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Wurzen Heimatverein Borsdorf erforscht Geschichte
Region Wurzen Heimatverein Borsdorf erforscht Geschichte
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17:53 04.07.2019
Vereinschef Andreas Damm (l.) und Dieter Zander freuen sich, in der neuen Ausstellung auch die Fahne des  Panitzscher Gesangsvereins von 1885 wieder zeigen zu können.
Vereinschef Andreas Damm (l.) und Dieter Zander freuen sich, in der neuen Ausstellung auch die Fahne des Panitzscher Gesangsvereins von 1885 wieder zeigen zu können. Quelle: Ines Alekowa
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Borsdorf/Zweenfurth

Im Vorgarten des Borsdorfer Heimatmuseums an der Leipziger Straße steht ein alter Pflug. Kein Gerät könnte wohl besser symbolisieren, was der Heimatverein Borsdorf und Zweenfurth seit 25 Jahren erfolgreich betreibt: Geschichte(n) wieder ans Tageslicht bringen. Mit einem Sommerfest wird am Sonnabend der Auftakt zum Jubiläumsjahr gefeiert.

Ein historischer Ackerpflug steht im Vorgarten des Heimatmuseums. Quelle: Ines Alekowa

Unter den sieben Namen auf der Gründungsurkunde vom 28. Oktober 1994 ist auch der von Dieter Zander (82). „Die Vereinsgründung war eine Initiative der Freien Wählergemeinschaft, die im selben Jahr in Borsdorf entstanden war“, erzählt der spätere Vereinsvize (2001-08). „Alteingesessene wie Peter Pfützner, Borsdorfs erster Bürgermeister nach der Wende, oder Vor-Ort-Herausgeber Harro Gehse hatten Angst, dass Geschichte ohne einen Verein, der Erzählungen und Objekte sammelt, vergessen wird.“

Mit Einzug ins Hirtenhaus begann die Sammelleidenschaft

Die erste Aktion war denn auch die Vorbereitung einer ständigen Ausstellung, sagt Andreas Damm, nach Christoph Eckelt und Gerhard Otto seit 2009 Vereinschef. „Das war möglich, weil uns Pfützner das ehemalige Hirtenhaus“ – das sich der Verein anfangs noch mit der Bibliothek teilte – „zugesagt hatte“, sagt Zander und lobt die anhaltende Unterstützung durch die Gemeinde. „Mit Einzug 1996 ging unsere Sammelleidenschaft aber erst richtig los“, schmunzelt er. „Und die Bereitwilligkeit der Bürger, uns zu unterstützen, war riesig.“

Auch heute freut sich der Verein, wenn er auf Dachböden stöbern darf. Denn beim Schwerpunkt Geschichtsbewahrung ist es geblieben. „Für Veranstaltungen hätten wir gar nicht die Räumlichkeiten“, sagt Damm. Es gibt ein öffentliches Sommerfest und Ausflüge für die Mitglieder.

Allerdings nimmt deren Zahl ab. Anfang der 2000-er, als Damm den Zweenfurther Chor unters Dach des Heimatvereins führte, wurde die magische 100 geknackt. Heute zählt er noch 54 Mitglieder, auch weil sich der Chor vor fünf Jahren wegen Überalterung auflöste. „Auch bei uns liegt der Durchschnitt weit über 60“, sagt Damm, mit 67 Lenzen noch einer der Jüngsten. „Die Älteren kann ich zwar nicht mehr zum Arbeitseinsatz bitten, aber dafür jederzeit um Rat fragen.“ Oder zum Museumsleiter berufen – Lorenz Uhlmann (77) wurde Nachfolger des im Herbst verstorbenen Christoph Eckelt.

140 Publikationen bezeugen Forschungstätigkeit

Auch Uhlmann ist einer, der neben Eckhard Uhlig, Matthias Schütze, Detlef Kupfer, Olaf Beyer aktiv forscht. Tausende Objekte, vor allem Schriftstücke und Bilder, füllen das Archiv. „Wir platzen aus allen Nähten“, sagt Damm. Ihre Erkenntnisse publizieren die Heimatfreunde in Büchern, Zeitschriften, Zeitungen. Rund 140 Publikationen listet die taufrische Vereinshomepage auf. „Es ist nicht zu fassen, was hier seit Jahren an Arbeit geleistet wurde“, sagt der Vorsitzende.

Zu sehen sind die Forschungsergebnisse auch immer wieder in Ausstellungen. „Neben der zu Weihnachten haben wir seit 2002 für jedes Parthenfest eine andere Schau gestaltet“, sagt Damm. Die größte Resonanz erzielte „1813 –Die Borsdorfer hörten den Kanonendonner“ anlässlich 200 Jahre Völkerschlacht. „Das war unsere beste und umfangreichste. Es kamen so viele zur Eröffnung, dass auf der Straße kein Auto mehr durchkam“, erinnert sich Damm. Weitere rückten zum Beispiel den Sport in den Fokus – „unter anderen war Christoph Höhne, Mexiko-Olympiasieger im 50-km-Gehen, aus Borsdorf gebürtig“, weiß Zander. Jüngste Ausstellung ist die noch von Eckelt gestaltete und aktuell im Rathaus hängende zum I. Weltkrieg.

Die neue, fürs Sommerfest vorbereitete heißt „Borsdorfer Allerlei“, „um einen Querschnitt dessen zu zeigen, was wir in 25 Jahren bekommen haben“, verweist Damm unter anderem auf ein Bild der Panitzscher Kirche, das von Österreich wieder nach Borsdorf fand. „Natürlich haben wir noch so einige Forschungsgebiete auf der Agenda, wie die Nachkriegszeit, als die Russen in Borsdorf waren“, sagt Damm und betont: „Wir müssen die alten Leute jetzt fragen. Sonst geht ihr Wissen mit ihnen verloren.“

Zwei Säulen und das historische Bahnhofsschild hat der Heimatverein vorm Verschrotten bewahrt und neben dem Heimatmuseum aufgestellt. Quelle: Ines Alekowa

Und dann ist da natürlich die Dauerausstellung mit ihren großformatigen Tafeln, anhand deren man sich wie in einem Buch durch zahlreiche Themen der Borsdorfer Historie blättern kann. „Das war eine geniale Idee von Eckelt, der als Museumsleiter großartige Arbeit geleistet hat. Wir zeigen so auf 50 Quadratmetern 750 Jahre Geschichte“, sagt Damm. Allerdings ist das Museum nur für zwei Stunden am Freitagnachmittag geöffnet sowie auf Anfrage. „Aber wir planen besucherfreundlichere Öffnungszeiten, vielleicht auch sonntags“, versichert der Vereinsvorsitzende. „Wir haben zu viele Schätze, um sie nicht zu zeigen.“

Weitere Informationen: www.heimatverein-borsdorf.de

Von Ines Alekowa