Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Wurzen Keyboard-Projekt in Brandiser Musikarche gestartet
Region Wurzen Keyboard-Projekt in Brandiser Musikarche gestartet
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:01 22.11.2018
„Bufdi“ in der Musikarche: Andreas Häring möchte zusammen mit anderen Hobbymusikern die E-Orgeln wieder zum Klingen bringen.
„Bufdi“ in der Musikarche: Andreas Häring möchte zusammen mit anderen Hobbymusikern die E-Orgeln wieder zum Klingen bringen. Quelle: Ines Alekowa
Anzeige
Brandis

Wie stellen Sie sich einen Bundesfreiwilligendienstleistenden, einen sogenannten „Bufdi“, vor? Jung und dynamisch? Nun, tatkräftig ist Andreas Häring auf jeden Fall, auch wenn er bereits 70 ist und die Haare ergraut sind. Der Senior ist in der Brandiser Musikarche seit einem Jahr der Mann für alle Fälle. Er begleitet die Musikschüler von der Grundschule zur Probe in die Arche, pflegt Instrumente und schaut bei den Bläsern schon mal mit auf die Noten, wenn Not am Mann ist. „Mit Kindern zu arbeiten, ist einfach herrlich“, schwärmt er.

„Darauf, dass die Arche einen Bufdi sucht, bin ich in einem Artikel der Muldentalzeitung gestoßen“, erzählt er. Der Leipziger ist dem Muldental schon von Kindesbeinen an verbunden. Härings Großvater hatte schon damals ein Wochenendgrundstück an der Loreley bei Grimma, später pendelte Häring, und als er 2012 seine Raumausstatterfirma in Leipzig aufgab, wurden die Wochenenden an der Mulde länger.

Klavierspielen als Ausgleich

„Ich war zunächst überrascht, weil ich den Bundesfreiwilligendienst (BFD) bis dahin nie mit Senioren in Verbindung gebracht habe“, erzählt er. „Aber für mich war sofort klar: Da musst du hin.“ Nicht nur, weil er kein Mensch sei, „der die Beine hochlegt, zum Fenster rausschaut und Kreuzworträtsel löst“. Der BFD gab ihm auch die Möglichkeit, sein zweites Hobby, die Musik, – neben dem schon von Berufs wegen benötigten Zeichnen – zum Nutzen anderer einzubringen.

Häring spielt seit seiner Kindheit Trompete und Klavier – „aber immer nur laienhaft“, wie er betont. Es reichte immerhin, um als junger Mann Kirchen- und Tanzmusik zu machen. „Aber als ich mich 1977 selbstständig machte, habe ich mit Trompetespielen aufgehört, die Zeit dazu fehlte“, erzählt er. Sich ans Klavier zu setzen, habe er sich hingegen immer als Ausgleich erhalten. „Musik ist etwas für die Seele“, sagt er und fügt hinzu: „Außerdem verlangt das Klavierspiel, Kopf und Hände anzustrengen, beim Spielen an der Heimorgel auch noch die Füße.“ An der E-Orgel begeistern ihn zudem die vielen technischen Möglichkeiten – vom traditionellen Spiel über die Nutzung der Begleitautomatik, die einen Rhythmus unterlegt, bis zum Orchesterspiel auf Knopfdruck.

Mit diesem Schild wirbt Andreas Häring für sein Angebot. Quelle: Ines Alekowa

Musiker aller Altersgruppen willkommen

Als Häring im Lager der Musikarche am Grimmaischen Platz unbenutzte Keyboards entdeckt, hat er die Idee für das Projekt „Tastenzauber für jedermann“ und stößt damit beim Arche-Vorsitzenden, Hans Ross, auf offene Ohren. Die Instrumente sind teilweise Schenkungen, weil sie nicht mehr benutzt wurden, aber zu schade zum Entsorgen waren. Häring möchte Musikliebhaber finden, die sie wieder zum Klingen bringen, ebenso wie die beiden E-Orgeln. Im Blick hat er dabei junge wie ältere Hobbymusiker, die schon mal in die Tasten gegriffen haben und nun, vielleicht nach einer Pause, wieder einen neuen Zugang zu dem Instrument suchen.

„Sie sollten zumindest einfache Melodien und Akkorde spielen können“, umreißt Häring die Voraussetzung. Er hat bereits Literatur mit ultimativen Titeln aus Klassik und Pop zusammengesucht. „Die sind so aufbereitet, dass man auch eine Szene aus Schwanensee, ein Bach-Menuett oder Mendelssohn Bartholdys Hochzeitsmarsch als Laie recht schnell spielen lernt.“ Und wer zu Hause üben möchte, könne ein Keyboard ausleihen. „Es soll aber kein Unterricht sein – dafür gibt es hier Klavier- und Keyboardlehrer –, sondern eine Art Club“, sagt Häring. Und der böte neben gemeinsamem Spiel und Fachsimpelei auch die Möglichkeit, in Gesellschaft etwas zu unternehmen.

Die Musikarche in Brandis befindet sich am Grimmaischen Platz. Quelle: Ines Alekowa

Gemeinsame Ausflüge möglich

Häring denkt unter anderem an einen Besuch im Grassimuseum, wo nicht nur eine Musikinstrumentensammlung zu besichtigen ist, sondern im hauseigenen Kinosaal Stummfilme auf der einzigen in Mitteldeutschland noch erhaltenen Kinoorgel der Firma Welte & Söhne live begleitet werden. Häring hofft nun, auch andere für seine Idee zu begeistern. Bis Ende März, so lange arbeitet er als Bufdi in der Arche, müsste sich der Club etabliert haben.

Kontakt: A, Häring, Tel. 0151/27524777

Von Ines Alekowa