Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Wurzen Junge Leute packen im Polenzer Dreiseithof an
Region Wurzen Junge Leute packen im Polenzer Dreiseithof an
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
06:00 10.08.2018
Workcamp: Philipp Kaiser hackt und gräbt sich durch den Hof. Quelle: Ines Alekowa
Brandis/Polenz/Machern

Spritzige Musik dringt durch das Tor des Dreiseithofes in der Polenzer Straße der Einigkeit 4. Die braucht es, denn bei schweißtreibenden Temperaturen graben sich hier junge Leute mit Hacke und Schaufel durch den knochenharten Boden des Hofes – vorbereitende Arbeiten für die Verlegung von Abwasser- und Trinkwasserleitung. Sie gehören zu den Jungen Erwachsenen der Kirchgemeinde Machern/Leulitz/Zeititz/Altenbach und unterstützen mit ihrem inzwischen 15. Workcamp diesmal eine Woche lang den Verein Einigkeit 4.

Sommerzeit ist für die Jungen Erwachsenen Machern Arbeitszeit. Die Zelte für ihr 15. Workcamp schlugen sie diesmal beim Polenzer Verein Einigkeit 4 auf. Der braucht dringend Besuchertoiletten. Ein paar Eindrücke in Bildern.

„Wir kehren damit zu unseren Anfängen zurück“, sagt Katharina Bachmann, im Camp für Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Denn im benachbarten Leulitz fand das erste Workcamp statt. „André Rotter, damals Leiter der Jungen Gemeinde Machern und heute Ehrenmitglied bei den Jungen Erwachsenen, wollte nicht zusehen, wie die Leulitzer Kirche in sich zusammenfiel. Diese hatte, mit nur wenigen Besuchern, keine Priorität“, erzählt sie. „Und so hatte er die Idee, dass die Junge Gemeinde hier anpackt.“ Rotter hatte da schon ein internationales Workcamp des Ökumenischen Jugenddienstes geleitet. „Das ist nicht nur Arbeit“, sagt er. „Das Gefühl, gemeinsam etwas zu bewegen, ist super.“ Die Jugendlichen trugen an der feuchten Kirchenmauer für besseren Wasserabfluss Erde ab, schlugen Restputz ab, strichen innen den Turm, arbeiteten historische Grabstellen auf. „Für das Aufrichten der Friedhofsmauer haben wir uns von kirchlichen Denkmalschützern erklären lassen, wie man Bruchsteine mit Mörtel und kleinen Steinchen verzwickt“, sagt Rotter.

Kircheninterne Ausschreibung der Arbeitskraft

Nach drei Jahren gab es in Leulitz nichts mehr zu tun. „Aber wir wollten keinen Feierabend“, erzählt Kilian Peisker, der Finanzchef im Camp. „Deshalb schrieben wir unsere Arbeitskraft zunächst kirchenintern aus, später öffentlich über die LVZ.“ Interessenten, in der Regel drei bis sieben, ließen nicht auf sich warten. „Unsere Auswahlkriterien sind Gemeinnützigkeit des Vorhabens und dass dem Antragsteller selbst die Leute fehlen, es zu realisieren. Und es sollten nicht nur Außenarbeiten sein, damit wir auch bei Regen etwas zu tun haben. Aber bis jetzt“, scherzt Bachmann, „waren wir Kinder der Sonne.“

Frühere Projekte im Landkreis

2007 – die Camp-Organisation hatten sie inzwischen selbst übernommen – fiel die Wahl auf das evangelische Schulzentrum Großbardau, wo sie in einem Keller Zwischenwände für den Einbau von Werkräumen entfernten und außen die Erde für den Fenstereinbau. Die Schaddelmühle, der Speicher des Seelingstädter Heimatvereins, der Saugut-Verein Sermuth, die Werkstatt für nachhaltiges Leben und Arbeiten in Sehlis, der Begegnungsort „Alte Rollschuhbahn“ des Kinder- und Jugendringes in Bad Lausick und das Vereinsdomizil Steinbacher Herrenhaus waren weitere Stationen. Meist wurde entkernt, alter Putz entfernt. „Inzwischen fragt keiner mehr, wie ein Meisel aussieht“, lacht Bachmann. „Auch Bruchsteinmauern verfugen können wir richtig gut.“ Im Pfarrhaus Mölbis wurde zusammen mit einem Handwerker sogar das Dach gedeckt, im Großdeubener Montessori-Gymnasium am grünen Klassenzimmer mitgebaut.

