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Wurzen Feldtag im Wassergut Canitz
Region Wurzen Feldtag im Wassergut Canitz
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09:34 21.06.2018
Die Natur ist der beste Künstler – wie hier auf einem Feld bei Canitz zu bestaunen. Auch mit sogenannten Blühstreifen sollen auf landwirtschaftlichen Flächen Farbtupfer gesetzt werden.
Die Natur ist der beste Künstler – wie hier auf einem Feld bei Canitz zu bestaunen. Auch mit sogenannten Blühstreifen sollen auf landwirtschaftlichen Flächen Farbtupfer gesetzt werden. Quelle: Foto: Thomas Kube
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Landkreis Leipzig

Ein Forschungsprojekt soll helfen, die Kulturlandschaft der Parthenaue zu erhalten. Das Untersuchungsgebiet erstreckt sich entlang der Parthe vom dicht bebauten Leipziger Zentrum über Taucha bis nach Borsdorf. Titel des Vorhabens: Stadtpartheland. Bis 2019 fördert das Bundesministerium für Bildung und Forschung das Vorhaben.

Nachdem im Jahr 2015 der Startschuss für die mehrjährige Untersuchung fiel, luden die Akteure kürzlich zum zweiten Male zu einem Feldtag ein. Als Projektpartner außerhalb des ursprünglich definierten Areals konnte dabei die Wassergut Canitz GmbH, eine hundertprozentige Tochter der Stadt Leipzig, gewonnen werden. Bereits seit 2017 steht der Bio-Landwirtschaftsbetrieb dem Forschungsprojekt als wertvoller Kooperationspartner zur Seite.

Auf den Feldern des Wassergutes werden seitdem sogenannte Blühstreifen getestet. Deren Praxistauglichkeit untersuchen die Forscher im Rahmen ihrer Tätigkeit. „Das Forschungsvorhaben geht speziell der Frage nach, ob auf diese Weise naturschutzfachlich wertvolle Flächen inmitten der laufenden landwirtschaftlichen Produktion entstehen können“, so Projektmitarbeiter Philipp Herrmann von der TU Dresden.

Blühstreifen auf der Sonnenseite einer Baumhecke im Wassergut Canitz: Deutlich sichtbar unterscheiden sich die Ausprägungen der gleichen Saatgutmischungen. Quelle: TU Dresden

Wenn auf der grünen Wiese neu gebaut wird, geht vielfach Ackerfläche verloren. Dann werden Ausgleichsmaßnahmen auf anderen Standorten angeordnet, was wiederum Flächenverzehr bedeutet. Die Projekt-Beteiligten setzen auf einen anderen Ansatz: Innerhalb von Feldern sollen Areale naturschutzfachlich aufgewertet werden. An mehreren Stellen des Parthelandes, aber auch in Canitz werden dafür Blühfenster gemeinsam mit der Landwirtschaft erprobt. Innerhalb seines Ackers lässt der Landwirt einfach einige Quadratmeter frei. Der Vorteil: Die Areale bleiben ihrem Status nach Landwirtschaftsflächen, sie könnten, so die Überlegung, als gesetzlich geforderte Ausgleichsflächen entsprechend finanziert werden.

„An verschiedenen Praxisbeispielen konnten die Teilnehmer die Potenziale und Herausforderungen der erprobten Maßnahmen mit Vertretern von Landwirtschaft, Behörden und Naturschutz diskutieren“, fasste Herrmann den Verlauf der Veranstaltung in Canitz zusammen.

Schlagteilender Blühstreifen in Canitz: Beide Abschnitte wurden mit der rebhuhnfreundlichen Göttinger Mischung eingesät. Der rechts Teilbereich stammt aus dem vorherigen Jahr. Quelle: TU Dresden

Nach einer kurzen Einführung hatten die 25 Teilnehmer mehrere Blühstreifen in Augenschein genommen, die sich sowohl hinsichtlich ihrer Saatgutmischungen, als auch in angepassten Pflegerhythmen und dem Erreichen ihres Endzustandes unterschieden. „Dabei wurde nicht nur auf die positiven Beispiele eingegangen, sondern bewusst auch solche in den Fokus genommen, deren Anlage aufgrund der diesjährigen Frühjahrstrockenheit nicht vollständig gelingen konnte.“

Bereits jetzt ist die nächste Veranstaltung geplant. Am 16. November wird es in der Naturschutzstation Plaußig unter dem Motto „Werkschau Partheland“ um Biomeiler und Blühstreifen gehen. Der Forschungsverbund Stadtpartheland präsentiert dann Arbeitsergebnisse aus den zurückliegenden Jahren. Wichtigstes Ziel des Forschungsverbundes unter Leitung der TU Dresden ist es dabei, Instrumente für ein Kulturlandschaftsmanagement entlang der Parthe zu entwickeln.

Weitere Informationen unter www.stadtpartheland.de

Von Simone Prenzel