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Wurzen In Wurzen fallen 100 Jahre alte Platanen
Region Wurzen In Wurzen fallen 100 Jahre alte Platanen
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15:10 21.02.2019
Michael Zerbst vom städtischen Tiefbauamt ist vor Ort und versucht die unglücklich gelaufene Fällaktion aus seiner Sicht zu erklären. Quelle: Frank Schmidt
Wurzen

Seit Anfang der Woche werden die Motorsägen an den Platanen in der Dr.-Rudolf-Friedrichs-Straße angesetzt. Zwölf Stück an der Zahl, was die unmittelbaren Anwohner arg verwunderte. Nicht nur, dass überhaupt so viele der über 100-jährigen Gewächse dem geplanten Tiefbauarbeiten des Abwasserzweckverbandes (AZV) weichen müssen. Auch, weil alles so schnell geht, ohne eine Information aus dem Stadthaus. Der Unmut darüber wird lauter und deutlicher, weil die Anwohner eine Abholzung vor ihrer Haustür in diesem Ausmaß für unverhältnismäßig erachten.

Platanen wachsen nicht in Himmel

Kommentar von Frank Schmidt

Da ist ja einiges schiefgelaufen in der inzwischen stadtbekannten Wurzener Platanenallee. Die Anwohner schlagen die Hände über dem Kopf zusammen, weil sie mit ansehen müssen, wie die über 100 Jahre alten Bäume gefällt werden.

Dass zuerst zwei Buchen fielen, hatte man noch hingenommen, passten sie doch nicht wirklich in das Bild der Platanenallee. Als dann zwölf Platanen und jetzt plötzlich fast doppelt so viele der ahornblättrigen Bäume platt gemacht werden sollen, war die grüne Linie überschritten.

Die Anwohnern in der betroffenen Dr.-Rudolf-Friedrichs-Straße verstehen nicht, was vor ihrer Haustür passiert, da sie kein Verantwortlicher aus der Verwaltung in das Projekt eingeweiht hat. Kein Wunder, dass der Ärger bei ihnen hochkocht und Kritik öffentlich laut wird. Verständlich auch, dass weitere Umweltfreunde, gewissermaßen Ortsfremde auf der Bildfläche erscheinen, um ihren Unmut zu bekunden.

Doch solange sie das nur hinter vorgehaltener Hand machen und die Konfrontation den Anliegern überlassen, weil sie ihren Namen nicht in der Zeitung lesen wollen, ist deren Aufbegehren halbherzig. So wird man nicht die Stimme des Volkes im Stadthaus wahrnehmen können.

Dennoch sollte allen Kritikern dieser Baumfällaktion bewusste sein, dass auch 100 Jahre alte Bäume nicht unendlich in den Himmel wachsen respektive das ewige Leben haben können. Insofern hat die Stadtverwaltung eine überaus unpopuläre Entscheidung treffen müssen.

Doch so dringlich das im Zuge der notwendigen Tiefbauarbeiten auch war, die Verwaltung hätte die Notwendigkeit den Anliegern sachlich und fachlich erklären können und müssen - und zwar vorher. Aber das ist gründlich schiefgelaufen.

Statt zwölf sollen plötzlich fast doppelt so viele Bäume fallen

Uwe Schimmel, ein Bewohner, der sich schon öffentlich kritischäußerte, sei „das Gesicht eingeschlafen“, wie er sagte. „Statt der zwölf Bäume sollen nun plötzlich alle gefällt werden, also fast doppelt so viele Bäume. Wieso musste ich das von den Bauarbeitern vor Ort erfahren und nicht von der Stadt?“, beschwerte sich Schimmel erneut über die seiner Ansicht nach „Ungeheuerlichkeit“.