Mittlerweile sind aus den Jugendlichen Erwachsene geworden, doch ein harter Kern von rund zehn Leuten pilgert noch immer dienstags nach Machern. Kilian Peisker zum Beispiel arbeitet als wissenschaftliche Hilfskraft beim Umweltforschungszentrum Leipzig, Bachmann als Sachbearbeiterin bei einer Leipziger Marketingfirma. Für ihr ehrenamtliches Engagement nehmen sie Urlaub. „Ich sitze den ganzen Tag am Rechner, da ist es sehr erholsam, mal was anderes zu machen“, sagt sie. „Vor allem aber bereiten wir anderen eine Freude, das schafft ein tolles Klima.“

Eigentümer ist froh über Hilfe

Adam Jones, Eigentümer des Polenzer Dreiseithofes und Vorsitzender des Vereins Einigkeit 4, freut sich über die Hilfe. Er hatte die Ausschreibung in der Muldentalzeitung gelesen. Und Bachmann und Co. fiel die Wahl nicht schwer. „Der Hof hat eine ganz besondere Ausstrahlung. Und die Arbeit des Vereins ist sehr wertvoll, denn er bringt mit Konzerten und Ausstellungen Kultur in den ländlichen Raum und zieht damit grandios viele Leute an.“ Für die stehen bislang nur Toiletten im Privatbereich zur Verfügung. Nun sollen zwei im Ex-Schweinestall entstehen. Dafür werden die Koben – bis auf zwei für die historische Anmutung – abgerissen. „Ohne diese Unterstützung hätten wir den Einbau der Toiletten in den nächsten fünf Jahren nicht stemmen können, so aber könnten sie zum musikalischen Hoffest im Sommer 2019 fertig sein“, sagt Jones.

Ursprünglich habe er nur an Abbrucharbeiten gedacht, „aber die jungen Leute haben noch mehr Fähigkeiten und den Mut, Neues auszuprobieren“. Und so werden in der Scheune, wo die Dauerausstellung zur Dorfgeschichte ihren Platz hat, die Balken abgeschliffen und gestrichen. Und im Pferdestall soll die historische Bauweise an einer neuen Lehm-Strohwickel-Decke sichtbar werden. „Joe Böhme aus Leulitz liefert dafür Stroh, Rainer Engelmann aus Altenhain bietet uns Lehm an, der Nachbar leiht uns vielleicht einen kleinen Bagger, ein anderer hat Zement in Aussicht gestellt“, ist Jones dankbar. Denn wem die Workcamper unter die Arme greifen, muss das Material zur Verfügung stellen, wenn erforderlich, fachliche Begleitung absichern.

Mit Essen versorgt sich die Truppe, die vom Jugendamt 500 Euro Projektförderung erhält, hingegen selbst. „Wir bitten vorher im Dorf um Unterstützung, und dann kommen viele Kuchen, Salate, auch Geld“, erklärt Bachmann. „Es gehört dazu, dass wir gemeinsam kochen, abwaschen, nachmittags auch mal im Steinbruch baden gehen und abends am Feuer sitzen, bevor es in die Schlafsäcke geht“, sagt sie. „Das alles schweißt zusammen.“

Von Ines Alekowa

Geplante Großinvestition im Hohburger Kulturhaus: 1,5 Millionen Euro sollen schon ab Anfang 2019 in Großen Saal, drittes Obergeschoss und Heizung fließen. Über die „Vitalen Dorfkerne“ winkt eine 75-prozentige Förderung.

10.08.2018

Die Stadt Wurzen geht neue Wege in der Bürgerbeteiligung. Erstmals sollen Bewohner der Stadt bei der Haushaltsplanung mitreden können. Jedermann ist aufgerufen, seine Vorschläge für die Stadt zu unterbreiten. Auftaktveranstaltung ist am 21. August.

12.08.2018

In Dornreichenbach ist eines der größten Erdmännchen-Paradiese in Sachsen beheimatet. Gerade in den Ferien lohnt ein Besuch. Geöffnet ist täglich von 8 bis 18 Uhr, der Eintritt an der Kasse des Vertrauens kostet einen Euro pro Nase.

08.08.2018