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Wurzen Wurzener Neuntklässler setzen 100-jährigen Platanen ein Denkmal
Region Wurzen Wurzener Neuntklässler setzen 100-jährigen Platanen ein Denkmal
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11:49 12.04.2019
Diese Gymnasiasten haben sich im Ethik-Unterricht mit der Baumfällaktion in der Wurzner Dr.-Rudolf-Friedrichs-Straße beschäftigt und fordern mit einem Logo "Frieden mit unseren Bäumen". Quelle: Frank Schmidt
Wurzen

Schüler der neunten Klasse am Magnus-Gottfried-Lichtwer-Gymnasiums Wurzen haben im Ethikunterricht die in der Ringelnatzstadt umstrittene Baumfällaktion in der Dr.-Rudolf-Friedrichs-Straße thematisiert. Wie schon berichtet, hat dort die Stadtverwaltung kürzlich etwa 20 Platanen fällen lassen. Daraufhin machten die Teenager eine – wie sie es formulieren – Tatortbesichtigung, um sich ein Bild vom „Tatbestand“ zu machen. Nicht zuletzt auch im Zuge der inzwischen weltweiten Schüleraktion „Fridays For Future“ (Freitags für die Zukunft) wollten die Gymnasiasten „nicht die Schule schwänzen“, wie sie versicherten, stattdessen diese Thematik in der Schule unter dem Aspekt der Schöpfung näher beleuchten.

Vertreter der Stadt stellen sich der Diskussion

Mit ihrem Projekt konfrontierte die Klasse unter Leitung ihrer Religionslehrerin, Kathrin Gehres, Vertreter der Stadtverwaltung, die in Person von Cornelia Hanspach (Stadtsprecherin) und Katrin Höhme als zuständige Sachbearbeiterin eingeladen waren. Zudem wurde das Interesse der Schulleitung an diesem Projekt geweckt, weshalb sich die Schulleiterin, Marina Schwarzbach, die Diskussionsrunde nicht entgehen ließ.

Paece for our Trees - Frieden für unsere Bäume - fordern die Gymnasiasten und drücken das mit diesem Logo aus, welches sie als Aufkleber verbreiten. Quelle: Frank Schmidt

In Vorbereitung dieser etwas anderen Unterrichtsstunde hatte sich jeder einzelne Schüler Gedanken über den Baum als Symbol der Schöpfung und Lebenskraft gemacht.Das Ergebnis spiegelt sich in einem extra für dieses Projekt entworfenen Logo wider. Eine Art Lebensbaum mit einem Bogen aus sieben Sternen über der Baumkrone, welche für die sieben Tage der Schöpfung stehen. De Wurzeln greifen nach der Erde, die symbolisiert wird vom Slogan „Peace for our Trees“ – Frieden für unsere Bäume.

Wurzen setzt Bäumen ein Denkmal

Kommentar von Frank Schmidt

Im Fall der umstrittenen Baumfällaktion in der Doktor-Rudolf-Friedrichs-Straße ist für die Wurzener Gymnasiasten das Glas nicht halb leer, sondern halb voll. Etwa 20 Platanen fielen dort wegen einer Straßenbaumaßnahme. Doch soll damit auch die älteste Baumallee in der Ringelnatzstadt Geschichte sein?

Nein, sagen die Teenagern einer neunten Klasse. Freilich sind auch sie nicht wirklich glücklich darüber gewesen, räumen jedoch ein, das Tun und Handeln der Entscheidungsträger nachvollziehen zu können. Vor allem, weil sie sich mit den Hintergründen intensiv beschäftigt haben. Die Baumaßnahme und eine moderne Infrastruktur für die Anwohner fordern diesen Kompromiss.

Bemerkenswert dabei ist der Rahmen für die Auseinandersetzung – nämlich ihr Ethik-Unterricht. Auch wenn die Religionslehrerin gewissermaßen im Namen ihrer Schüler vom „Tatort“ spricht, an dem sie sich über den „Tatbestand“ informiert haben, was dem Ganzen dann doch einen negativen Touch verleiht.

Dennoch wollen sie es nicht zulassen, dass über die Aktion ausschließlich negativ geurteilt wird. Vielmehr machen sie sich Gedanken über das Danach. Wie also kann man die älteste Baumallee unvergessen machen, wenn deren Jahrhundert alte Epoche nun einmal beendet ist und mit der zugesagten Neuanpflanzung eine neue beginnt?

So wie bei uns Menschen eine Generation geht und eine neue heranwächst. Eine Art Gedenktafel oder Baumstümpfe als Mahnmal sind denk- und machbare Ideen. Sie könnten sogar hilfreich sein, in der Bevölkerung die Akzeptanz für so manche unpopuläre Entscheidung zu fördern, was freilich eine gewisse Transparenz der Entscheidungsträger voraussetzt.

Dann wäre nicht nur für die Wurzener Gymnasiasten das Glas halb voll.

Schüler mahnen adäquates Handeln an

In dieser Runde ging es jedoch nicht vordergründig um das Für und Wider der Baumfällaktion, vielmehr darum, dass es ein adäquates Handeln danach geben muss. Dafür stellten die Schüler nicht nur Forderungen auf, sie hatten Ideen und Anregungen im Köcher. Ersatzpflanzung spielen eine nur untergeordnete Rolle, da man ohnehin darauf vertraut.

Diese umgelegte Platanen und weitere dieser Bäume in der Dr.-Rudolf-Friedrichs-Straße sind für die Neunklässler Anlass gewesen, sich mit dem "Tatbestand" der Fällaktion zu beschäftigen. Quelle: Frank Schmidt

Aber: „Wenn schon die älteste Allee in Wurzen den Baumaßnahmen weichen musste, könnte man doch eine Art Erinnerungstafel anfertigen, die mit einem Bild die alte Allee zeigt – die Anzahl der gefällten Bäume und ihr Alter – und erklärt, warum sie gefällt werden mussten sowie auf die Ausgleichspflanzung aufmerksam macht“, denkt Charlotte Baumbach laut. Die Kosten dafür würden die Schüler selbst aufbringen.

Dieses Bild der ehrwürdigen Platanenallee gehört der Vergangenheit an, inzwischen mussten etwa 20 dieser Bäume notwendigen Straßenbaumaßnahmen weichen. Quelle: Frank Schmidt

Und: „Man könnte stellvertretend für das Fällen solcher Alleen, also nicht nur in Wurzen, einen Baumstumpf als Mahnmal stehen lassen.“ Oder: „Mehr Begrünung rund um und auf der Schule wäre gut“, sinniert Paul Kleine und bringt eine Dachbegrünung der Schule ein. Doch das ließ bei der Schulleiterin alle Alarmglocken in Sachen Sicherheit schrillen und wäre ohnehin eine ganz andere Geschichte.

Vertreter der Stadt zeigen sich aufgeschlossen

Während sich Hanspach und Höhme deutlich spürbar unvoreingenommen dieser Gesprächsrunde stellten, mehr noch die Initiative als „aktive Beteiligung der Jugend“ lobten und begrüßten, zog die Religionslehrerin im Namen ihrer Klasse ein deutliches Fazit. „Einige Ideen der Schüler sind umsetzbar und deshalb werden wir dranbleiben, weil wir für uns gerne ein Ergebnis haben möchte!“

Von Frank Schmidt

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