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Wurzen „Laura ist anders. Das wissen wir und das ist kein Problem“
Region Wurzen „Laura ist anders. Das wissen wir und das ist kein Problem“
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12:32 10.12.2019
Laura (l.) und ihre Chefin Kerstin J. Müller am Arbeitsplatz in der Casa Tropicana in Grubnitz bei Wurzen. Quelle: Arbeitsagentur Oschatz
Bennewitz/Grubnitz

Laura ist 20 Jahre alt. Sie leidet an einer Form des Autismus hat Angst vor Fremden und besitzt ein anderes Schmerzempfinden als ihre Mitmenschen. Und: Laura hat einen Job. Nicht nur in der bundesweiten Aktionswoche der Menschen mit Behinderung sind es Beispiele, wie die 20-jährige Laura, die Mut machen.

Gute Erfahrungen mit anderen Menschen gemacht

Laura ist das Mädchen für alles in der Casa Tropicana, dem Tropenhaus in Grubnitz bei Wurzen und sie ist stolz, Teil des Teams zu sein. Sie braucht das Team, denn ohne eine Person in der Nähe ist es für sie gefährlich. „Laura ist anders. Das wissen wir und das ist kein Problem“, fasst Kerstin J. Müller, Geschäftsführerin des Tropenhauses zusammen. Die Unternehmerin weiß wovon sie spricht. „Wir beschäftigen rund um das Tropenhaus und über unsere Tiefbaufirma weitere Menschen mit Einschränkungen und haben damit gute Erfahrungen gemacht.“

Soziales Engagement und betriebswirtschaftliches Ergebnis

Natürlich weiß Kerstin Müller auch um die Verantwortung, die sie und ihre Mitarbeiter dabei tragen. Sie weiß auch, dass trotz des sozialen Engagements die Beschäftigung betriebswirtschaftlich betrachtet werden muss. Die gesetzlichen Förderungen seien daher erforderlich, schätzt sie ein. Vor sechs Jahren hatte Laura ihr erstes Praktika im Tropenhaus gemacht. Seitdem hat sie sich an das Umfeld, die Aufgaben und die Kollegen gewöhnt. Zur Arbeit wird sie gebracht und auch wieder abgeholt. „Sie ist flink, fleißig und unterstützt. An manchen Tagen brauchen wir mehr Geduld“, erklärt Kerstin Müller. „Damit können wir umgehen. Und mal ehrlich, hat nicht jeder von uns irgendein Defizit? Ich bin überzeugt, dass Inklusion gelingt, wenn wir das alle zusammen wollen. Die aktuelle Situation am Arbeitsmarkt begünstigt das“, macht Müller auch anderen Arbeitgebern Mut.

Am Arbeitsplatz geht es darum wer was besonders gut kann

„Nicht jeder kann alles. Am Arbeitsmarkt geht es vielmehr darum, wer was besonders gut kann. Menschen mit Handicap werden oftmals in ihrem beruflichen Vorankommen behindert. Ihr Können sehen wir nicht sofort. Die meisten Menschen mit Handicap sind leistungsfähig, hochmotiviert und bringen einen echten Mehrwert. Aber sie brauchen dafür eine echte Chance oder einen zweiten anderen Blick“, erläutert die Oschatzer Arbeitsagenturchefin Cordula Hartrampf-Hirschberg.

>>Lesen Sie auch: Ein Interview zum Tag der Menschen mit Behinderung

Damit sich die Arbeitsmarktchancen für Menschen mit Handicap verbessern, unterstützen die Arbeitsagentur und das Jobcenter Nordsachsen die Einstellung von Schwerbehinderten auch finanziell. „Betriebe, die Menschen mit Handicap einstellen, können zusätzliche finanzielle Unterstützung erhalten. Damit kann eine echte Chance geboten werden und etwa der Aufwand für eine längere oder intensivere Einarbeitung ausgeglichen werden. Das kann ein Lohnzuschuss für mehrere Jahre oder eine Einstellungspauschale sein“, wirbt Cordula Hartrampf-Hirschberg. Zusätzlich unterstützt der Technische Berater der Arbeitsagentur bei der Planung, Beschaffung und Finanzierung von Arbeitshilfen im Betrieb, damit Schwerbehinderte ohne Einschränkungen volle Leistungen bringen können.

