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Wurzen Muldentaler Martin Hamann ist beim Weltcup-Fliegen dabei
Region Wurzen Muldentaler Martin Hamann ist beim Weltcup-Fliegen dabei
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20:00 31.01.2019
Martin Hamann ist beim Winter-Weltcup in Oberstdorf dabei. Quelle: Andreas Döring
Bennewitz/Altenbach

Er bezeichnet sich selber als Flieger. Und doch war Martin Hamann bisher bestenfalls gesprungen. Am Freitag soll sich das ändern. Dann geht der 21-jährige Ski-Adler aus dem Muldental erstmals über eine Flugschanze. Das Debüt als regulärer Starter in einem Winter-Weltcup wird zu seinem persönlichen Jungfernflug. Wahnsinn! Ein Hauch Ikarus auf der Heini-Klopfer-Schanze von Oberstdorf.

Drei Tage lang das große Kribbeln. Während der Flachlandtiroler in Tschaikowski (Russland) mit 146 Metern seinen bisher weitesten Satz stand, peilt er im Allgäu die 200-Meter-Marke an. Erreicht er sie auch nur annähernd, kann er mit Fug und Recht von sich behaupten, der am weitesten geflogene Muldentaler aller Zeiten zu sein.

Weltweit nur wenige Schanzen zum Skifliegen

Skifliegen kannst du nicht trainieren“, sagt Martin. Es gebe weltweit nur wenige Flugschanzen. Außerdem bedeute es einen großen Kraftakt, sie zu präparieren. „Den Aufwand betreibt man wirklich nur für Wettkämpfe.“ Konsequenz: Wie seine Vorgänger schaltet auch der Sachse völlig unvorbereitet von null auf 180. An allen drei Tagen hat er zwei Trainingsflüge. Danach muss er unter die besten 40 kommen, um sich für den Wettkampf zu qualifizieren.

Nur Fliegen ist schöner! Nach Einsätzen im Sommer-Grand-Prix und in der Nationalen Gruppe bei der Vierschanzentournee gelang dem Jungspund im Continental Cup (COC) nun der nächste Schritt: Mit Podestplätzen im finnischen Kuusamo und Sapporo (Japan) sowie Platz 1 in Planica (Slowenien) erkämpfte er einen siebten deutschen Startplatz im Weltcup.

Martin Hamann gehört jetzt zum A-Kader

Sein erster Flug gerät somit zum Ausflug in den A-Kader: Neben Markus Eisenbichler, Andreas Wellinger, Richard Freitag, Stephan Leye, Karl Geiger und Constantin Schmid wird Martin somit erstmals direkt von Werner Schuster betreut. Als sicher gilt indes, dass sich B-Kader-Coach Bernhard Metzler den Jungfernflug seines langjährigen Schützlings Martin nicht entgehen lassen wird. Er wohnt nur eine halbe Stunde von der Schanze entfernt.

Auch Martins Eltern sind im Stillachtal dabei: „Wir haben uns Urlaub genommen, um alle drei Tage zu erleben“, sagen die Sportverrückten, die extra einen schnelleren „Schlitten“ von Sponsor Dirk Sonnek aus Schmölen gestellt bekommen. Martin sei derzeit richtig gut drauf. Der Triumph von Planica werde ihm Flügel verleihen, frohlockt der Papa und spielt dabei auch auf die Liebe seines Sohnes zu RB Leipzig an.

Martin Hamann stammt aus Altenbach bei Wurzen

Flügel wird Martin in Oberstdorf in jedem Fall brauchen. Die ARD und Eurosport übertragen an allen drei Tagen live. Während er konstanter werde und sich selbst bei wechselnden Winden nicht mehr verrückt mache, müsse er bei Interviews vor der Kamera noch cooler werden, sagt der Muldentaler: „Mit der Zeit kommt auch das. Vielleicht kann ich irgendwann mal klar stellen, dass ich zwar für Aue springe, in Eilenburg angefangen habe, aber aus Altenbach bei Wurzen komme.“

Nach 15 von 30 Springen liegt er auf Platz zwei der Gesamtwertung liegt. Da es an diesem Wochenende keinen Wettkampf im COC gibt, braucht Hamann keine Angst haben, Boden zu verlieren. Er kann sich voll auf den Weltcup und das Fliegen konzentrieren: „Der Anlauf vom 72 Meter hohen Turm ist mit 113 Metern länger als auf einer Sprungschanze. Außerdem bist du zwölf Kilometer pro Stunde schneller.“ Daniel-André Tande hält mit 238,5 Metern den Schanzenrekord.

Beim Skifliegen soviel Stresshormone wie ein Formel-Eins-Fahrer

Zwar sei er eher ein Flieger als ein Abspringer, doch wisse er noch nicht, wie es sich wohl anfühlt, das Fliegen, sagt Martin. Forscher haben ermittelt: Bis zu sechseinhalb Sekunden ist der Flieger in der Luft. Schon zwei Tage vorm Wettkampf produziert er viermal mehr Adrenalin als sonst. Und: Während des Flugs schüttet er eine ebenso große Menge des Stresshormons aus wie ein Formel-Eins-Fahrer.

Von Haig Latchinian

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