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Wurzen Hochwassergefahr: Mulde-Pegel fällt bei Grimma wieder leicht
Region Wurzen Hochwassergefahr: Mulde-Pegel fällt bei Grimma wieder leicht
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10:57 15.01.2019
In Golzern ist vom Fluss bett nichts mehr zuerkennen - nur eine Seenlandschaft.. Quelle: Frank Schmidt
Grimma

Die Mulde hat am Montagnachmittag bei Golzern die Vier-Meter-Marke überschritten, sinkt aktuell aber wieder. Um 16 Uhr ist der Wasserstand in Golzern wieder unter die vier Meter gefallen (3,99 Meter). Damit gilt in der Region jetzt nur noch die Hochwasser-Alarmstufe 1. Die Stadt Grimma hat Warn-SMS an 1500 Anrainer des Flusses verschickt. Das ist ein übliches Prozedere, so Grimmas Oberbürgermeister Matthias Berger. Darin werde der aktuelle Pegelstand beschrieben sowie die Tendenz des Wasserstands. Diese ist aktuell steigend.

Die Stadt Grimma fordert alle auf, die sich per SMS informieren lassen, dafür Sorge zu tragen, dass bei der Stadtverwaltung ihre aktuelle Handynummer hinterlegt ist. Entsprechende Informationen nimmt das Ordnungsamt entgegen.

Scheitelpunkt der Mulde in nächsten Stunden erreicht

Der Stadtchef geht davon aus, dass die Mulde in den nächsten Stunden ihren Scheitelpunkt erreichen wird. „Wir werden das weiter beobachten.“ Es gebe daher derzeit keinen Grund zu Beunruhigung. Bei Unterschreiten der Warnstufe 2 erhalten die Grimmaer eine weitere SMS.

Sollte der Wasserstand weiter steigen, kann die Stadt im Zweifel alle 80 Schotten dicht machen. Dazu gebe es derzeit aber keinen Anlass.

Die Mulde hat in der Region rund um Grimma die kritische Marke von vier Metern überschritten. Bei Nerchau trat der Fluss bereits über die Ufer.

Auch der Wanderweg an der Mulde bei Grimma ist aktuell gesperrt. Die Sperrung sei eine „reine Vorsichtsmaßnahme“, heißt es aus der Stadtverwaltung.

Fluttore in Grimma zur Sicherheit geschlossen

Aus demselben Grund wurden auch drei Fluttore geschlossen: an der Handschuhfabrik, an der Firma Bennewitz sowie an der Fußgängerzone, erklärt Berger.

Wegen Hochwassergefahr wurden jetzt drei Fluttore in Grimma vorsorglich geschlossen, auch das am Fußgängerweg zwischen Firma Bennewitz und Autobrücke. Quelle: Frank Schmidt
Hier im Stadtgebiet an der Pöppelmannbrücke steht das angrenzende Pumpwerk unter Wasser. Sofort anrückende Firmen konnten allerdings Entwarnung geben. Quelle: Thomas Kube

Auch flussabwärts angespannte Situation

In Golzern konnte man die ganze Kraft der Wassermassen erkennen, die dort tosend das Wehr überwunden haben und dahinter ein bedrohlich anmutendes Sprudelbecken hinterließen. Weiter flussabwärts hatte Steffen Richter vom Schützenverein Nerchau den am Vereinshaus vorbei rauschenden Fluss schon im Visier. Zumindest hat das Wasser die Ufer überschritten und erste Wiesen überschwemmt. „Ab Stufe zwei müssen wir im Schützenhaus mit Räumen anfangen“, sagte Richter. Ob es dazu kommen würde, vermochte er zu diesem Zeitpunkt (Pegelstand 3,92 Meter) noch nicht abzuschätzen. Doch er gab sich demonstrativ entspannt. „Es kommt gar nicht so viel Wasser die Mulde runter, denn die Enten schauen ja auch noch raus“, übte sich Richter im Galgenhumor. Dafür ist die Fischtreppe in Neichen bei Trebsen als solche nicht mehr erkennbar.

Kommentar: Besonnenheit statt Tatütata

Gebannt schaut der Muldentaler derzeit auf seinen Fluss. Konnte man noch vor gut einem halben Jahr das Bett der Vereinigten Mulde bei Grimma beinahe trockenen Fußes durchqueren, ist es derzeit nicht mal möglich, mit der Fähre in Dehnitz von einem Ufer zum anderen zu schippern. Die Mulde ist so voll wie schon lange nicht mehr. Und auch schnell, denn die Strömung hat es gefährlich in sich.

Gleichwohl der Pegel am Messpunkt in Golzern am Montag im Viertelstunden-Takt nach oben korrigiert wurde, kurzzeitig sogar über die Alarmstufe 2, konnte das offenkundig die Menschen links und rechts der Mulde nicht aus der Ruhe bringen. Irgendwie hat man gelernt, an diesem Fluss – mit seiner Gefahr – zu leben.

Die fast fertiggestellte Flutmauer in Grimma stützt die allgemeine Sicherheit genauso wie das besonnene Handeln der Stadtverwaltung. Statt mit Blaulicht und Tatütata zum vorsorglichen Schließen der ersten Fluttore zu rasen, geschah das in aller Ruhe, sehr unaufgeregt, von der Öffentlichkeit beinahe unbemerkt.

Das neu eingeführte SMS-Warnsystem scheint sich zudem bewährt zu haben. Dass es dennoch einige besorgte Anrufer gab, ist verständlich. Fest steht: Hochwasserschutz ist nicht alleinige Sache der öffentlichen Hand. Die kann zwar helfend eingreifen und auch zupacken, aber jeder einzelne potenziell gefährdete Flussanrainer ist persönlich für sich und den Schutz des eigenen Hab und Gut verantwortlich. Und dafür muss der Muldentaler weiterhin genau auf seinen Fluss schauen.

Das Wasser vor dem Wehr hat annähern den gleichen Stand wie unmittelbar dahinter. Nur das noch herausragende Geländer ließ erahnen, wo die Mauern der Fischtreppe sind. In Neichen selbst drückte die Mulde erstes Wasser zurück in den Bachlauf des Mutzschener Wassers, was hier für einen leichten, aber nicht bedrohlichen Anstieg sorgte.

In Trebsen ist am Uferwanderweg unterhalb des Schlosses die Mulde leicht überschwemmt - Sperrung Quelle: Frank Schmidt

Auch der Uferweg am Fuße des Schlosses Trebsen wurden inzwischen gesperrt, weil der Radweg leicht überspült wurde. Weiter in Richtung Wurzener hat das Wasser hier und da von ufernahen Wiesen und Feldern Besitz ergriffen. Am Vereinshaus der Wurzener Ruderer in Schmölen floss schon etwas größeres Treibgut vorbei. Und am Fährhaus Dehnitz steht der Fluss Oberkante Unterlippe.

Oberkante Unterlippe steht das Wasser am Montag gegen Mittag an der Fähre in Dehnitz bei Wurzen. Quelle: Frank Schmidt

Fährmann Sirko Wedekind zeigte sich zwar angespannt, jedoch nicht wirklich beunruhigt. „Ich verfolge die Entwicklung im Internet, dafür gibt es gute Informationsmöglichkeiten. Und die verheißen schon flussaufwärts wieder leichte Entspannung“, sagte Wedekind am Montagmittag bei einem Pegelstand von 3.96 Meter.

Von Frank Schmidt

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