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Wurzen Japanerin Kaoru Oyamada wird neue Kirchenmusikerin in Wurzen
Region Wurzen Japanerin Kaoru Oyamada wird neue Kirchenmusikerin in Wurzen
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14:58 27.04.2019
Die 35-jährige Japanerin Kaoru Oyamada tritt am 1. August in Wurzen ihren Dienst als Kantorin und Organistin an. Quelle: privat
Wurzen

Es ist lange her, dass zuletzt ein Japaner an der Mulde für Aufsehen sorgte: Schriftsteller Mori Ogai, der in Fernost ähnlich verehrt wird wie hierzulande Goethe, nahm vom 27. August bis 12. September 1885 als Militärarzt am Herbstmanöver des 12. Armeekorps teil und schrieb seine Erlebnisse im Deutschlandtagebuch nieder.

Gut 100 Jahre später ist es Kaoru Oyamada, die in Wurzen und Umgebung für Schlagzeilen sorgt. Die Kirchenmusikerin aus dem Land der aufgehenden Sonne tritt am 1. August offiziell ihren Dienst als neue Kantorin und Organistin an. Am 18. August, 10 Uhr, soll sie mit einem Gottesdienst im Dom feierlich in ihr Amt eingeführt werden.

Johannes Dickert geht in den Ruhestand. Quelle: Andreas Döring

Nahtloser Übergang in Wurzens Kirchenmusik

Sie tritt die Nachfolge von Johannes Dickert an, der am 23. Juni in den Ruhestand verabschiedet wird. Der Kirchenmusikdirektor, der in der Domstadt über 30 Jahre als Kantor und Organist wirkte, feiert kurz vor seinem Ausscheiden 66. Geburtstag. Pfarrer Alexander Wieckowski: „Mit einem weinenden und einem lachenden Auge können wir anstimmen: Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an ...“

Dickert bezeichnet es als Glücksumstand, dass der Übergang nahtlos gelingt: „Ich hatte extra noch um ein halbes Jahr verlängert, damit es keine Vakanz gibt.“ Fünf Bewerber warfen im Vorfeld ihren Hut in den Ring. Zwei von ihnen kamen in die engere Auswahl. Am Ende entschieden sich die Kirchenvorstände Wurzen und Kühren-Burkartshain für die 35-jährige Japanerin.

Kaoru Oyamada überzeugte die Jury

Die zurückhaltende Frau kann ihr Glück noch gar nicht fassen: „Ich freue mich sehr, in dieser schönen Stadt genau das zu machen, was ich am meisten liebe – Musik.“ Noch wohnt sie in Leipzig. Doch schon bald möchte sie an ihre neue Wirkungsstätte ziehen: „Ich habe bereits das Schloss, den Markt und den Dom besichtigt.“

Kaoru Oyamada hatte zuletzt Kirchenmusik in Leipzig studiert. Danach sprang sie in Taucha anderthalb Jahre als Elternzeitvertretung ein. Mit großem Erfolg. In Wurzen überzeugte sie die Jury durch ihr Wissen, ihre dem Menschen zugewandte Art und nicht zuletzt auch durch ihre Probenarbeit. So bewies sie im Umgang mit Domkantorei, Kurrende, Posaunenchor und Kammerorchester viel Geschick.

Große Liebe für Bach und Brahms

Die bekennende Christin, nur etwa ein Prozent der Japaner gehört dieser Glaubensrichtung an, wuchs als Einzelkind im Großraum Tokio auf. Schon als Sechsjährige saß sie am Klavier. Später spielte sie Waldhorn im Orchester. Sie studierte Musikwissenschaften in der japanischen Hauptstadt und hatte das Glück, für zwei Monate eine Sprachschule in Hamburg zu besuchen.

Sie liebt die deutschen Komponisten Bach und Brahms, weshalb sie auch in Japan weiter Deutsch lernte, um im Land ihrer Träume bessere Chancen zu haben. Sie studierte nacheinander in Weimar, Hamburg und Leipzig. Nebenbei sang sie in Chören, perfektionierte ihr Orgelspiel und wirkte in Ensembles mit.

Wurzen wird zur neuen Heimat

Als sie die Stellenanzeige für Wurzen entdeckte, überlegte sie nicht lange. Als Single ist sie ungebunden, braucht noch keine Rücksichten zu nehmen. Zu Hause in Japan hatte sie einen Hund, der ihr ans Herz gewachsen sei. Vielleicht schafft sie sich ja irgendwann wieder einen Vierbeiner an, mit dem sie Gassi laufen kann, lächelt Kaoru Oyamada, die in ihrer Freizeit gern stickt und strickt.

Sie genießt es, in der Leipziger Thomaskirche Bachs unüberhörbarem Geist ganz nahe zu sein. Und sie findet die Holzbänke im Wurzener Dom lustig: „Anders als in Leipzig, wo die Zuhörer den Chor im Rücken haben, können die Besucher in Wurzen den Musikern ins Gesicht schauen.“ Das liege daran, dass die Bänke im Dom variabel einstellbar seien. Die Wurzener hätten eben den Dreh raus.

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