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Wurzen Kulturhaus Beucha: Einblicke und Aussichten
Region Wurzen Kulturhaus Beucha: Einblicke und Aussichten
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14:26 12.09.2019
Ein seltener Anblick: Die Türen des Ex-Kulturhauses öffneten sich für eine kurze Besichtigung. Quelle: Ines Alekowa
Brandis/Beucha

Vor dem ehemaligen Kulturhaus Beucha versammelten sich am Mittwochabend erwartungsvoll rund zwei Dutzend interessierte Beuchaer und Brandiser. Sie nutzten die seltene Gelegenheit, einen Blick in das Innere des seit vielen Jahren gesperrten Objektes zu werfen. Türöffner war die Mit-Mach-Stadt Brandis.

Die verlassenen Räume im Beuchaer Kulturhaus hinterlassen bei den Besuchern einen trostlosen Eindruck. Aber Saal und Fass bieten viele Möglichkeiten.

Brandis will Ortsteile in Gestaltung der Stadt einbeziehen

Treffen sich deren Akteure sonst jeden zweiten Mittwoch im Monat in der Brandiser Musikarche, so ging sie diesmal erstmals auf Tour. Ziel ist, die Ortsteile stärker in den Mitmach-Gedanken einzubinden. „Die Mit-Mach-Stadt ist eine agile Gruppe, die Projekte anschiebt. Sie ist aber kein Innenstadt-, sondern ein Stadtprojekt“, betonte Bürgermeister Arno Jesse (SPD) und lud deshalb alle zum Mitmachen ein, „die Lust haben, die Stadt zu beleben“.

Beuchaer Kulturhaus mit viel Potenzial

Wolfgang Fichte, Mitglied des Vereins Kulturhaus Beucha, führte durch das vor rund 100 Jahren als Gaststätte Feldschlösschen erbaute Haus. Eine der Attraktionen und noch gut erhalten ist das so genannte Fass, ein mit Holz ausgekleideter gewölbter Raum. „Das wurde einst mit Hilfe der Bottichfabrik Beucha gebaut und rege genutzt“, wusste Fichte zu berichten.

Vom Zahn der Zeit ziemlich angefressen hingegen wirkt zum Beispiel die Küche, in der ein verschmutzter Herd einsam auf blindem Fliesenboden steht. Beim Anblick des Saales in der ersten Etage geriet Carolin Bade ins Schwärmen: „Ich sehe schon die Jugendweihefeiern hier.“ Bis 250 Leute finden hier Platz, erinnerte Fichte an frühere Tanzabende und wöchentliches Kino.„Wir als Verein haben an diese Tradition angeknüpft und veranstalten Sommerfilmabende im Hof, den nächsten am 13. September.“

200 Zuhörer bei Wandelkonzert am Kirchberg

Darüber hinaus hatte der Verein in diesem Jahr unter anderem erstmals ein Wandelkonzert um den Kirchberg angeboten – 200 Zuhörer kamen. „Wir wollen keine 08/15-Veranstaltungen. Wir haben im Ort ein super Potenzial, man muss es nur aktivieren“, sagte Fichte. Mit diesen Offerten wolle man nicht nur den Leuten das Kulturhaus nahe bringen, „sondern auch ein bisschen Druck auf die Stadt ausüben, damit es hier vorwärts geht“.

Und genau das, die künftige Nutzung des Objektes, interessierte auch Besucher wie die Beuchaerin Marlis Gottschalk, die schon mal einen Runden Tisch zum Ideen-Sammeln angeregt hatte. Jesse betonte, es sei „das gemeinsame Ziel“ der Stadtverwaltung und der Beuchaer, „das Haus wieder herzurichten“. „Es wird aber kein reines Kulturhaus wieder werden können“, stellte er klar.

Machbarkeitsstudie lotet Nutzung des Kulturhauses aus

„Es muss Kompromisse geben. Wir brauchen eine Bewirtschaftung, Einnahmen, dass auch Kultur hier wieder stattfinden kann und um Räume für Vereine zur Verfügung stellen zu können.“

Aus den Vorschlägen, die das Büro Knoblich in einer Machbarkeitsstudie zusammengestellt und im Februar diesen Jahres im Ortschaftsrat vorgestellt hatte, habe sich einer für Coworking-Space, in dem junge Unternehmer für kleines Geld Räume und Equipment mieten können, herauskristallisiert, so Jesse. Vielleicht könnte sich hier auch ein Start-up etablieren. „Das ist die Tür, die sich gerade öffnet, um Fördermittel zu bekommen“, erklärte der Bürgermeister mit Blick auf die Auszeichnung von Brandis als Smart City und verwies auf laufende Gespräche mit Landesdirektion und Staatskanzlei. „Denn wir brauchen Fördermittel. Den Sanierungsbedarf von 3,5 Millionen Euro können wir als Stadt allein nicht stemmen.“

Konzept in wenigen Wochen im Stadtrat

Voraussetzung für deren Beantragung sei ein Betreiberkonzept. „An dieser Stelle sind wir gerade mit der Machbarkeitsstudie“, so Jesse. Dabei wolle auch der Verein „ein Stück mitreden, um die Interessen der Beuchaer und des Vereins darin verankert zu wissen“, sagte Fichte und appellierte an den guten Willen der Stadt als Eigentümerin. „Natürlich werden wir die Bürger mit einbeziehen“, versicherte der Bürgermeister. Er werde dem Verein die überarbeitete Studie zum Einstellen auf dessen Homepage zur Verfügung stellen, und etwa im November soll das Konzept vorgestellt werden. „Am Ende aber entscheidet der Stadtrat“, unterstrich Jesse. Er zeigte sich optimistisch, „dass wir vielleicht in vier, fünf Jahren vor einem sanierten Gebäude stehen“.

Kreatives Herangehen ist also gefragt. Oder wie es der französische Schriftsteller und Maler Francis Picabias (1879-1953) formulierte, dessen Bonmot jemand an die Wand neben dem „Fass“ gekritzelt hatte: „Unser Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung wechseln kann.“

Von Ines Alekowa

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