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Wurzen Kosten für Fahrzeughalle Zweenfurth explodieren
Region Wurzen Kosten für Fahrzeughalle Zweenfurth explodieren
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19:27 28.02.2019
Fünf Laubbäume mussten jetzt neben dem Feuerwehrgebäude im Borsdorfer Ortsteil Zweenfurth weichen. Die Fläche wird für den Erweiterungsbau der Freiwilligen Feuerwehr benötigt. Quelle: Thomas Kube
Borsdorf/Zweenfurth

Der Neubau der Fahrzeughalle für die Zweenfurther Feuerwehr hat sich noch in der Vorbereitungsphase um 85.000 Euro verteuert. Am Mittwoch standen die Borsdorfer Gemeinderäte deshalb vor der Frage: Stimmen wir den Mehrkosten zu oder kippen wir das Vorhaben? Sie entschieden sich für ersteres – elf stimmten dafür; Petra Lau und Matthias Schütze (beide Linke), Tobias Uhlmann und Andreas Mierisch (Freie Wähler) enthielten sich bei der namentlichen Abstimmung.

Andere Projekte in Zweenfurth werden verschoben

Ursprünglich waren die Baukosten mit insgesamt 175.000 Euro veranschlagt. Davon sind 120.000 Euro Fördermittel, 55.000 Euro hatte die Gemeinde im Haushalt als Eigenmittel eingeplant. „Aber eine erste Ausschreibung hat exorbitante Preise ergeben“, informierte Planer Rainer Bresch vom Borsdorfer Ingenieurbüro Bresch & Partner. Durch die Explosion der Kosten auf jetzt 260.000 Euro ergibt sich ein Fehlbetrag von 85.000 Euro. Um die Finanzierungslücke zu schließen, hatte die Verwaltung vorgeschlagen, die Erschließungsarbeiten für Fußwege in der Parthenaue und die Ausstattung des Zweenfurther Bürgerhauses auf 2020 zu verschieben, ebenfalls verschoben wird der Neubau der Kitabrücke Zweenfurth.

Explodierende Baupreise schlagen sich in Zweenfurth nieder

Brasch konnte auf Nachfrage von Tobias Uhlmann nicht garantieren, dass die Zahlen in vier Wochen nicht schon wieder anders aussehen. „Weil die Kosten schlecht einzuschätzen sind“, wollte Uhlmann – und er erinnerte an die schlechten Erfahrungen beim Sporthallenbau – dem Vorhaben dann auch nicht zustimmen. „Nicht, weil ich nicht möchte, dass die Wehr die Halle bekommt“, betonte er. „Dass Baupreise im Moment vehement klettern, ist bekannt“, hielt Karsten Fuhrig (Freie Wähler) dagegen. „Wenn wir jetzt nicht bauen, wird es noch teurer.“

Biss in einen sauren Apfel

Kommentar von Ines Alekowa

Er hasse dieses Wort, sagte der Borsdorfer CDU-Gemeinderat André Dreilich. Aber genau das sei der Neubau der Fahrzeughalle für die Zweenfurther Feuerwehr: alternativlos. Zu viel liegt hier im Argen: die vom Holzwurm angefressene Statik der Zwischendecke in der jetzigen Halle, die Ausfahrt auf die Hirschfelder Straße, bei der von der Feuerwehr, die eigentlich Leben und Sachgüter retten soll, – wie paradox – selbst Gefahr ausgeht.

Den Borsdorfer Gemeinderäten blieb quasi gar nichts anderes übrig, als zähneknirschend in den sauren Apfel zu beißen. Und das zu einer Zeit, da ihnen noch die aus dem Ruder gelaufenen Kosten für die im vergangenen Jahr eingeweihte Sporthalle schwer im Magen liegen.

Dass Fördermittel einen Teil der Baukosten auffangen, ist ein schwacher Trost. Denn inzwischen sind sie fast schon Teil des Problems. Immer dann, wenn der öffentlichen Hand in einer Region viele Förderprogramme zur Verfügung stehen, gehen die Baupreise durch die Decke. Im Moment nutzen viele Kommunen zum Beispiel das Programm „Brücken in die Zukunft“ und das Leaderprogramm. Baufirmen sind stark nachgefragt. Und die Nachfrage bestimmte nun mal den Preis. Das ist Marktwirtschaft.

