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Wurzen Kitas gehen Erzieher aus – Wurzen prüft Notfallplan
Region Wurzen Kitas gehen Erzieher aus – Wurzen prüft Notfallplan
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16:51 30.04.2019
Kita Märchenland in der Lüptitzer Straße: Wegen akuter Personalnot bat die Einrichtung Ende März darum, dass die Eltern ihre Kinder zu Hause lassen beziehungsweise eher abholen. Quelle: Kai-Uwe Brandt
Wurzen

Derzeit prüft die Stadtverwaltung mögliche Optionen, einen sogenannten trägerübergreifenden Notfallplan für Kindertagesstätten einzuführen. Darauf haben sich zur letzten Sitzung die Mitglieder des Kulturausschusses verständigt. Anlass für die Entscheidung gab ein Eilantrag der CDU-Stadtratsfraktion.

Wie berichtet, hatten die Christdemokraten Ende März auf den akuten Personalengpass der städtischen Kita „Märchenland“ reagiert. Wegen Krankheit der Mitarbeiter bat die Einrichtung in der Lüptitzer Straße seinerzeit die Eltern, ihre Kinder entweder zu Hause zu lassen oder schon 15.30 Uhr abzuholen – für CDU-Vizefraktionschef und Antragsteller Kay Ritter ein unhaltbarer Zustand.

Per Aushänge informierte die Wurzener Einrichtung die Eltern über Einschränkungen aufgrund des Personalmangels. Quelle: privat

„Aus unserer Sicht ist es dringend geboten, dass das Stadthaus rasch den Kontakt mit freien Trägern von Kindereinrichtungen aufnimmt, um Abhilfe zu schaffen“, begründete der 48-Jährige den Vorstoß. Doch zunächst landete der Eilantrag nicht auf der Tagesordnung des Gremiums. Erst auf Nachdruck von CDU-Stadträtin Hannelore Dietzschold kurz vor der Sitzung nahm Oberbürgermeister Jörg Röglin (SPD) das Ersuchen ins Abendprogramm auf.

CDU bittet um Unterstützung aller Fraktionen

Gleich zu Beginn der anschließenden Debatte zeigte sich CDU-Fraktionschef Matthias Rieder entsetzt über die Resonanz in den sozialen Netzwerken nach der Veröffentlichung des Ideenpapiers. In Foren wurde der Vorschlag nämlich zum Politikum stilisiert und von teils unsachlichen Aussagen begleitet, so Rieder. „Dabei ging es uns einzig und allein darum, eine Diskussion anzuschieben, wie die Zusammenarbeit in Zukunft organisiert werden kann.“ Folglich legte der Rechtsanwalt allen Mandatsträgern nahe, „die Intention zu unterstützen“.

Notfallplan ist auf gutem Weg

Kommentar von Kai-Uwe Brandt

Allzu eilig schien es die Wurzener Stadtverwaltung nicht mit dem CDU-Eilantrag zu haben. Denn wie sonst ist es zu erklären, dass erst mit Nachdruck der Wunsch eines trägerübergreifenden Notfallplanes für Kitas auf die Tagesordnung des jüngsten Kulturausschusses wanderte. Dabei birgt das Thema genügend Brisanz, um nicht aufs behördliche Abstellgleis geschoben zu werden. Selbst wenn manche meinen, akute Situationen wie Ende März in der Muldestadt fallen eher unter die Rubrik Seltenheitswert. Wer so denkt, handelt grob fahrlässig. Etwas mehr Eifer wäre also angebracht gewesen.

Enthusiasmus entwickelten allerdings einige Nutzer in den sozialen Netzwerken. Aber leider fanden sie keine Lösungsansätze, sondern vor allem Schuldzuweisungen. Selbst Oberbürgermeister Jörg Röglin schrieb im Facebook, dass er nicht wisse, ob er lachen oder weinen soll. Fassungslos sei er allemal, dass gerade „die CDU, die in Dresden seit 30 Jahren regiert“, einen Notfallplan fordert. Übrigens regiert jene CDU seit 2004 mit dem Koalitionspartner SPD – bis auf die Jahre 2009 bis 2014 mit der FDP. So viel verantwortungsvolle Wahrheit muss sein, damit emotionale Funken nicht auch noch sinnlos Feuer schüren.

Letztlich dienen nur Resultate der Sache. Insofern ist der Kulturausschuss mit der zuletzt sachlich geführten Debatte über einen trägerübergreifenden Notfallplan auf gutem Weg. Jetzt gilt es zu überprüfen, inwieweit Arbeitsrecht und Versicherungsschutz einen Austausch der Fachkräfte gestatten. Oder ob es gar andere kurzfristige Optionen gibt, wie den von der Linksfraktion initiierten Einsatz ehrenamtlicher Helfer. Spätestens im Oktober will das Stadthaus den Parlamentariern die Ergebnisse vorstellen. Man darf gespannt darauf sein.

k.brandt@lvz.de

Kita Spielhaus ebenfalls von Personalnot betroffen

Vor allem aber dominierte eine Vielzahl von Fragen die Runde. Unter anderem wollte Linken-Fraktionsvorsitzender Jens Kretzschmar wissen, ob ein Austausch zwischen freien Trägern und der Stadt überhaupt arbeitsrechtlich möglich sei und wie es sich verhält, wenn Leute bereit sind, ehrenamtlich auszuhelfen. Immerhin trommelte seine Stadtratskollegin Daniela Thiele (Linke) aus Sachsendorf sechs Frauen und Männer zusammen – darunter pensionierte Lehrerinnen, die kurz nach Bekanntwerden der Situation im „Märchenland“ in der ebenfalls vom personellen Notstand betroffenen Burkartshainer Kita „Spielhaus“ zeitweilig einspringen wollten. Sie erhielten nicht einmal eine Absage seitens der Kommunalbehörde für ihr freiwilliges Angebote.

Prüfergebnis soll im Oktober vorgelegt werden

Andreas Fricke von der Fraktion „Bürger für Wurzen“ brachte wenig später das Thema des Fachkräfteverleihs ins Gespräch, und Stefan Winkelmann, sachkundiger Einwohner im Ausschuss sowie Fachbereichsleiter Kindertagesstätten der Diakonie Leipziger Land, berichtete über Erfahrungswerte seines Arbeitgebers. Eine Reihe von Antworten blieben indes offen. Insofern beantragte Rieder „die Prüfung zur Einführung eines trägerübergreifenden Notfallplanes“ durch die Stadtverwaltung. Auf Wunsch von Hannelore Dietzschold sollen die Ergebnisse dann spätestens im Oktober dem parlamentarischen Arbeitskreis vorgestellt werden.

Von Kai-Uwe Brandt

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