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Wurzen Demokratieforum Brandis wird wieder aktiv
Region Wurzen Demokratieforum Brandis wird wieder aktiv
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16:20 26.07.2019
Der Markt von Brandis – in die Gestaltung der Kommune sollen möglichst viele Bewohner einbezogen werden. Quelle: Thomas Kube
Brandis

Um das Brandiser Forum für Demokratie und Vielfalt war es in letzter Zeit still geworden. Mit dem Wegzug der letzten Moderatorin Leona Köhler-Wolter war die Arbeit des Forums zum Erliegen gekommen. Jetzt will es wieder aufstehen. Für Donnerstagabend hatte der vorherige Sprecher des Forums, Markus Bergforth, dazu Mitstreiter und interessierte Bürger in den Rathaussaal eingeladen. Das Ziel: einen neuen Moderator und Sprecher des offenen, nicht als Verein organisierten Zusammenschlusses zu wählen und vor allem den weiteren Weg zu beschreiben.

Forum entsteht aus der Mitte von Brandis

Das Forum ist eine Initiative der Bürgerschaft Brandis, es hatte sich 2011 nach dem Überfall 2009 von Neonazis auf das Fußballspiel des FSV Brandis gegen Roter Stern Leipzig gegründet. „Das Forum repräsentiert den Willen der demokratischen Kräfte in Brandis, dass menschenverachtende Gedanken und Handlungen in Brandis nicht geduldet werden“, heißt es auf der Internetseite des Forums. Wer sich dafür einsetzen will, ist willkommen.

Trotz der losen Organisationsform sei das Forum aber „nicht irgendein Club“, betonte Bürgermeister Arno Jesse (SPD). Er verwies auf den Beschluss von 2017, in dem der Stadtrat sein Bekenntnis zur Förderung des Forums sowie für ein vielfältiges, gewaltfreies und demokratisches Miteinander in der Stadt erneuert hatte. „Und diesem Auftrag wollen wir auch nachkommen“, unterstrich Bergforth (SPD), der auch dem neuen Stadtrat wieder angehört.

Forum offen für Mitstreiter

Kommentar von Ines Alekowa

Offener für Mitstreiter als das Brandiser Forum für Demokratie und Vielfalt kann eine Initiative nicht sein. Ohne dem Zwang einer Mitgliedschaft zu unterliegen, ist hier jeder willkommen, unabhängig davon, ob er/sie sich in einem Verein, in einer Schule, Kirche, in einem Ortschafts- oder Stadtrat engagiert. Wichtig allein ist, dass demjenigen die Stadt und deren demokratische Entwicklung am Herzen liegt, dass er/sie menschenverachtende Handlungen und Gedanken nicht dulden will. Trotzdem folgte der Einladung des Forums, das wieder verstärkt aktiv werden will, nur eine Hand voll Bürger in den Ratssaal. Darunter die, die sich auch sonst für die Stadt einsetzen. Und wo waren die anderen der rund 9500 Einwohner?

Es war nie richtig, dem Zeitgeschehen nur von der Couch aus zuzusehen. Und heute ist es wichtiger denn je, die Komfortzone zu verlassen und für Demokratie und Vielfalt aufzustehen. NSU-Terror, die wachsende Fremdenfeindlichkeit, die erst am Montag wieder in Schüsse auf einen Eritreer in Hessen gipfelte, das Erstarken der rechtspopulistischen AfD – wie vieler Warnsignale bedarf es noch, bis auch der Letzte aufgerüttelt wird?

Im Brandiser Forum, lange in der Versenkung verschwunden, sind die Signale angekommen. Hier will man nicht nur auf Aktionen, sondern vor allem auf Information und Diskussion setzen. Miteinander ins Gespräch kommen, zuhören, Meinungen aushalten. Wichtig wird dabei sein, mit solchen Angeboten nicht nur die ohnehin für Argumente Aufgeschlossenen zu erreichen, sondern vor allem die Verbitterten, die meinen, eine Protestwahl genüge, und die damit doch nur Geister rufen, die schwer wieder los zu sein werden.

i.alekowa@lvz.de

SPD-Politiker Bergforth kritisiert politischen Diskurs

Das sei dringender als je zuvor geboten. „Der Umgang miteinander im politischen Diskurs ist verkommen“, konstatierte Bergforth. „Wer eine kontroverse Meinung vertritt, muss das Schlimmste befürchten“, spielte er auf die Ermordung des Kasseler Regierungspräsidenten Lübcke Anfang Juni an. „Auf dieser Ebene können wir uns nicht weiter bewegen.“ Vor allem Dagmar Kahl hatte darauf gedrängt, wieder etwas zu tun. Die langjährige Stadträtin (Linke), von Anfang an im Forum engagiert, beobachtet mit Sorge, dass auch in Brandis AfD und die Identitäre Bewegung verstärkt Anhänger finden. Auch Reichsbürger gebe es hier. „Da sollten wir gegensteuern“, mahnte sie. Das Forum könnte, wie in der Vergangenheit schon geschehen, zum Beispiel Informationsveranstaltungen organisieren, „wo die Bürger über solche Trends aufgeklärt werden und darüber, welche Gefahren sie bergen“.

Doppelspitze führt Brandiser Forum

Dagmar Kahl (72) wird zusammen mit Sven Uhl (30), neu gewählter SPD-Ortschaftsrat für Beucha, die künftige Doppelspitze des Forums bilden. Während seines Wahlkampfes hätten ihm Bürger von ihrer Angst erzählt, ihre Meinung zu äußern, erzählte Uhl und forderte deshalb: „Wir müssen Brücken bauen, damit ein Meinungsaustausch wieder möglich wird. Meinungsunterschiede sind wichtig. Das führt zwar zu Streit, aber auch zu gemeinsamen Lösungen.“

Jesse will in Information und Diskussion vor allem die Schulen mit einbinden. „Damit zum Beispiel Reichsbürger an Attraktivität verlieren, ist politische Bildung gefragt.“ Dass es hier offenbar Defizite gibt, machte Kahl deutlich: „Das Ergebnis der U18-Wahl im Vorfeld der Bundestagswahl 2017 hat mich erschreckt.“ 419 Jugendliche an Oberschule und Gymnasium hatten sich beteiligt. Dabei erhielt die AfD 39 von 404 gültigen Stimmen (9,7 Prozent), die NPD 16 Stimmen (4). Von den Erststimmen entfielen auf Lars Herrmann (AfD) 53 (13,1 ). „Dabei wurde dem Gymnasium erst kurz zuvor der Titel ,Schule ohne Rassismus’ verliehen.“

Aktion gegen hetzende Aufkleber in Brandis

Am 12. September, 19 Uhr, will das Forum erneut zusammenkommen. Dann sollen konkrete Ziele definiert werden. Erste Ideen gibt es bereits. Man könnte wie 2012 erneut eine Putzaktion starten, schlug Bergforth vor, „denn menschenverachtende Aufkleber an Masten nehmen überhand“. Kathleen Doetsch regte an, an den Messerangriff zu Jahresbeginn in Beucha anzuknüpfen. „Die Unkenntnis der Leute, wie sich das Strafmaß begründet, benutzen Rechte, um Unzufriedene auf ihre Seite zu ziehen“, sagte sie. Eine Infoveranstaltung mit einem Juristen könne hier zur Aufklärung beitragen. „Aber wer fragt, muss auch die Antworten vertragen.“

Von Ines Alekowa

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