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Wurzen Kur für den Altenbacher Saubach
Region Wurzen Kur für den Altenbacher Saubach
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09:06 20.04.2019
Renaturierungsmaßnahmen am Saubach: In die Bachsohle werden Buhnen getrieben. Quelle: Ines Alekowa
Bennewitz/Altenbach

Orangewesten in Altenbach: Kein Zeichen für einen Aufstand, aber für ein Pilotprojekt. In Praxisseminaren wie Am Heller, einem Abschnitt des Saubaches, lernen Bauhofmitarbeiter und Verwaltungsangestellte aus zwölf Gemeinden und Pflegeverbänden wie dem ZV Parthenaue sowie vom Regionalmanagement Leipziger Muldenland ein Jahr lang, wie Gewässer mit einfachen Mitteln wieder renaturiert werden können.

Altenbacher erinnern sich an gute Wasserqualität

Denn der Saubach sah einmal anders aus. Als Kind habe er in den 1950er-Jahren hier noch gebadet, erinnert sich ein Anwohner. „Hier gab es Muscheln, Flusskrebse, Gründlinge.“ Dann verschmutzten ungeklärte Abwässer vom Flugplatz Polenz die Gewässer unterhalb des Flugplatzes – den Saubach, den Denkmalteich, das Schachtloch und auch den Bachabschnitt Am Heller. „Die Fische schmeckten nach Benzin. Einmal hat sogar ein Teil des Schachtloches gebrannt“, erzählt der Altenbacher.

Schon lange hat man dem Saubach seine natürlichen Windungen genommen. Auch Am Heller fließt der Bach kerzengerade, die Ufer sind trapezförmig abgestochen, die meisten Bäume gleich mit. Diese über Jahrzehnte praktizierte Gewässerpflege sollte einen ungehinderten Abfluss des Wassers gewährleisten. Tatsächlich bewirkt sie das Gegenteil: Niedrige Vegetation schießt ins Kraut, Laub bleibt hängen, Sedimente setzen sich ab, was wiederum Stau begünstigt – ein Kreislauf, der mit der begrenzten Kraft der Bauhöfe kaum noch zu durchbrechen ist.

Bennewitz pflegt 17 Kilometer des Saubaches

Renaturierungsmaßnahmen am Saubach:Auch für die Faschinen wird natürliches Material verwendet. Quelle: Ines Alekowa

Bagger arbeitet Ausbuchten am Ufer ein

Der Bagger hat inzwischen das Ufer stellenweise angerissen. „Ein natürliches Gewässer schwingt“, erklärt der Experte, „die Ausbuchtungen bilden Retentionsflächen.“ Nicht überall sei das möglich, zum Beispiel bei naher Bebauung. „Deshalb wollen wir auch das Auge schulen.“ Dem ein oder anderen Anwohner, der stehen bleibt, erklärt er das Vorhaben. „Ich kann ihre Bedenken verstehen“, sagt Spänhoff, „sie kennen es nicht anders. Und dazu kommen die Ängste aus den Hochwassererfahrungen in den letzten Jahren.“

Schwarzerlen und Weiden gehören zum Bach

Ein zweites Merkmal natürlicher Gewässer sei die Ufervegetation. „Typisch sind Schwarzerlen und Weiden.“ Ihr Schatten unterdrückt unerwünschten Bewuchs am Ufer und im Bach, wie man es an Waldbächen beobachten kann. „Dieser Bach dagegen hat ein Problem“, verweist Spänhoff auf den Algenteppich. „Der ist ein Anzeiger für zu viel Licht und Nährstoffe.“ Unter Anleitung von Andreas Stowasser und Josefin Mewes von der Stowasserplan GmbH & Co. KG aus Radebeul, die vor zwei Jahren bereits die Launzige bei Fremdiswalde renaturiert hat und jetzt als Auftragnehmer des Projektes fungiert, treiben dessen Teilnehmer deshalb zum Beispiel hölzerne Buhnen in die Bachsohle. „Das ist eine simple und preiswerte Bauweise mit Mehrfachnutzen“, sagt Stowasser.

Gewässer sollen sich wieder gemäß ihrer Natur entwickeln können. In einem Pilotprojekt eignen sich Bauhöfe dazu das Wissen an. In Altenbach wurde es am Saubach praktisch angewendet.

Die Buhnen lenken nicht nur die Strömung zum anderen Ufer, weg vom angrenzenden Grundstück. „Die Weidensteckhölzer werden wieder ausschlagen und einen Busch bilden. Strömungslenkung und Beschattung sind so dauerhaft.“ Die Hölzer sind frisch, stammen von der alten Weide an der Straße, die sich schon stark geneigt hatte. Sie wurde gefällt. Aber der Stumpf wird neu austreiben.

Wissen über natürliche Uferbefestigung vermitteln

Natürliches Baumaterial wird auch für die Faschinen benutzt, um das Ufer des angrenzenden Grundstücks zu stabilisieren, das der Bach schon unterspült hat. Dahinter werden Schwarzerlen-Setzlinge und Traubenkirschen in die Erde gebracht. „Die Erle geht mit den Wurzeln ins Wasser und durchwurzelt dabei die Böschung. Das schützt sie besser als Steine“, zeigt Stowasser anhand einer der beiden Erlen, die der Axt entkommen sind. „Leider ist das heute in Vergessenheit geraten.“

Von Ines Alekowa

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