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Wurzen Internationales Fußballturnier in Wurzen von Schlägerei überschattet
Region Wurzen Internationales Fußballturnier in Wurzen von Schlägerei überschattet
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17:56 27.06.2019
Strahlende Gesichter bei den Italienern. Es gab auch eine Schattenseite: In der Nacht zu Sonntag haben französische Betreuer einige Wurzener Fußballer verprügelt. Quelle: Gunnar Weiße
Wurzen

 Die Mannschaften sind sich einig: Es war das bisher beste aller vier in Wurzen ausgetragenen Internationalen U13-Fußballturniere. Beinahe täglich gehen bei Cheforganisator Thomas Nikoleit euphorische Danksagungen ein. Ghanem Benadjaoud vom französischen FC Logjumeau würdigt die Gastfreundschaft des ATSV-Präsidenten, der Vereinsmitglieder und der Eltern. Sein Schreiben endet mit den Worten: „Ich bin Wurzen.“

Und doch wird das Fest des Fußballs mit knapp 200 jungen Kickern aus fünf Ländern von einem traurigen Zwischenfall überschattet. Wie jetzt bekannt wurde, ereignete sich in der Nacht zum Sonntag eine Schlägerei, in deren Folge vier Personen verletzt wurden. Zwei von ihnen mussten ins Krankenhaus gebracht werden. Während der eine nach Versorgung der Wunden wieder heimkehren konnte, blieb der andere noch über Nacht.

Präsident spricht von aggressiven Betreuern

Bei den mutmaßlichen Opfern handelt es sich um drei Mitglieder des örtlichen Fußballvereins und einen ihrer Anhänger. Feuchtfröhlich hatten sie mit weiteren Sportfreunden den Nicht-Abstieg der Ersten Männermannschaft gefeiert. „Als das Quartett kurz vor Mitternacht den Heimweg antreten wollte, wurde es von zwei sehr aggressiven Betreuern des französischen Fußballclubs aus Roubaix attackiert“, sagt Wurzens Präsident Daniel Weist auf Nachfrage.

Am Rande des internationalen Fußballturniers in Wurzen ist es zu einer Prügelei gekommen. Quelle: Gunnar Weiße

Da die vier Wurzener betrunken waren, seien sie rasch zu Boden gegangen. Sie hätten gar nicht so schnell gucken können, wie die Fäuste flogen, heißt es. Bei einer vereinsinternen Befragung gaben sie an, von der Gewalt überrascht worden zu sein. Sie hätten keinerlei Anlass für einen derartigen Übergriff gegeben. Entsprechend fassungslos reagierte die Turnierleitung und schickte die Mannschaft aus Roubaix vorzeitig nach Hause. Anzeige wurde erstattet.

Gewalt kein Mittel der Konfliktlösung

Das Organisationsteam könne es unmöglich dulden, dass Gäste auf Meinungsverschiedenheiten oder Missverständnisse, die eventuell auch als Provokation verstanden worden sind, mit Gewalt reagierten, sagt Thomas Nikoleit. Der aus Wurzen stammende Nikoleit lebt in Frankreich, ist mit einer Russin verheiratet und trat als Reaktion auf fremdenfeindliche Ereignisse vor Jahren demonstrativ dem Wurzener Verein bei. Seitdem initiiert er internationale Kontakte.

Haben alles im Blick: die Organisatoren des Turniers. Unter ihnen Thomas Nikoleit (l.). Thomas Nikoleit hat bei den Jugend-Turnieren den Hut auf. Quelle: Picasa

Schockiert äußert sich Kay Ritter, CDU-Politiker, Mitglied des Vereins und Schirmherr des Turniers. Genau wie Präsident Daniel Weist sei ihm schleierhaft, wie es zum Gewaltausbruch am Rande des ansonsten friedlichen Fußballfestes kommen konnte: „Wir wissen nicht, was der Auslöser war.“ Die Franzosen (20 und 21) wollten sich gegenüber den Behörden nicht äußern. Das bestätigt Uwe Voigt von der Polizei. Die Motivlage sei derzeit noch unklar. Die Ermittlungen stünden ganz am Anfang. Es gebe aber einen Zeugen.

Mutmaßungen zur Motivlage der Prügelei

Er habe den Franzosen die Gelegenheit gegeben, sich zu den Vorfällen zu äußern, sagt Thomas Nikoleit, der auch als Dolmetscher fungierte. „Nach ihrer Version wurden nachts zwei junge Spieler zum Auto geschickt, um ein Kissen und eine Umhängetasche zu holen. Angeblich habe man versucht, ihnen den Autoschlüssel wegzunehmen, so dass sie weinend zum Zelt zurück kamen.“ Daraufhin tickten die Betreuer offenbar aus.

Gewalt sei hierzulande kein Mittel der Konfliktlösung, betont Nikoleit. Daran müssten sich auch die Gäste halten. Empörend findet er, dass ihm besagte Mannschaft, viele Spieler stammen aus Nordafrika, nun Rassismus vorwirft: „Ich bin enttäuscht und werde das Team auch kein zweites Mal einladen.“ Roubaix habe sowohl Kabine als auch Zelt vermüllt hinterlassen. Bei einem Betreuer stellte die Polizei Cannabis fest, so Sprecher Voigt.

OBM befürwortet Entscheidung des Vereins

Der Verein habe richtig gehandelt, sagt Oberbürgermeister Jörg Röglin (SPD). „Gewalt darf nicht toleriert werden.“ Frisch-Auf-Präsident Weist betont, dass die Verletzten im Vorfeld beim Aufbau der Zelte beteiligt waren. So gesehen, hätten sie und viele andere ehrenamtliche Helfer das Turnier erst möglich gemacht.

Lob bekommen die Ausrichter aus Italien: „Ciao Thomas, noch einmal vielen Dank für die großartigen Erlebnisse“, schreibt Corrado Dal Corno von Concorezzese Calcio. Auch die Straßburger machen Komplimente: „Ein Riesendank den Wurzenern für die perfekte Organisation, den mehr als herzlichen Empfang und die familiäre Atmosphäre.“

Von Haig Latchinian

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