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Wurzen Luftbild zeigt Leulitz vor 74 Jahren
Region Wurzen Luftbild zeigt Leulitz vor 74 Jahren
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07:58 30.04.2019
Viele Leulitzer waren am Sonntag in die Kirche gekommen, um in Erinnerungen zu kramen. Quelle: Ines Alekowa
Bennewitz/Leulitz

So viele Besucher hatte die Leulitzer St. Laurentiuskirche seit Langem nicht gesehen. Rund 50 Leulitzer füllten am Sonntagnachmittag die wurmstichigen Bänke des hauptsächlich nur noch für kleine Konzerte genutzten Gotteshauses, um auf Einladung des Kultur- und Heimatvereins „Rund um den Eichberg“ anhand eines Luftbildes, das Leulitz und Umgebung vor 74 Jahren zeigt, in Erinnerungen zu kramen.

In der Pause wurde an dem vor der Kirche aufgestellten Luftbild eifrig weiter diskutiert. Quelle: Ines Alekowa

Luftbilder auch von Altenbach und Polenz

Zu einer ersten derartigen Veranstaltung hatte der Eichbergverein im Januar 2018 nach Altenbach eingeladen. Andrè Rotter hatte Gerüchte aufgegriffen, wonach von ganz Deutschland Luftbildaufnahmen aus den 1940er-Jahren existieren sollten. Er fragte bei der Luftbilddatenbank an und wurde fündig – im April 1945 hatte die Luftaufklärung der 3. US-Armee auch Altenbach aus etwa sechs Kilometer Höhe fotografiert. Der Polenzer Verein Einigkeit 4 griff die Anregung auf und präsentierte Polenz von oben im Juni vergangenen Jahres.

Leulitzer zeigen großes Interesse an der Geschichte des Dorfes

Der Bennewitzer Bürgermeister Bernd Laqua, selbst Leulitzer und Mitglied im Heimatverein, zeigte sich „positiv überrascht“ von dem großen Interesse. Er hatte die Veranstaltung zusammen mit dem Heimatverein generalstabsmäßig organisiert und konnte dabei auf jede Menge Informationen zurückgreifen, die zum Beispiel Familie Böhme zum Rittergut zur Verfügung gestellt hatte. Gemeindebibliothekar Eberhard Otte steuerte historische Postkarten bei, die den Vortrag illustrierten, und Birgit Hardegen öffnete die Aufzeichnungen des viele Jahre in der Schmiede wohnenden Museologen Manfred Straßberger, die dieser noch zu Lebzeiten dem Bauamt übergeben hatte.

Prominente wie Brockhaus hatten hier ihre Villen

Vor allem im Vergleich mit heutigen Luftaufnahmen wurde deutlich, wie viel sich seit 1945 verändert hat. Die Brockhausvilla, bei der Laqua den Rundgang begann, stand damals noch allein an der Straße nach Machern. Heute schließt sich, wo vorher Wald und Feld waren, eine Wochenendsiedlung an. Besucher wussten zu berichten, dass das Anwesen lange „Villa Sonnenkalb“ hieß, nach dem Besitzer der gleichnamigen Leipziger Firma „Export und Import“. Hans Brockhaus, Mitinhaber des Leipziger Lexikonverlages, übernahm sie erst 1935. Verschwunden ist hingegen die Villa Cramer. „Sie stand in der Einflugschneise des Flugplatzes, es gibt ein Dokument von 1932 über den Abkauf“, so Laqua.

Verschwunden sind auch manche Gewerbe. Schmied, Ofensetzer und Sattler zählte Heinz Gerlach auf, der viele Details zur Erklärung des Luftbildes beisteuern konnte. „Wir hatten sogar ein Gefängnis“, berichtete er. Es befand sich linksseitig nach dem Ortsausgang gen Bennewitz.

Rittergut Leulitz blieb während des Krieges verschont

Abenteuerlich sind die Geschichten, die sich ums Rittergut rankten. „Das hatte nicht durch den Krieg Schaden genommen, sondern erst danach“, berichtete Laqua. Auf der Luftaufnahme bilden die Gebäude noch ein vollständiges Karree. „1946 wurde angeordnet, das Rittergut auf Neubauern aufzuteilen“, verwies Laqua auf schriftliche Quellen. Gebäude sollten abgerissen, die Steine als Baumaterial verwendet und so gleichzeitig „dem herrschaftlichen Anblick ein Ende“ gesetzt werden. Zum Glück wurde das Vorhaben nicht vollständig umgesetzt. Die Brennerei allerdings entging diesem Schicksal nicht. Ulrike Böhme berichtete, dass die vormalige Brauerei Ende des 19. Jahrhunderts umgebaut worden war. „Damals erhielt sie einen Anbau für eine Dampfmaschine, die Strom für das ganze Gut produzierte.“ Böhmes hatten das Gut 1997 gekauft und bewohnen heute das Haupthaus, das wieder ganz wie auf alten Fotos aussieht.

Viele Teiche rund um Leulitz

Ins Auge fallen auf dem Luftbild die vielen Teiche – auch der Schwemmteich, halb unter Bäumen verborgen. Eine Postkarte zeigt ihn mit Badenden. Auf der Rückseite der Karte lobt der Schreiber die bequeme Anfahrt mit der Eisenbahn bis Machern und dass man in Leulitz „hervorragend speisen“ könne. Das ist Geschichte. Der Gasthof gegenüber dem Rittergut existiert nicht mehr. Eine erste Schramme erhielt er 1945. Als am 16. April amerikanische Panzer durch Leulitz fuhren, „bringt es ein Arschloch fertig und schießt mit der Pistole auf die Panzer“, zitierte Laqua. „Die Antwort folgte prompt: Der Panzer zerschoss den Torbogen des Gasthofes.“

Unterhalb des Schwemmteiches dehnt sich heute die Waldsiedlung aus. „Wurzener sollten hier nach dem Krieg Gemüse anpflanzen können.“ Die liegt in der Einflugschneise. „Man ging wohl zunächst davon aus, auch den Flugplatz landwirtschaftlich zu nutzen“, vermutete Laqua. 1972 erfolgte dann eine zweite, größere Ansiedlung. „Der größte Teil der Pächter waren Offiziere aus Leipzig“, so ein Leulitzer und vermutete bei der Vergabe der Grundstücke Mauschelei.

Flugplatz, Munitions- und Gefangenenlager

Natürlich wurde auch der Flugplatz ins Visier genommen. Als ehemaliger Oberstleutnant identifizierte Laqua unschwer Flakanlagen sowie eine ganze Anzahl Flugzeuge, darunter das Einstrahldüsenflugzeug Me 163. Diese Flugzeuge wurden von einer Rampe gestartet und mussten beim Runterkommen bauchlanden „In Zeititz ist mal eins mitten im Dorf runtergekommen“, so Gerlach. Er wusste auch noch die Funktion der Gebäude an dem von Brandis kommenden Gleis nördlich der Polenzer Straße zu deuten, wo heute die Photovoltaikanlage steht. „ Das war ein Munitions- und Gefangenenlager.“

Nach reichlich zwei Stunden beendete Laqua die Veranstaltung. Das gesammelte Material, die Erinnerungen der Leulitzer eingeschlossen, will der Heimatverein nun für die Nachkommen aufbereiten.

Von Ines Alekowa

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