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Wurzen Neue Ausstellung in Borsdorf zeigt Folgen des Ersten Weltkriegs
Region Wurzen Neue Ausstellung in Borsdorf zeigt Folgen des Ersten Weltkriegs
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09:33 14.05.2019
Im Ratssaal: Bürgermeister Ludwig Martin (l.) dankte Brigitte Eckelt und Mathias Bräuer für ihr Engagement, das zur Realisierung der Ausstellung geführt hatte.
Im Ratssaal: Bürgermeister Ludwig Martin (l.) dankte Brigitte Eckelt und Mathias Bräuer für ihr Engagement, das zur Realisierung der Ausstellung geführt hatte. Quelle: Ines Alekowa
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Borsdorf

„Der Kaiser hat abgedankt!“ heißt die neue Ausstellung im Flur des Borsdorfer Rathauses. Sie zeigt in Dokumenten und Fotos Borsdorf in der Zeit nach dem I. Weltkrieg. Es ist die letzte – und unvollendet gebliebende – Ausstellung von Christoph Eckelt, dem am 31. Oktober vergangenen Jahres im Alter von 80 Jahren verstorbenen Leiters des Borsdorfer Heimatmuseums.

Am Sonnabend wurde sie feierlich eröffnet. Der Ratssaal konnte die zahlreichen Gäste kaum fassen, unter ihnen auch zwei Schulfreunde – Wolfgang Börner und Gerhard Zehr. Es war eine beeindruckende posthume Ehrung für Eckelt. Musikalisch umrahmt wurde die Vernissage von Silke von Durschefsky. Das von ihr ausgewählte Antikriegslied „Sag mir, wo die Blumen sind“ oder auch die Ballade „Sind so kleine Hände“ unterstrichen das Thema der Ausstellung auf besondere Weise.

Eckelts Frau Brigitte wollte Schau an besonderem Ort zeigen

Ausstellung im Rathaus: Brigitte Eckelt vor dem Ausstellungsplakat und dem Erinnerungsfoto an ihren Mann Christoph. Quelle: Ines Alekowa

Anliegen von Eckelts Frau Brigitte war es, die Schau an einem besonderen Ort zu zeigen. „Selbstverständlich haben wir uns als Gemeinde bereit erklärt, den Platz zur Verfügung zu stellen“, sagte Bürgermeister Ludwig Martin und lud ein, sie zu den Öffnungszeiten des Hauses anzuschauen.

„Es ist eine wunderbare Ausstellung mit einer Fülle von Material – eine von vielen, die Eckelt zu Lebzeiten gestaltet hat.“ Er dankte Brigitte Eckelt, dass sie sich in der für sie schwierigen Situation dafür eingesetzt habe, die Exposition mit Hilfe des Macherner Heimatfreundes Mathias Bräuer zu realisieren.

Eckelt war ab 2009 Museumsleiter in Borsdorf

Martin selbst ließ das Wirken Eckelts in der Gemeinde Revue passieren. Angefangen nach der Wende, als der Leipziger in seinem Geburtsort Borsdorf eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme (ABM) im Bereich Kultur antrat, über sein Mitwirken an der Entwicklung des Gemeindeblattes bis zur Mitbegründung des Heimatvereins 1995, dessen erster Vorsitzender Eckelt wurde.

Als Museumsleiter ab 2009 habe er das Museum, das 2016 sein 20-jähriges Bestehen feierte, maßgeblich mitgeprägt. „Mein Mann hat fast täglich an seinen Projekten gearbeitet“, sagte Brigitte Eckelt, die ihn vor allem bei der Korrespondenz mit Heimatfreunden unterstützt hat. Er sei ein optimistischer Mensch gewesen – „und ganz akribisch“.

Museumsleiter Christoph Eckelt im Juli 2017 im Heimatmuseum. Quelle: Ines Alekowa

Das spiegelt auch die Ausstellung wider. Ihr Titel greift den des Berliner Volksblattes „Vorwärts“ vom 9. November 1918 auf.

Ausstellung im Rathaus: Aus der Ausgabe des "Vorwärts" leitet sich der Titel der Schau ab. Quelle: Ines Alekowa

Auf 13 großformatigen Tafeln beleuchtet Eckelt, wie das deutsche Volk unter dem Krieg gelitten hat. Die Opferzahlen sprechen eine deutliche Sprache, die Inflation 1914 bis 1923 ebenso. Eckelt zeigt auch, dass die Deutschen zwischen 1914 bis 1918 neunmal zur Zeichnung von Anleihen für die Kriegsfinanzierung aufgefordert wurden.

Tafel über Fritz Haferkorn

Besonders hob Bräuer die Tafel über Fritz Haferkorn (1879 bis 1934) hervor. Der viele Jahre in Borsdorf lebende Maler und Bildhauer setzte seine Kriegserlebnisse künstlerisch im Entwurf eines gewaltigen Denkmals mit der Aufschrift „Warum“ um. In Borsdorf selbst ist von ihm heute noch eine Kreuzigungsgruppe in der Friedhofskapelle zu sehen. Die „Unvollendete“ – es gibt Material für fünf weitere Tafeln – ergänzen zwei Tafeln, für die weitere Heimatfreunde ihre persönlichen Archive geöffnet haben.

Die des Zweenfurthers Eckhard Uhlig zeigt, was der Beuchaer Pfarrer Adolf Jacobi über die revolutionären Ereignisse im Kirchenbuch festgehalten hat, während Michael Peukert darstellt, wie sich das Leben seiner Familie in Borsdorf durch die Kriegsereignisse änderte.

Ausstellung im Heimatmuseum mahnt zu Frieden

„Der Krieg und seine Folgen beschäftigten meinen Mann außerordentlich“, sagte Brigitte Eckelt. „Sein Großvater ist im I. Weltkrieg umgekommen. Mein Vater war in beiden Kriegen und hat viel darüber erzählt.“ 2014 wurde im Heimatmuseum an den Beginn des I. Weltkrieges vor 100 Jahren erinnert. Die Resonanz war groß. „An der Folgeausstellung arbeitete Eckelt bis zuletzt“, erzählte Bräuer, der den Museumsleiter vor drei Jahren bei einem Forschungsprojekt kennen lernte.

Das Kriegsende sei zwar weit weg , das Thema aber doch so nah. „Ich gehöre zur ersten Generation von Männern in meiner Familie, die in keinen Krieg musste“, sagte er und mahnte: „Die Botschaft der Ausstellung ist Frieden. Wir müssen aufpassen, dass uns Krieg nicht noch einmal passiert.“

Ausstellung im Rathaus: Die Dokumente und Fotos weckten besonders bei den älteren Besuchern der Vernissage Erinnerungen. Quelle: Ines Alekowa

Von Ines Alekowa