Bezahlt aber wird der Preis vom Steuerzahler, und zwar doppelt. Denn zum einen füllen sich Fördertöpfe, die Politiker gerade in Wahlkampfzeiten gern vor sich hertragen, nicht von allein. Zum anderen drehen Gemeinden, um noch den Eigenanteil an steigenden Baukosten aufbringen zu können, irgendwann an ihren Stellschrauben für mehr Einnahmen, sprich an Grundsteuern und Gebühren. Spätestens, wenn dem Bürger die Gebühren für die Rettung seiner Katze aus dem Baum durch die Feuerwehr auf den Tisch flattert, sind die Kosten für die neue Fahrzeughalle dann auch bei ihm angekommen.

Jetzige Halle hat statische Mängel

Der Neubau ist aus zwei Gründen erforderlich. Die jetzige Halle weist gravierende statische Mängel auf. Die Zwischendecke in der früheren Scheune hängt durch. Als man die Sauerkrautplatten entfernte, zeigten sich vom Holzwurm zerfressene Balken. Vor allem aber bereitet die Ausfahrt auf die Hirschfelder Straße Wehrleiter Tilo Melzer Sorgen. Die Fahrzeuge, so der Wehrleiter, bekämen die Kurve nur – „es hat schon einen Schaden an Fahrzeug und Mauerwerk gegeben“ –, wenn sie bis auf den gegenüberliegenden Fußweg fahren, was eine Gefahr für Schaulustige berge. Auch das Einparken sei kompliziert: „Wir sind glücklich, dass der gegenüberliegende Eigentümer es zulässt, auf sein Grundstück zu fahren, damit wir rückwärts in die Halle fahren können.“

Die Zeichnung zeigt die neue Halle (l.) neben dem bestehenden bleibenden Teil des Feuerwehrhauses (r.). Quelle: Bresch und Partner

Ein- und Ausfahrt durch Verkehr behindert

Hinzu komme, dass zunehmend Autofahrer die Feuerwehr nicht mehr beachteten. Aus- und Einfahrt auf die stark frequentierte Kreisstraße müssten deshalb zwei Posten absichern. Auch weil das Gerätehaus, am Ausgang einer Kurve, erst spät zu sehen ist. Aufgrund fehlender Stellflächen vor der Halle fahren die Fahrzeuge zudem sofort auf die Straße. „Um akustisch zu warnen, habe ich angewiesen, das Martinshorn schon in der Halle einzuschalten – den Krach können Sie sich vorstellen“, sagte Melzer.

Ampelregelung abgelehnt – mehr Kosten

Künftig soll die Feuerwehr deshalb über den Waldweg auf die Beuchaer Straße ausrücken. Der Idee, die Halle nicht zu drehen, sondern nur nach hinten zu setzen, um zur Hirschfelder Straße hin die geforderte Stellfläche zu erhalten, erteilte Bresch eine Absage: Abgesehen vom höheren Flächenverbrauch zu Lasten der Grünfläche, auf der die Feuerwehrfeste stattfinden, würde der verbleibende Gerätehausteil weiterhin die Sicht versperren. Auch Schützes Antrag, zu prüfen, ob die Ausfahrt auf die Hirschfelder Straße nicht per Ampel geregelt werden könnte, fand nur drei Befürworter im Gemeinderat. Martin: „Wir werden nicht neu bauen und dabei eine Gefährdung einbauen.“

Ganz davon abgesehen, dass eine Ampelanlage das Vorhaben nicht billiger mache. Ingo Graupner (CDU) hingegen sah in Breschs Vorschlag die „ideale Lösung“. Vielleicht ließe sich bei der Gelegenheit auch der unglückliche Versatz in der Kreuzung Hirschfelder Straße/Beuchaer Straße und Großer Weg entschärfen, regte er an.

Fünf Bäume auf dem Bauplatz in Zweenfurth gefällt

Noch am Donnerstag fällte die Landschaftsbaufirma Krahnstöver und Wolf aus Großpösna auf dem Gelände fünf Bäume – drei Linden und zwei Kastanien, zwischen 50 und 80 Jahren alt. Die Eile erklärte Bürgermeister Ludwig Martin mit dem Fällverbot in der am 1. März beginnenden Vegetationszeit. Laut Gutachten sind vier der Bäume nicht mehr standsicher, der fünfte steht mitten in der künftigen Einfahrt. „Wir haben die Grenzen von Halle und Einfahrt abgesteckt und sind mit den Fahrzeugen raus- und reingefahren – nach unserer Auffassung wäre es möglich, die Linde zu erhalten“, berichtete Martin. „Aber die Unfallkasse stimmt dem nicht zu. Wird der Baum nicht gefällt, stehen die Fördermittel nicht zur Verfügung.“ Selbstverständlich, so der Bürgermeister, werde es aber Ersatzpflanzungen geben.

Von Ines Alekowa

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