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Wurzen Ehrensache aus familiärer Tradition - von Breitenbuch spricht beim Gedenkmarsch
Region Wurzen Ehrensache aus familiärer Tradition - von Breitenbuch spricht beim Gedenkmarsch
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05:00 14.04.2012
Von Haig Latchinian

. Damit erinnern Initiativgruppen an die oft ziellosen Todesmärsche, auf die KZ-Häftlinge in den letzten Kriegstagen 1945 gehetzt wurden. CDU-Kreisvorsitzender Georg-Ludwig von Breitenbuch wird auf dem Wurzener Friedhof die Hauptrede halten. Für ihn Ehrensache – auch aus familiärer Tradition heraus.

Eberhard von Breitenbuch, ein Bruder meines Großvaters, versuchte im März 1944 auf dem Obersalzberg ein Pistolenattentat auf Hitler, während mein Großvater bei der Durchführung von ,Walküre‘ in Paris beteiligt war", berichtet Georg-Ludwig von Breitenbuch.

Der Politiker sieht durchaus einen Zusammenhang zwischen den fehlgeschlagenen Bemühungen des Widerstands und den Todesmärschen im Muldental: „Ziel der Attentatspläne war ja, den Krieg und damit das sinnlose Töten zu beenden. Wie viel Leid wäre der Menschheit erspart geblieben, hätte Hitler eher beseitigt werden können. Das Fatale: Nach jenem 20. Juli 1944 starben sogar noch mehr Deutsche als in den Kriegsjahren zuvor. Mit den Todesmärschen im Muldental wollte die SS ihre Verbrechen vertuschen."

Georg-Ludwig von Breitenbuch findet es richtig und wichtig, die Erinnerung an den Zug der Häftlinge in ihren Holzpantinen wach zu halten: „Wer in der Demokratie schläft, wird in der Diktatur aufwachen", sagt der 40-Jährige. Genau diesen Satz empfindet er als Vermächtnis nicht zuletzt auch seines Großonkels. Eberhard von Breitenbuch wollte Hitler erschießen und damit den Staatsstreich „Walküre" auslösen. Vor allem die von deutschen Besatzern verübten Verbrechen in Bialowies öffneten dem aktiven Offizier der Wehrmacht die Augen. Oberst Henning von Tresckow gewann ihn später für seine Widerstandsbewegung, unterbreitete ihm den Vorschlag, Hitler umzubringen. Als Eberhard von Breitenbuch am 11. März 1944 zu einer Lagebesprechung in Hitlers „Berghof" auf den Obersalzberg eingeladen war, wollte er dort die Gelegenheit nutzen. Er hatte eine geladene Browning in der Hosentasche. Aber entgegen der üblichen Praxis wurden erstmals Adjutanten von den SS-Wachen nicht zur Besprechung zugelassen. Sechs lange Stunden schwitzte der Rittmeister allein im Vorzimmer, glaubte schon an Verrat. Doch es passierte nichts. Das geplante Attentat kam nicht zustande.

Ingo Stange von der „Initiativgruppe Gedenkmarsch" begrüßt das Engagement des CDU-Politikers für die Veranstaltung: „Herr von Breitenbuch wollte bereits im Vorjahr auf dem Wurzener Friedhof sprechen. Allerdings musste er aus familiären Gründen kurzfristig absagen. Umso mehr freuen wir uns, dass es diesmal klappt. Das Thema sollte allen Demokraten so wichtig sein, dass der politische Alltagsstreit zumindest an diesem Tag ruht", so Stange.

Erst vor wenigen Tagen hielt von Breitenbuch in Frohburg ein Grußwort zur Eröffnung der Ausstellung mit Fotos aus einem Kriegsgefangenenlager. Dabei zitierte er den ehemaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker, der 1985, zum 40. Jahrestag der deutschen Kapitulation, von einem Tag der Befreiung, auch für Deutschland, sprach: „Das hatte ein deutsches Staatsoberhaupt noch nie so deutlich gesagt. Aber die Zeit war reif, diese Tatsache anzusprechen."

Haig Latchinian

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