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Wurzen Großvermieter investiert Rekordsumme und kauft Häuser in der Schillerstraße
Region Wurzen Großvermieter investiert Rekordsumme und kauft Häuser in der Schillerstraße
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00:21 15.01.2018
Allein die umfangreiche Modernisierung des Wohnhauses Theodor-Körner-Straße 82-88 erforderte zwei Millionen Euro. 3,4 Millionen investierte die Wohnungsgenossenschaft Wurzen insgesamt im Vorjahr.
Allein die umfangreiche Modernisierung des Wohnhauses Theodor-Körner-Straße 82-88 erforderte zwei Millionen Euro. 3,4 Millionen investierte die Wohnungsgenossenschaft Wurzen insgesamt im Vorjahr. Quelle: Foto: Kai-Uwe Brandt
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Wurzen

Mit fast dreieinhalb Millionen Euro hat die Wohnungsgenossenschaft Wurzen 2017 so viel in ihren Bestand investiert wie seit 20 Jahren nicht mehr. Der Großteil der Summe – insgesamt zwei Millionen – floss dabei in die Modernisierung des Wohnhauses Theodor-Körner-Straße 82 – 88. Ein Projekt, das nicht nur dem Vermieter, sondern ebenso den Mietern viel Kraft und Nerven kostete, wie Geschäftsführer und Vorstandsvorsitzender Sven Mittenzwei sagt.

„Respekt und Kompliment an die Planer sowie die Baufirmen, aber auch an die Bewohner. Sie ertrugen die Bauphase mit einer ausgesprochenen Leidensfähigkeit.“ Immerhin, so der 49-Jährige, bereitete die Genossenschaft ihr Vorhaben über anderthalb Jahre generalstabsmäßig vor, da die Mieter sogar über zwei Wochen ihre Wohnungen verlassen mussten. Manche fuhren während der Zeit in den Urlaub, nutzten die drei Gästewohnungen des Unternehmens oder zogen in eine Pension. „Wir haben dafür unter anderem die Kosten übernommen.“ Der Aufwand lohnte. Denn jetzt verfügen nicht nur die Bewohner des Blocks über schmucke vier Wände. Zugleich schuf die Genossenschaft mit einem Außenfahrstuhl die ersten zehn barrierefreien Wohnungen. „Bisher besaßen wir nicht eine“, fügt Mittenzwei an.

Bei allem verlor der Großvermieter keineswegs den Rest seiner Immobilien aus den Augen. Das Gebäude Querstraße 1 – 8 erhielt neue Eingangstüren, in der Lessingstraße 63 – 73 wurden die Treppenhäuser renoviert sowie die Keller und Böden mit Brandschutztüren ausgestattet. „In Brandis errichteten wir zwischen unseren Häusern einen kleinen und sehr schönen Spielplatz. Mit Schaukel, Rutsche, Kletterwand und Buddelkasten bietet der Platz – bis auf das drahtlose lokale Netzwerk WLAN – alles, was das Kleinkind von heute braucht“, berichtet Mittenzwei. Selbst an Mutti, Vati oder die Großeltern wurde gedacht – mit Bänken und Tischen unter den benachbarten Bäumen der neuen Kinderwelt. Nicht zuletzt richtete die Genossenschaft im Vorjahr 128 Wohnungen nach dem Auszug von Mietern wieder her und erwarb im Sommer drei Wohn- und Geschäftshäuser in der Schillerstraße. Mittenzwei: „Die Immobilien Schillerstraße 30, 32, 34 und 42 – 44 sind Teil des sogenannten Wohngebietes ,Sternwarte’ und wurden 1994 erbaut sowie 2016 renoviert.“ Mit dem Kauf verfügt die Genossenschaft nunmehr über 1726 Wohnungen und 13 Gewerbeeinheiten.

Neben dem Rückblick gewährt der Geschäftsführer zugleich einen Ausblick. Schwerpunkt 2018 mit 600 000 Euro sei zum einen der Anbau von 24 Balkonen in den drei kleinen Häusern des Wohngebietes Steinhof. „Die Gebäude entlang der ehemaligen Kastanienallee erhalten dadurch ein völlig neues Erscheinungsbild.“ Zum anderen plant das Unternehmen für 150 000 Euro die schrittweise Erneuerung der Fassaden in der Georg-Schumann-Straße 2 – 8 sowie 10 – 12 und in der Lüptitzer Straße 1 – 9. Darüber hinaus umfasst das aktuelle Investitionsprogramm in Höhe von 2,5 Millionen Euro die Demontage der alten Heizungsanlagen im Steinhof 38 – 46. Warm werden soll es in Zukunft dank einer zentralen Gasheizung.

Und wie sieht es mit dem Leerstand aus? Mittenzwei zufolge ist die Quote 2017 über die Drei-Prozent-Marke gestiegen (2016 – 2,79 Prozent). Gründe seien die gleichbleibend hohen Kündigungen von Mietern wegen gesundheitlicher Probleme und die Sterbefälle. Allerdings liegt Wurzen im Vergleich mit adäquaten Wohnungsgenossenschaften in Sachsen noch weit darunter – der Wert beträgt 7,8 Prozent. „Unser Ziel für 2018 wird es sein, die Leerstandsquote wieder unter drei Prozent zu senken.“

Die Wohnungsgenossenschaft Wurzen mit Sitz in der Georg-Schumann-Straße 25 beschäftigt derzeit 24 Mitarbeiter, darunter einen Azubi sowie einen Bachelorstudenten und wurde am 22. Dezember 1954 unter dem Namen „Arbeiterwohnungsbaugenossenschaft Albert Kuntz“ gegründet. Mit der Errichtung der ersten Wohnblöcke im Steinhof legte sie im April 1957 das Fundament ihres Immobilienbestandes. 1978 fusionierten die bestehenden fünf regionalen Genossenschaften in Wurzen, Brandis, Bennewitz, Lüptitz und Hohburg zu einer.

Von Kai-Uwe Brandt