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Wurzen Funkstille in Leulitz bedroht Firmenexistenz
Region Wurzen Funkstille in Leulitz bedroht Firmenexistenz
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00:22 11.08.2018
Christoph Dietze vor seinem Lager in Leulitz. Quelle: Ines Alekowa
Bennewitz/Leulitz

In der Polenzer Straße 12 in Leulitz herrscht Funkstille. Wenn Christoph Dietze im Internet recherchieren oder eine E-Mail verschicken möchte, dann steht er am besten 3 Uhr nachts auf. Nur dann hat er die Chance, dass seine Verbindung „in die Welt draußen“ halbwegs funktioniert.

Unternehmer ist auf Internet angewiesen

Für den Mittelständler ist das eine Katastrophe. Seine Firma Museal übernimmt Kunsttransporte, stattet Museen und Ausstellungen unter anderem mit Vitrinen aus, übernimmt Auf- und Abbau von Expositionen. „Wir arbeiten regelmäßig für fast alle Leipziger Museen, wie Bachmuseum, Grassi- und Bildermuseum“, erklärt er. Museal habe aber ebenso schon für das Schlossmuseum Sondershausen die komplette Depotberäumung, 800 Exponate von Möbeln bis zu Textilien, übernommen. „Für uns ist eine stabile Internetverbindung existenziell“, sagt Dietze. „Ich muss in den Kernzeiten der Museen, 9 bis 18 Uhr, erreichbar sein und angeforderte Angebote schicken können.“ Gerade das sei sein Vorteil als kleines Unternehmen, „schnell und flexibel reagieren zu können“. Aber nicht nur dafür braucht Dietze Internet. Für die aktuelle Ausstellung „Thietmars Welt“ im Merseburger Dom hat er Kuriere zu 60 Leihgebern von Bayern über Budapest und Prag bis nach Kopenhagen gesandt. „Zug- und Flugtickets werden diesen in der Regel per E-Mail zugeschickt. Und dann brauchen wir das Internet auch, um die Transportrouten zu planen“, erklärt er.

Zurück in der Heimat

In der Leipziger Südvorstadt, wo Museal bis Ende 2017 seinen Standort hatte, war all das kein Thema. Doch Dietze wollte mit 60 zurück zu seinen Wurzeln. Der studierte Bibliothekar hatte einst der DDR den Rücken gekehrt. In Frankfurt/Main arbeitete er zehn Jahre als stellvertretender Betriebsleiter bei einer Firma, die weltweit Museen mit Vitrinen belieferte, bevor er beschloss, sich selbstständig zu machen und in die Heimat zurückzukehren. Mittlerweile behauptet er sich mit Museal 20 Jahre erfolgreich am Markt. „Wir sind Stück für Stück gewachsen, stehen auf soliden Füßen.“

Investition in Drei-Seiten-Hof der Eltern

Vor drei Jahren dann hat er den Drei-Seiten-Hof seiner Eltern in Leulitz ausgebaut und in die Scheune 150000 Euro investiert, um sie zu einem Lager für seine klimaneutralen Transportkisten umzubauen. „Wir arbeiten europaweit, da ist es eigentlich egal, ob der Firmensitz in Leipzig oder Leulitz ist“, so sein Standpunkt. „Das A und O ist die Kommunikation.“ Natürlich habe er gewusst, dass der Bennewitzer Ortsteil in Sachen Internet ein weißer Fleck ist. „Aber eine Brandiser Fachfirma hat für uns recherchiert und die SkyDSL Deutschland GmbH empfohlen, die Internet über Satellit anbietet“, erzählt er. Der Unternehmer bekam eine Satelittenschüssel aufs Dach, und um die gesamte Technik auf den neuesten Stand zu bringen, schaffte er sich gleich noch einen neuen Computer an.

Lösung lässt auf sich warten

Und bis Ende Juni funktionierte diese Lösung auch einigermaßen. „Aber seitdem ist alles tot. Es baut sich im Internet nicht mal eine Startseite auf.“ Und beim E-Mail-Versand kapituliere das System schon bei kleinsten Datenmengen: „Bei uns hängt eine Rechnung noch im Postausgang, der Empfänger hat sie aber schon im Dutzend in seinem Posteingang.“ Der Brandiser Fachmann kam, vermaß die Ausrichtung der Sat-Schüssel, überprüfte die Leitungen... – alles in Ordnung. „Als er sich daraufhin an SkyDSL wandte, dauerte es allein 14 Tage, um eine Vorgangsnummer zu erhalten“, berichtet Dietze. Er rief selbst an. „Man bekommt nur einen Sachbearbeiter ans Telefon und wird nicht weitergeleitet“, ärgert sich Dietze. „Die lassen einen am langen Arm verhungern.“ Die Gebühren, 50 Euro pro Monat, hingegen würden pünktlich abgebucht. Jetzt hat er SkyDSL angeschrieben – ganz konventionell, auf dem Postweg. „Sicher ist sicher“, sagt Dietze. „Es ist schlimm, wie diese Globalplayer arbeiten. Würde ich mich als Mittelständler so kundenunfreundlich verhalten, wäre ich schon längst weg vom Markt.“

Er setzt seine Hoffnung nun auf die Telekom, die vor Kurzem in Leulitz Glasfaser bis zu den Verteilerkästen verlegt hat, für die Strecken zu den Häusern aber bekanntlich weiter auf Kupferkabel setzt. „Meine ausländischen Geschäftspartner schütteln über das Entwicklungsland Deutschland in Sachen Breitband den Kopf“, sagt Dietze, „aber für mich wären schon 50 Mbit/s ein Quantensprung.“ Die Alternative hieße wieder Leipzig. „Eigentlich“, so erzählt Dietze, „habe ich geplant, einen neuen LKW zu kaufen. Aber wenn das Internetproblem nicht bis September, wenn richtig große Aufträge anstehen, gelöst wird, werde ich den Kauf wohl verschieben und statt dessen in ein Büro in Leipzig investieren müssen.“

Von Ines Alekowa

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