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Wurzen Intec bildet in Gerichshain Mosambikaner aus
Region Wurzen Intec bildet in Gerichshain Mosambikaner aus
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11:05 01.08.2019
Intec-Geschäftsführer Henry Knop freut sich über die Wissbegierde der künftigen Servicetechniker für Aufzüge (v.l.) Octavio, Sergio, Alminda und Dion. Quelle: Thomas Kube
Machern/Gerichshain

Alminda schaut optimistisch in die Zukunft: „Ich hoffe, meine Erfahrungen von hier in meinem Heimatland umsetzen zu können.“ Die junge Mosambikanerin absolviert mit sechs Landsleuten derzeit bei der Intec GmbH im Gerichshainer Gewerbegebiet eine zweimonatige Ausbildung zum Servicetechniker beziehungsweise Prüfer für Aufzüge. „Es ist das erste Mal, dass wir hier ausbilden“, sagt Peter Zdun (63), der die Firma zusammen mit Henry Knop (54) leitet. Bereits 2015 hatte Intec in Ägypten junge Leute geschult. „Aber hier haben wir die besseren Bedingungen und sind federführend.“

Gerichshainer Firma 2004 gegründet

Intec beschäftigt sich mit der Entwicklung und dem Einbau von Aufzugsteuerungen. Die Firma haben der Leipziger Henry Knop und der aus dem Ruhrgebiet stammende Peter Zdun 2004 gegründet. Die beiden Elektrotechnik-Ingenieure hatten den hohen Modernisierungsbedarf bei Aufzügen erkannt. „In den ersten drei Jahren waren wir nur zu zweit, haben getüftelt, unsere Entwicklung bis zur letzten Schraube selbst eingebaut, Fehler korrigiert – und praktisch nichts verdient“, erzählt Knop.

Belegschaft wächst auf 35 Mitarbeiter an

Jetzt, im 15. Jahr ihres Bestehens, zählt die Firma 35 Mitarbeiter. Wenn die Elektronik kaputt ist, es keine Ersatzteile mehr gibt oder nach Ende der Garantiebindung ein neuer Wartungspartner gesucht wird, kommen viele auf Intec zu. Inzwischen beziehen auch große Aufzughersteller wie Thyssen die Steuerungseinheit aus Gerichshain. „Wir haben sie so entwickelt, dass wir sie in jeden Aufzug einbauen können und sie einfach zu bedienen ist“, beschreibt Knop die Vorteile. Während herkömmliche Steuerungen aus durchschnittlich 20 Platinen bestehen, kommt die von Intec mit drei aus. „So können wir Fehler schnell lokalisieren.“

Die Gerichshainer Firma Intec entwickelt Steuerungen für Aufzüge. Quelle: Thomas Kube

Referenzobjekt in China

Eingesetzt werden die Produkte weltweit. In China haben die Gerichshainer einen 44-Etagen-Aufzug mit ihrer Steuerung versehen, auf dem Leipziger Südfriedhof ging’s in die Tiefe, hier waren Intec-Elektriker am Sargaufzug gefragt. Die Steuerungen finden sich auf einem Aida-Kreuzfahrtschiff ebenso wie in Autoaufzügen in Parkhäusern oder – „das ist die hohe Schule“, so Knop – zur Koordinierung von Gruppenaufzügen bei Ikea.

„Die Auftragsbücher sind gut gefüllt“, sagen die beiden Geschäftsführer, „aber wir finden nicht genügend Facharbeiter.“ Elektriker mit Montagebereitschaft seien schwer zu finden, wenn Porsche und BMW den gleichen Job bei geregeltem Feierabend anbieten. Dabei lockt Intec mit Festanstellung. „Zeitarbeitsverträge gibt es bei uns nicht, denn wir investieren viel in Schulung, schließlich müssen unsere Mitarbeiter jeden Aufzug vor Ort umbauen können“, erklärt Knop.

Sachsen hat Erfahrungen mit Arbeitskräften aus Mosambik

Der Blick über Grenzen ist da nur konsequent. 2017 war Zdun Teil einer sächsischen Wirtschaftsdelegation nach Südafrika und Mosambik, bei der Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) alte Kontakte aus DDR-Zeiten erneuerte, als tausende Mosambikaner auch in Sachsen ausgebildet wurden, und neue Türen öffnete. „Wenn wir an solchen Reisen teilnehmen, versuchen wir natürlich, das Land hinsichtlich der Aufzüge zu analysieren“, sagt Zdun. „Mosambiks Hauptstadt Maputo, da waren wir selber überrascht, hat eine richtige Skyline mit Hochhäusern – Hotels oder ausländische Firmenniederlassungen. Die Aufzüge sind aber größtenteils in schlechtem Zustand, lokale Wartungsunternehmen gibt es kaum.“

Bund errichtet Ausbildungszentrum in Maputo

Aufbauend auf den Erfahrungen in Ägypten eruierten Zdun und Knop Möglichkeiten für Schulungen. Das Ergebnis: Gefördert durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung soll im Rahmen des develoPP.de-Programms ein Ausbildungszentrum für Aufzugstechniker in Maputo errichtet und gleichzeitig die Regierung bei der Erarbeitung von gesetzlichen Richtlinien im Aufzugsbereich unterstützt und ein Prüfzentrum etabliert werden.

Bei Intec in Gerichshain: (v.r.) Axel Schneider macht Amayoma Folha, Haider Julaya und Luis Hilario Machavell fit für die technische Prüfung von Aufzügen. Quelle: Thomas Kube

Servicetechniker in Gerichshain fit für die Zukunft gemacht

Der Startschuss für das zweijährige Projekt, für das die Alemannia Mosambik Aufzugsfirma „Amozel“ gegründet wurde, fiel im Februar in Mosambik mit der Auswahl der Lehrgangsteilnehmer. Die künftigen Servicetechniker haben bereits eine Berufsausbildung. Es sei wie ein doppelter Lottogewinn, lachen Octavio, Sergio, Alminda und Dion, in Mosambik eine Lehrstelle erhalten zu haben und dann von zehn Bewerbern für die Spezialisierung ausgewählt worden zu sein. Sergio „möchte so viel wie möglich dazulernen“. Mit dieser Weiterbildung, die noch ein Praktikum im Oktober und November in Mosambik beinhaltet, habe er „die Möglichkeit, in unserer Heimat viel voranzubringen“.

Künftige Prüfer mit Grundwissen ausgestattet

Das spornt auch die künftigen Prüfer Amayoma Folha, Haider Julaya und Luis Hilario Machavell an. Sie arbeiten am nationalen Normungsinstitut INNOQ und eignen sich in Gerichshain Grundwissen über Aufzüge an. Eine Art Tüv für Autos gebe es schon, berichtet Amayoma Folha, „aber für vieles andere ist das noch ein langer Prozess“.

Die beiden Intec-Chefs freuen sich über den Ehrgeiz und die Wissbegierde. Schließlich sollen die Schulungsteilnehmer in Mosambik weitere 20 Facharbeiter selbst ausbilden. Aber während die Mosambikaner an ihrer Zukunft arbeiten, schaut Zdun schon weiter: Er ist gerade aus Kuba zurück – junge Leute von der Karibikinsel werden die nächsten Azubis in Gerichshain sein.

Von Ines Alekowa

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