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Wurzen Jugendliche protestieren gegen Schließung des Jugendtreffs im Schweizergarten
Region Wurzen Jugendliche protestieren gegen Schließung des Jugendtreffs im Schweizergarten
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17:23 20.01.2017
19 Jahre lang betrieb der Verein zur Förderung umweltbewussten und sozialen Handelns den Jugendtreff im Wurzener Kulturhaus Schweizergarten. Quelle: Foto: Kai-Uwe Brandt
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Wurzen

Die Mädchen und Jungen des Jugendtreffs Schweizergarten wollen am Mittwochabend vor dem Kulturausschuss des Stadtrates gegen die Schließung der Einrichtung im Kulturhaus demonstrieren. Eigens hierfür fertigten sie bereits Protestschilder, auf denen unter anderem steht: „Nehmt uns den Jugendtreff nicht weg!“, „Sozialarbeit braucht Vielfalt!“ oder „Jugendarbeit ist kein Sparprogramm!“

„Die Initiative kam von den Jugendlichen selbst – ganz ohne unser Zutun“, berichtet Eberhard Friedrich, Geschäftsführer des Vereins zur Förderung umweltbewussten und sozialen Handelns Wurzen. Die Gemeinschaft betrieb per Vertrag mit der Stadt Wurzen seit 12. Dezember 1997 die Räume und war vollkommen perplex, als die Verwaltung im August des Vorjahres das Aus des Treffs verkündete. Im Schreiben der Kommunalbehörde hieß es damals: „Der Stadtrat beschloss in seiner Sitzung am 8. Juni 2016 die Maßnahmen zum Haushaltsstrukturkonzept. Ein Bestandteil sind die Haushaltskonsolidierungsmaßnahmen.“ Und im Punkt 15 der Rotstiftliste weist das Papier schwarz auf weiß die Schließung des Jugendtreffs Schweizergarten aus.

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Doch erst sehr spät, so Friedrich, sei den Jugendlichen der Ernst der Lage bewusst geworden. Daher luden sie Oberbürgermeister Jörg Röglin (parteilos) am 8. Dezember zu einem Gespräch ein, um ihre Sorgen und Nöte zu äußern. Friedrich erinnert sich noch genau, dass das Stadtoberhaupt seinerzeit keinen Lösungsweg zum Erhalt sah, aber die 13- bis 17-Jährigen animierte, für eine Fortführung zu kämpfen. Allein 82 Unterschriften sammelten diese kurz darauf während des Weihnachtsmarktes – vor allem bei Gleichaltrigen. Zugleich verfasste Friedrich einen Brief an die Fraktionsvorsitzenden und bat die Volksvertreter darum, ihre Einsparentscheidung von 43 900 Euro zu überdenken. „Um zur Senkung der Kosten beizutragen, würden wir sogar auf die Sachkosten in Höhe von 2500 Euro verzichten und auf die Nutzung der oberen Etage im Kulturhaus“, fügt Friedrich an. Im Anschluss zählt er den Adressaten eine Reihe von Gründen auf, die Türen nicht endgültig zu verriegeln.

Demnach hätten sich die Jugendlichen stets an Veranstaltungen in Wurzen beteiligt, sei es bei Stadtfesten, beim Weihnachtsmarkt oder dem Tag der Sachsen. Das Team vor Ort wuchs über die Jahre zusammen, pflegt Freundschaften. Im Treff erhalten die Jugendlichen Hilfe bei den Hausaufgaben bis zur zehnten Klasse und in allen Fächern. Darüber hinaus Verständnis und Beratung ihrer kleinen persönlichen Probleme. Keineswegs unterschlagen will Friedrich die zentrale Lage der Einrichtung, „da viele die Pestalozzi-Oberschule besuchen und sich ihr Lebens- und Wirkungsbereich in dieser Nähe befindet“. Mit der Schließung gerät ferner der Verein als Träger in Gefahr, der nicht nur den Jugendtreff betreibt, sondern während der Sommerferien auf dem Rittergut Nitzschka zum Beispiel Ritterspiele organisiert oder Workcamps mit internationalen Studenten durchführt.

Eine Rückantwort auf seine schriftlichen Ausführungen per E-Mail an die Fraktionschefs erhielt Friedrich lediglich von Sabrina Ryborsch (Bürger für Wurzen) und telefonisch von Matthias Rieder (CDU). Auch deshalb greifen die jungen Leute 25. Januar im Ratszimmer 151 des Stadthauses zu den Protestschildern, um ihre Entschlossenheit gegenüber den Mitgliedern des parlamentarischen Kulturausschusses zu zeigen. Denn, so steht es bereits auf einem Banner geschrieben: „Lieber im Club als auf der Straße!“

Von Kai-Uwe Brandt