Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Wurzen Mit-Mach-Stadt Brandis zieht Bilanz
Region Wurzen Mit-Mach-Stadt Brandis zieht Bilanz
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:56 12.03.2019
Yvonn Semek, die in der Mit-Mach-Stadt den Hofflohmarkt initiierte, kündigte die vierte Auflage für den 18. Mai an.
Yvonn Semek, die in der Mit-Mach-Stadt den Hofflohmarkt initiierte, kündigte die vierte Auflage für den 18. Mai an. Quelle: Ines Alekowa
Anzeige
Brandis

Brandis hat den Ruf einer Mit-Mach-Stadt. Viele Menschen engagieren sich in Sport- und anderen Vereinen, Initiativen und Feuerwehren und beleben damit die Stadt. „Wir müssen inne halten und Bilanz ziehen“, sagt Bürgermeister Arno Jesse. „Es gibt unglaublich viele Aktivitäten, aber vieles fruchtet auch noch nicht so.“ Am Donnerstagabend hatte Jesse in den Gartensaal des Schlosses, den Schlossherr Rico Schück zur Verfügung gestellt hatte, eingeladen. Mit 50 Besuchern hatte er gerechnet, 70 Stühle wurden gestellt, am Ende mussten noch weitere zehn dazu geholt werden. „Ich bin ein bisschen baff“, freute sich Jesse über das Interesse. Denn Ziel ist auch, weitere Bürger zum Mitmachen zu motivieren, Ideen zu finden und Kräfte zu bündeln.

Brandis hat in Sachen Mobilität Maßstäbe gesetzt

Steffen Lehmann steuerte zur Bilanz den Blick des Wahl-Brandisers bei. „Wir haben uns 1996 für Brandis entschieden, weil Bürgermeister mit klugen Entscheidungen die Stadt attraktiv gemacht hatten. Und ihre Entwicklung hat noch einmal einen Schub erhalten.“ Das lasse sich auch daran ablesen, dass Brandis entgegen dem Trend Einwohner dazu gewinnt und im Gewerbegebiet auch die letzte Wiese bebaut ist. Brandis, so der Geschäftsführer des Mitteldeutschen Verkehrsverbundes, habe zum Beispiel in Sachen Mobilität Maßstäbe gesetzt, auch wenn es unbequem sei, Parkplätze zugunsten einer Bushaltestelle zu streichen. „Mit anderen Kommunen diskutieren wir ewig darüber.“

Kritische Bilanz des Bürgermeisters

Jesses Bilanz fiel kritischer aus: „Gefühlt ist wenig los, es gibt keinen Wochenmarkt, keine Gaststätten, wenig Einzelhandel.“ Bei näherem Hinschauen aber relativiere sich dieser Eindruck. „Unser Flyer ,Die Brandiser Innenstadt erleben’ listet auf einer Karte 49 Gewerbe und Dienstleistungen und auf zwei Seiten Veranstaltungen für 2019 auf – es ist mehr los, als man denkt.“ In Wirklichkeit stehe nur eine Hand voll Geschäfte – „meist aus baurechtlichen Gründen“ – leer. Für die ehemalige Buchhandlung Gäbel kündigte Jesse eine Netzwerkstelle Jugend an. „Wir müssen uns auch davon verabschieden, dass nur Einzelhandel die Innenstadt belebt“, meinte Wolfram Fichtner, hier könnten ebenso Dienstleistungen Platz finden.

Brandis listet Pluspunkte auf

Darüber hinaus hat die Stadt eine ganze Reihe Projekte angeschoben. Nicht alle gelangen, wie die Einbeziehung der Hauptstraße in den Wichtelmarkt oder die Etablierung von Themenstammtischen zur Belebung der Innenstadt, was Jesse mit der „heterogenen Händlerschaft“ begründete. Pluspunkte gab’s dagegen für Neubürgermappe, WLAN-Hotspot auf dem Markt, Stadt-Plan-Spiel für wissbegierige Kinder, E-Bike-Ladestation... „Die Rahmenbedingungen sind nicht schlecht, wir müssen sie ausfüllen“, meinte Jesse. Die Stadt helfe, wo sie könne, damit sich gute Ansätze verstetigten – etwa die LebensArt-Messe 2018 im Schloss oder das Stadtmusikfest.

Wie sehr sich Bürger an der Belebung der Innenstadt beteiligen, zeigt die 2016 ins Leben gerufene Mit-Mach-Stadt. Zu deren Treffen jeden zweiten Mittwoch im Monat in der Musikarche könne jeder kommen, es gibt keine Mitgliedschaft oder Verpflichtungen, betonte Tobias Bauer, der hier zum harten Kern gehört, ebenso wie Yvonn Semek, die den Hausflohmarkt initiierte, der im Mai seine fünfte Auflage erlebt.

Viele Veranstaltungen sind neu, andere wieder abgeschafft

Neu ist die Bücherzelle gegenüber vom Rathaus. „Nicht funktioniert hat dagegen das Wanderkino zum Wichtelmarkt“, so Bauer. „Da müssen wir nachbessern.“ Als nächstes, so Carolin Bade, eine von zwei Bürgerpaten, die seitens der Stadtverwaltung unkompliziert unterstützen, sind Ideen für einen Begrünungstag und den Stadtpark gesucht, mit dessen Sanierung begonnen wurde. Und man will touristische Angebote bündeln und in geeigneter Form an den Mann bringen.

Neue Ideen für mehr Impulse

„Die hier sitzen, tun schon viel“, konstatierte ein Besucher. „Die Frage sollte sein, wie gewinnen wir neue dazu.“ Joachim Kühnel, Vorsitzender des Musikvereins, plädierte dafür, die Schulen stärker einzubeziehen. „Wir haben über 1000 Schüler, die sich einbringen könnten.“ „Der Bürgermeister könnte einen Geschichts- oder Geografiewettbewerb ausschreiben“, meinte Ina Exner vom Bürgerverein Brandis. Hardo Kendschek unterstrich das: „Schließlich sind es die Jungen, die das Leitbild der Stadt umsetzen werden.“ Kendschek, der nicht nur Brandis in Sachen Stadtentwicklung berät, bezeichnete es als „beeindruckend, wie die Mit-Mach-Stadt lebt“. Er empfahl aber auch, sich noch stärker zu vernetzen, regelmäßig Bilanz zu ziehen und Prioritäten zu setzen. „Es gibt jetzt schon fast mehr, als so eine kleine Stadt stemmen kann. Klammer für künftige Projekte könnte die 900-Jahr-Feier in zwei Jahren sein.“

Von Ines Alekowa

11.03.2019
Wurzen Jahreshauptversammlung - Borsdorfer Feuerwehren ziehen Bilanz
11.03.2019