Das sieht schon gespenstig aus, wenn die Platanen wie hilflose Krüppel am Boden liegen. Quelle: Frank Schmidt

Die Abholzung der vermutlich letzten Allee in Wurzen hat sich inzwischen weit über die Bordsteigkanten der Dr.-Rudolf-Friedrichs-Straße hinaus herumgesprochen, so dass der betroffene knapp 150 Meter lange Straßenabschnitt zwischen Hirschbergstraße und Rosa-Luxemburg-Straße zur Pilgerstätte für Naturschutzfreunde geworden ist.

Zorn entlädt sich gegenüber Mitarbeitern des Wurzener Tiefbauamtes

Zwar halten viele mit ihrer Meinung nicht hinterm Berg und wollen die laut äußern. „Aber bitte nicht meinen Namen in die Zeitung schreiben“, war die Reaktion mehrerer der angetroffenen Leute. Sie hatten aber Glück, dass mit Michael Zerbst ein Verantwortlicher aus dem städtischen Tiefbauamt vor Ort anzutreffen war. Wenigstens ihm gegenüber sind sie ihren Unmut losgeworden.

Michael Zerbst vom städtischen Tiefbauamt ist vor Ort und räumt ein, dass die Informationspolitik um die Fällaktion hätte besser laufen können. Quelle: Frank Schmidt

Und so erfuhren sie von einer weiteren Abweichung der bisher nur vage durchgesickerten Pläne. „Es werden ja nicht nur Bäume gefällt, sondern auch wieder nachgepflanzt, so dass wir in gut einem Jahr hier wieder eine neue Allee mit 14 Bäumen haben werden“, versicherte Zerbst. „Ob es aber wieder Platanen sein werden, wissen wir noch nicht“, informierte der 52-jährige Tiefbauexperte über die mögliche Planänderung. „Stimmt, vorgesehen war, wieder Platanen zu pflanzen, wenn wir alte Bäume dieser Art hätten stehen lassen können. Aber wenn nun doch alle weg müssen, können wir Überlegungen anstellen, andere Baumarten einzusetzen. Denn da gibt es schon deutschlandweit neue, stadtklimaresistente Bäume wie die Amerikanische Linde“, sagte Zerbst.

Stadtverwaltung räumt Fehler in der Kommunikation ein

Was die mangelhafte Bürgerinformationen angeht, räumte er Fehler ein. „Eine Bürgerinformation zum Straßenausbau war ja geplant, die im März und April stattfinden soll. Aber diese Baumfällaktion ist so nicht geplant gewesen und hat uns ein bisschen überrannt“, gestand Zerbst ein. Wohl auch, „weil wir jetzt handeln müssen, denn bis Ende Februar können wir die Bäume noch ohne Naturschutzgenehmigungen wegnehmen, bevor die Brutzeit der Vögel einsetzt“, erklärte er weiter.

Auch Oberbürgermeister Jörg Röglin (SPD) streute Asche auf sein Haupt. „Ich kann den Ärger der Anwohner natürlich verstehen. Aber die Situation hat sich geändert, nachdem wir erkennen mussten, wie die Bäume aussehen. Und weil die Zeit drängt, hat das Fachamt schnell entschieden, alles wegzumachen“, stellte er sich demonstrativ hinter Zerbst.

Michael Zerbst (r.) vom städtischen Tiefbauamt ist vor Ort und muss sich gegenüber Passanten erklären. Quelle: Frank Schmidt

Freilich wisse man im Stadthaus sehr wohl um die Brisanz von solchen Fällaktionen. „Zugegeben, wir haben hier einen gewissen Handlungsdruck und die Tatsachen sprechen auf der einen Seite für sich. Auf der anderen Seite ist die Kommunikation sehr, sehr unglücklich gelaufen, insofern muss ich mich der Bürgerkritik stellen“, sagte Röglin. Wohl wissend, „dass die Bürger eher ein Einsehen haben, wenn sie besser auch in unsere Fürsorgepflicht eingeweiht werden, um Gefahren abzuwenden – ja, da haben wir noch eine offene Flanke.“

Von Frank Schmidt

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