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Wurzen Netzwerk will Garten-Touristen ins Leipziger Land locken
Region Wurzen Netzwerk will Garten-Touristen ins Leipziger Land locken
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13:00 18.02.2019
Der Garten am Grimmaer Göschenhaus ist heute der einzige klassizistische Privatgarten aus der Zeit um 1800, den es in Sachsen noch gibt. Er ist einer von 17 Parkanlagen aus dem Landkreis Leipzig, die in das Netzwerk aufgenommen wurden. Quelle: Thomas Kube
Landkreis Leipzig

Historische Gärten im ländlichen Raum erhalten sowie aufwerten und damit Touristen anlocken – darum geht es beim Park- und Gartennetzwerk Westsachsen, das auch den Landkreis Leipzig umfasst. Seit 2010 wird an dem Netzwerk gestrickt. Über erste Erfolge freut sich Claudia Siebeck, eine der Initiatorinnen.

Die Leipziger Landschaftsarchitektin begann mit einigen Enthusiasten zunächst ehrenamtlich mit einer Arbeitsgruppe. „Es gibt hier so viel zu entdecken, wir haben wunderschöne Kleinode, die wir viel mehr ins Bewusstsein holen sollten“, sagt sie.

Man staunt, wie viele historische Gärten es gibt. Beispiel Grimma: Die Stadt mit ihren Ortsteilen hat allein 13 Parkanlagen. Hier werden einige vorgestellt. Jutta-Park und Göschen-Privatgarten wurden in das touristische Netzwerk aufgenommen.

Mit Fördergeldern der Leader-Regionen wird das Projekt nun entwickelt. In einem ersten Schritt versuchte Siebeck, all die unterschiedlichen Parks zu erfassen: „Es ging darum, zu schauen, was wir überhaupt haben.“ Knapp 50 Parkanlagen wurden aufgenommen, nach ihrem kulturhistorischen Wert bewertet und ihr touristisches Potenzial kategorisiert. 17 davon liegen im Landkreis Leipzig.

Zum Beispiel: Privatgarten am Verlegermuseum Göschenhaus in Grimma, Macherner Landschaftsgarten, Schlosspark Trebsen, Kurpark Bad Lausick, Kulturpark Deutzen, Burggarten Gnandstein, Jutta-Park Höfgen und Stadtpark Wurzen.

Probe-Gruppenreisen in Gärten des ländlichen Raums

Der zweite Schritt setzte vor allem auf Tourismus. Sechs Probe-Gruppenreisen wurden organisiert. Der jeweils voll besetzte Bus mit mehr als 50 Interessenten startete am Leipziger Hauptbahnhof und fuhr durchs Land. Nicht nur zu bereits bekannten Landschaftsgärten wie Machern, sondern auch zu „verwunschenen Kleinoden wie den Schlosspark Wolkenburg“, erzählte die Architektin. Dabei gab es so manche Neuentdeckung, „die bisher keiner in Leipzig kannte“.

Die Leipziger Landschaftsarchitektin Claudia Siebeck gehört zu den Initiatorinnen des Park- und Gartennetzwerks Westsachsen. Quelle: privat

Auch in Gegenden, wo es keinen herausragenden Garten gibt, wurde man fündig. Zum Beispiel beim Landschaftsfresko im Schloss Frohburg, nach dem Gärten entstanden. „Man denkt ja immer, erst war der Park da und dann wurde das Bild gemalt. Aber es war oft anders. Der Fürst hat aufs Bild gezeigt und gesagt: So einen Garten möchte ich haben“, berichtet Claudia Siebeck.

Bei solchen Rundreisen sei die Gastronomie wichtig, was im ländlichen Raum manchmal schwierig ist. Einmal wurden die Gäste sogar privat von drei alten Damen bekocht, ein andermal kümmerte sich eine Fleischerei aus dem Nachbarort um das Catering.

Parallel zu den Probereisen ging es darum, die Akteure untereinander zu vernetzen. „Historische Gärten haben keine Lobby. Oft heißt es: Was sollen wir damit?“, berichtet die Architektin. Der Austausch sei wichtig, um zu erfahren, dass man mit seinen Problemen nicht alleine dasteht. Ihre fachliche Begleitung ist kostenlos.

Hilfe bei Fördermittelanträgen und guten Partnern

Die Leipzigerin erinnert sich an ein Treffen der Garten-Akteure im Rittergut Kössern, „da mussten sie uns rauskehren, so intensiv waren die Gespräche“. Sie organisierte bisher zehn Workshops, unterstützte bei Fördermittelanträgen und vermittelte Partner. Zum Beispiel Firmen, die auf Baumpflege in historischen Parkanlagen oder „behutsame Veranstaltungen“ spezialisiert sind.

Die Rittersburg in Machern. Dieser Landschaftsgarten zählt zu den bekannten Parkanlagen der Region. Quelle: privat

In einem dritten Schritt des Projektes, der jetzt starten und bis Ende 2020 geplant ist, geht es darum, den Gartentourismus auch im Leipziger Land tatsächlich in die Tat umzusetzen. „Dabei rennen wir offene Türen ein“, zeigt sich die Initiatorin erfreut. Viele Bürgermeister hätten im Laufe der Jahre erkannt, welch einen Schatz im Dorf sie haben. So mancher Park wird finanziell jetzt auch unterstützt.

„In einer Großstadt muss man sich um Gärten nicht speziell kümmern, die braucht man für die Naherholung, für Spielplätze und fürs Grillen“, sagt Siebeck, „Aber im ländlichen Raum gilt es, ihre Bedeutung auszugraben.“ Das sei inzwischen vielerorts gelungen.

Garten-Tourismus sei ihrer Meinung nach ein lohnendes Feld. Sie steht in intensiven Kontakt mit der Branche. Es gebe Enthusiasten, die bereits alle besonderen Gärten in Frankreich, Italien und England kennen und für solch eine Reise schon mal 5000 Euro hinlegen. Die Nachfrage nach unbekannten Kleinoden sei da, „das ist eine Chance für Ostdeutschland“.

Veranstaltungstipp: Am 22. Februar findet von 12 bis 18 Uhr im Weißen Haus in Markkleeberg eine Regionaltagung Garten & Mensch statt. Die Anmeldung für die begrenzte Anzahl an Plätzen läuft unter philipp.sattler@dggl.org, die Veranstaltung ist kostenlos. Dort geht es um Austausch und Kontakt von Garten-Akteuren. Vier von ihnen erzählen, wie sie mit ihren Parkanlagen umgehen und wie sie für Engagement, Finanzierung, Kultur und gute Pflege sorgen.

Von Claudia Carell

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