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Wurzen Der Wurzener Friedhof wird zum Paradies für Bienen
Region Wurzen Der Wurzener Friedhof wird zum Paradies für Bienen
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14:51 08.07.2019
Inmitten der blühenden Pracht: Friedhofsverwalter Paul Schütz (Mitte), sein Stellvertreter Norbert Kröger (l.) und Imker Dieter Peche.
Inmitten der blühenden Pracht: Friedhofsverwalter Paul Schütz (Mitte), sein Stellvertreter Norbert Kröger (l.) und Imker Dieter Peche. Quelle: Kai-Uwe Brandt
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Wurzen

Kornblumen, Habichtskraut, Schafgarbe, Löwenzahn, Mohn und noch viel mehr: Zwei Wildblumenwiesen auf dem Friedhof an der Dresdener Straße bieten Insekten und den Bienen des Wurzener Imkers Dieter Peche neuerdings einen reich gedeckten Tisch. Und darauf sind Friedhofsverwalter Paul Schütz und sein Stellvertreter Norbert Kröger nicht ohne Grund stolz.

Bereits im Frühjahr ließ das Duo auf circa 300 Quadratmeter die alte Grasnarbe abtragen und frische Erde als idealen Nährboden aufbringen. Danach wurde bienenfreundlicher Wildblumensamen gesät und die beiden Areale über vier bis sechs Wochen feucht gehalten. Dass sich die Mühen und Kosten gelohnt haben, können heute Besucher des Friedhofs an der bunten Blütenpracht sehen. So zum Beispiel unweit des Gräberfeldes für die Schmetterlingskinder.

Friedhof will sich an deutschlandweiter Initiative beteiligen

„Das Echo auf unser aktuelles Projekt ist durchweg positiv“, berichtet Schütz. „Viele loben die Initiative“, fügt Kröger an. Eben deshalb möchte das Duo sein Konzept einer naturnahen Begräbnisstätte gern fortführen – trotz des finanziellen und personellen Aufwandes. Hilfe erhofft sich der Friedhofsverwalter vom Netzwerk „Blühende Landschaft“, insbesondere über die bundesweite Aktion „BienenBlütenReich“.

Hierbei ruft das Netzwerk dazu auf, statt Trauerkränze zu kaufen, die schnell verwelken, lieber die Summe zweckgebunden zu spenden. Das Geld wird nämlich an Vorhaben weitergereicht, bei denen blühende Flächen für Bienen, Hummeln, Schmetterlinge und Co. entstehen. „Wir haben uns daraufhin beworben“, so Schütz. Außerdem plant er, eventuell Schautafeln mit Informationen zu den Pflanzen und Insekten aufzustellen. Kröger sieht zudem noch weitere Vorteile der Wildwiesen. Sie seien pflegeleicht, anspruchslos und erfreuen durch die Vielfalt an Farben und Blüten. Lediglich einmal im Jahr müsse gemäht werden, und „die Pflanzen samen sich selber aus“.

Dieter Peche besitzt von klein auf Bienen. Mittlerweile betreibt der 66-Jährige die Imkerei als Hobby. Zehn Bienenmagazine hat er auf dem Friedhof in Wurzen stehen. Quelle: Kai-Uwe Brandt

Imker Peche ist begeistert über die neue Blühkultur

Begeistert über die neue Blühkultur in der Dresdener Straße zeigt sich vor allem Friedhofsimker Dieter Peche. Seit Anfang des Vorjahres hat der 66-Jährige zehn Bienenmagazine auf dem Gelände stehen. Die fleißigen Immen sorgen dank der vielen Linden, der nahen Gartenanlage sowie der nunmehr zwei Wiesen für reichlich Ertrag. Am liebsten wäre es dem Rentner, wenn andere dem positiven Beispiel von Schütz und Kröger folgten.

„Es existieren schließlich zahlreiche große Freiflächen von Unternehmen und Großvermietern in der Stadt, über die regelmäßig der Rasentraktor fährt und so den Insekten die Nahrung raubt.“ Ein weiteres Grundübel sei aus Sicht des Fachmanns die Landwirtschaft. Der Anbau von Monokulturen dezimiere seit Jahren die Bienenvölker. Zum Bienensterben tragen aber auch die Varroamilbe sowie der Einsatz von Insektiziden bei.

Die Bienen von Imker Dieter Peche finden auch dank der zwei frisch angelegten Wildblumenwiesen auf dem Friedhof Wurzen reichlich Nahrung. Quelle: Kai-Uwe Brandt

Praxislehrgang für interessierte Anfänger

Die ersten Bienen hielt Peche schon als Kind. Gemeinsam mit seiner Frau Renate betrieb er dann ab 1978 intensiv die Imkerei. „Mittlerweile ist es lediglich noch reines Hobby.“ Sein Wissen gibt er übrigens trotz Ruhestands weiter. „Einmal im Jahr veranstalte ich einen Praxislehrgang für Anfänger, der sonst im März stattfindet und den ich diesmal im Juni durchgeführt habe.“ Bei seinen Kursen beobachtet er einen erfreulichen Trend: „Mehr und mehr junge Leute interessieren sich jetzt für die Imkerei.“

Wurzen betreibt den größten Friedhof im Landkreis Leipzig

Der Wurzener Friedhof wurde am 18. Juli 1887 eingeweiht und hat eine Größe von sieben Hektar. Dem Beerdigungsbuch nach erfolgte die erste Bestattung am 4. August 1887. Zur Sehenswürdigkeit der Anlage gehört die 1886/1887 errichtete Kapelle im Stile der Neorenaissance, die 1928 nach den Plänen des Wurzener Architekten Professor Hermann Paul Mannewitz (1888 – 1958) dreiseitige flache Anbauten erhielt. Der größte Friedhof des Landkreises verfügt über 1800 Grabstellen und circa 3500 Liegeplätze.

Von Kai-Uwe Brandt

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