilian ein vorläufiges Fazit.

Gegen den Trend habe sie nichts ausrichten könne, bedauerte die Borsdorferin. „Ich freue mich jedoch, dass mit Kay Ritter ein Demokrat den Wahlkreis gewonnen hat.“ Was künftige Machtoptionen betrifft, hält die SPD-Frau nur Schwarz-Rot-Grün für machbar. „Mit dieser Koalition würde auch ein großes Meinungsspektrum der Wählerschaft abgebildet.“

Auf Rang drei kam Andreas Dietze für die Freien Wähler. „Allerdings hätte ich mir mehr ausgerechnet als magere 11,3 Prozent“, gab der 61-Jährige unumwunden zu. Dietze punktete als ehemaliger Brandiser Stadtchef und jetziger Beauftragter in Machern besonders in diesen beiden Kommunen und sorgte hier mit 18,6 beziehungsweise 16,1 Prozent für zwei der sachsenweit besten Ergebnisse der Freien Wähler.

Auf Rang drei kam Andreas Dietze für die Freien Wähler. Quelle: privat

Allerdings genügte die Bekanntheit dann doch nicht für einen Überraschungseffekt, der bis hinter die Mulde reicht. „Für mich ist das Ergebnis enttäuschend und lehrreich zugleich“, meinte Dietze. Von landespolitischen Ambitionen sei er jedenfalls erstmal „geheilt“.

Schlechtestes Ergebnis aller sächsischen CDU-Direktkandidaten in Brandis

Brandis fiel auch sonst aus dem Rahmen. Für die CDU, die im Vorjahr mit dem kompletten Austritt eines CDU-Stadtverbandes deutschlandweit für Schlagzeilen sorgte, war die 10.000-Einwohner-Stadt kein gutes Pflaster. Kay Ritter fuhr hier mit 24,7 Prozent eines der schlechtesten Ergebnisse aller sächsischen CDU-Direktkandidaten ein und musste der AfD den Vortritt lassen.

Von Simone Prenzel

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