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Wurzen Kirchgemeinde Wurzen bittet zur Weihnachtsausstellung in St. Wenceslai
Region Wurzen Kirchgemeinde Wurzen bittet zur Weihnachtsausstellung in St. Wenceslai
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16:50 15.12.2017
Da staunt der kleine vierjährige Ben. Die handgeschnitzte Pyramide ist genau so groß wie er selbst.
Da staunt der kleine vierjährige Ben. Die handgeschnitzte Pyramide ist genau so groß wie er selbst. Quelle: Foto: Frank Schmidt
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Wurzen

Wurzens festlich illuminierte Altstadt mit ihren Türmchen und Türchen, den krummen Gassen und klugen Katzen ist derzeit ein einziger begehbarer Adventskalender. Was wäre da die Weihnachtsausstellung in St. Wenceslai ohne Cornelia Richtarskys kultige Kalender?! Deren romantische Märchenmotive und historische Stadtansichten sind einmal mehr die großen Hingucker. 600 Adventskalender besitzt die Machernerin, die von klein auf sammelt: „Meine Mutter konnte sich nie von etwas trennen – und so stammen die ältesten Kalender aus den Dreißigern. Jedes Jahr kommen bis zu 30 weitere hinzu.“

Bei freiem Eintritt bittet der evangelische Pfarrer Alexander Wieckowski noch am Sonnabend und Sonntag jeweils von 14 bis 17 Uhr ins Reich der Nussknacker und Bergleute, Pyramiden und Krippen. Er selbst bereicherte die Schau des Fördervereins der Wenceslaikirche mit seiner fast lebensgroßen Maria aus Eichenholz, die eine Friedenstaube in den Händen hält. Ausdrücklich dankt Wieckowski den vielen Engeln aus Fleisch und Blut, die die Schau seit dem ersten Advent täglich beaufsichtigen.

Einer von ihnen ist Hans-Otto Jurich. Er hat jede Menge Zootiere aus Ton beigesteuert, die er als Kind von seinen Eltern Elsbeth und Erich zum Fest geschenkt bekommen hatte. Er setzt sich gern den Hut des Hauptorganisators auf: „Die Familien Redlin, Müller, Lehne, Wagner, Wedekind, Simek, Gauger, Gloger – ach, wenn ich alle aufzählen würde, ist Weihnachten vorbei – jedenfalls bringen die Leute ihre oft selbstgebauten oder selbstgebastelten Schätze von ganz alleine vorbei. Unsere inzwischen leider verstorbene Erika Siebert hätte sich bestimmt gefreut. Sie hatte die Tradition einst begründet.“ Viele Jahre war sie die gute Seele der Weihnachtsausstellung. Dazu inspiriert hatte sie ihre Zeit in Dresden. Dort half sie bei der Vorbereitung einer ähnlichen Schau in der Kreuzkirche. Als sie in den Ruhestand ging, wollte sie so etwas auch in Wurzen versuchen.

Wenn am Wochenende noch einmal viele Besucher hinein schneiten, könne sogar die Tausendermarke geknackt werden, freuen sich die Macher um Matthias Graul. Dabei gehe es weniger um Masse als vielmehr um Klasse, sagt Thomas Müller vom Kirchenvorstand und legt auch Wert auf die gediegene klassische Musik im Hintergrund. „Die Ausstellung war, ist und bleibt eine Oase in dem ganzen Weihnachtstrubel.“ Im Millenniumsjahr habe es die erste Schau gegeben: „Damals wollten wir das ungenutzte, baulich desolate Kirchenschiff neu beleben. Das ist uns auch gelungen. Inzwischen haben wir alles neu verputzt, die Emporen ergänzt, die Toilette eingebaut und auch die barocke Bemalung der Pfeiler freigelegt.“

Das von Adam Krämer gefertigte uralte Schaukelpferd, das von Arnd Brinkmann gebaute hölzerne Riesenrad mit sechs Gondeln, der Wurzener Bahnhof vom örtlichen Modellbauclub, das Pfefferkuchenhaus der Familie Becker mit Hexe, Hänsel und Gretel – mancher Besucher kann sich gar nicht satt genug sehen.

Jedoch wird nicht nur geschaut und gestaunt – auch gekauft! Der fast erblindete Ammelshainer Holzkünstler Peter Franke wartet mit seinen stilvollen Kerzenständern auf. Der Wurzener Klaus Konrad bietet jede Menge gläserne Tiffany-Engel seines Schwagers Werner Wiesenthal aus Hamburg an. Eben dieser Schwager hatte vor Jahren bereits ein viel beachtetes Modell der von innen beleuchteten Wenceslaikirche gezaubert – auch aus Tiffany-Glas. Der Clou: Das Dach kann abgehoben werden, so dass im Innern eine Empore mit kleinen Engeln sichtbar wird. Cheforganisator Hans-Otto Jurich: „Saskia Palme hat das Modell erworben und es dem Förderverein unserer Kirche geschenkt. Daher ist es auch noch nach der Ausstellung zu bewundern.“

Von Haig Latchinian