>> Zum Thema: Azubis mit Behinderung: Fast jeder Beruf ist machbar

Die Bundesagentur für Arbeit hat sich selbst zum Ziel gesetzt, für sich eine Beschäftigungsquote für schwerbehinderte und gleichgestellte Arbeitnehmer von zehn Prozent zu erreichen. „Wir wollen nicht nur von Inklusion reden, sondern sie auch leben. Aktuell sind rund 13 Prozent unserer Mitarbeiter schwerbehindert oder schwerbehinderten Menschen gleichgestellt“, erklärte Arbeitsagenturchefin Cordula Hartrampf-Hirschberg.

Hinweise für Arbeitgeber

780 Schwerbehindertewaren Ende November im Agenturbezirk Oschatz arbeitslos gemeldet. 52 Menschen (6,3 Prozent) weniger als im November des Vorjahres. Damit sind 5,6 Prozent aller Arbeitslosen schwerbehindert. Mehr als Dreiviertel von ihnen verfügt über eine abgeschlossene schulische oder betriebliche Ausbildung. Die meisten Arbeitslosen mit Handicaps haben also formal gute Voraussetzungen für eine Integration ins Berufsleben.

Die Zahl Schwerbehinderter, die sozialversicherungspflichtig beschäftigt sind, stieg von 2010 bis 2017 um rund ein Viertel auf zuletzt 2.281 Arbeitnehmer. Hinzu kamen 646 sogenannte gleichgestellte Arbeitnehmer, die schwerbehinderten Menschen gleichgestellt sind.

Informationen über Regelungen und Fördermöglichkeitenfür schwerbehinderte Menschen gibt es beim gemeinsamen Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit und des Jobcenter Nordsachsen – persönlich oder telefonisch unter der kostenlosen Servicenummer 0800 4 5555 20. Die Beratungs- und Vermittlungsangebote, sowie die finanzielle oder technische Unterstützung hängen immer davon ab, was die behinderte Arbeitskraft benötigt beziehungsweise welche Ausstattung beim Betrieb erforderlich ist.

Behindertist ein Mensch im Sinne des Gesetzes, wenn seine körperliche Funktion, geistige Fähigkeit oder seelische Gesundheit nicht nur vorübergehend wesentlich gemindert ist – wenn er dadurch Hilfen zum Beispiel für die Teilhabe am Arbeitsleben, benötigt.

Schwerbehindertist ein Mensch nach dem Sozialgesetzbuch IX, wenn vom Versorgungsamt ein Grad der Behinderung 50 oder mehr festgestellt wird. Wichtig: Der Behinderungsgrad alleine sagt nichts über die berufliche Leistungsfähigkeit eines Menschen aus.

Gleichgestelltmit schwerbehinderten Menschen werden Personen mit einem Grad der Behinderung von mindestens 30 aber unter 50 von der zuständigen Agentur für Arbeit, wenn die Aufnahme oder der Erhalt des Arbeitsplatzes behinderungsbedingt gefährdet ist.

Beschäftigungspflicht: Arbeitgeber mit monatlich mindestens 20 Arbeitsplätzen im Jahresdurchschnitt sind gesetzlich verpflichtet, mindestens 5 Prozent ihrer Arbeitsplätze durch Menschen mit Schwerbehinderung oder ihnen gleichgestellten Menschen zu besetzen. In der Regel wird die Beschäftigung eines Menschen mit einer Schwerbehinderung auf einen Pflichtplatz angerechnet. Eine Mehrfachanrechnung ist auf Antrag möglich, wenn die Eingliederung auf dem Arbeitsmarkt behinderungsbedingt besonders schwierig ist oder, wenn Betriebe behinderte Jugendliche ausbilden.

Ausgleichsabgabe: Arbeitgeber, die ihre Beschäftigungspflicht nicht erfüllen, müssen monatlich eine Ausgleichsabgabe entrichten. Diese wird von den Integrationsämtern erhoben und verwendet, um die Beschäftigungschancen und -bedingungen von Menschen mit Schwerbehinderung zu verbessern. Sie soll einen Ausgleich unter den Arbeitgebern herbeiführen.

Von lvz

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