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Wurzen Neuer Andachtsplatz im Friedwald Bennewitz
Region Wurzen Neuer Andachtsplatz im Friedwald Bennewitz
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09:55 11.07.2019
Den hölzernen Engel hat Katja Rauchhaupt für den neuen Andachtsplatz ersteigert. Quelle: Ines Alekowa
Bennewitz/Leulitz

Liebevoll nimmt Waldbesitzerin Katja Rauchhaupt den hölzernen Engel in den Arm. Dieser wacht über den neuen Andachtsplatz im Friedwald Planitzwald, der am 14. Juli um 12 Uhr im Beisein von Bürgermeister Bernd Laqua feierlich eingeweiht werden soll.

4500 Menschen entschieden sich bereits für ein Baumgrab

Es ist der zweite Andachtsplatz, der dann für Trauerfeiern wie auch für die jährlichen Gottesdienste zur Verfügung steht. „Wir wollten die Wege von der Trauerfeier zur Beisetzung verkürzen“, erklärt Katja Rauchhaupt.

Denn seit Eröffnung des von der Gemeinde Bennewitz betriebenen Friedwaldes im Juni 2015 haben sich laut dessen Verwalter, der Friedwald GmbH in Griesheim, bereits mehr als 4500 Menschen für einen Platz am Fuße eines Baumes entschieden, über 1300 Beisetzungen fanden bislang statt. Dadurch wuchs die bereits belegte Fläche in dem 66 Hektar großen Areal zwischen der Leulitzer Waldsiedlung und der Sechs-Wege-Kreuzung, von dem 30 Hektar die geologische Eignung für Bestattungen aufweisen, rasch an.

150 Bäume zur Eröffnung – Erweiterung nach kurzer Zeit

„Zur Eröffnung hatten wir 1,5 Hektar und 150 Bäume vorbereitet. Schon nach drei Monaten mussten wir erweitern. Inzwischen sind auf einer Fläche von 7,5 Hektar 1400 Bäume als Bestattungsbäume klassifiziert“, sagt Rauchhaupt. „Das ist eine Größenordnung, mit der wir am Anfang überhaupt nicht gerechnet hatten.“ Viele, meist 40- bis 50-Jährige, sicherten sich bereits in Vorsorge einen Platz, so Rauchhaupts Erfahrung.

Naturnahe Gestaltung: Ein schlichter Baumstamm dient als Rednerpult. Quelle: privat

Inzwischen habe sich der Zuspruch auf einem Niveau eingependelt, das gut zu bewältigen sei. „Denn die Nutzung braucht Vorlauf – Bäume müssen einschlagen, die Fläche aufgeräumt werden“, erklärt die Waldeigentümerin. „Dabei achten wir darauf, dass die Bestattungsbäume gut erreichbar sind und trotzdem der Waldcharakter erhalten bleibt. Der Friedwald ist kein Park“, betont sie. „Deshalb legen wir auch kein Wegenetz an und weisen alle Interessenten darauf hin, dass mit Rollstuhl oder Gehhilfen nicht jeder Baum erreichbar ist.“

Sturm und Borkenkäfer verschonen auch den Friedwald nicht

Manchmal allerdings müssen die fünf Förster im Friedwald, die auch die Gräber vorbereiten und wieder schließen, neben der normalen Waldpflege noch zusätzlich Hand anlegen. Große Holzpolter zeugen davon, dass Sturmtief Friederike Anfang 2018 auch die Ruhe im Friedwald gestört hat. „Aufgrund des Sturmes und des extremen Sommers waren Bäume so geschwächt, dass sie anfällig für den Borkenkäfer waren. Wir mussten fast alle Lärchen, das sind zehn Prozent des gesamten Baumbestandes, der hauptsächlich aus Eichen und Buchen, aber auch aus Linden, Kiefern und Ahorn besteht, herausnehmen“, sagt Rauchhaupt.

Auch etwa 20 Bestattungsbäume waren davon betroffen. „Natürlich“, so die ausgebildete Försterin, die hauptberuflich Deutsch und Musik am evangelischen Schulzentrum in Großbardau unterrichtet, „werden Bestattungsbäume nach ihrer Vitalität ausgewählt. Aber so ist nun mal die Natur.“ In solchen Fällen können sich Besitzer reservierter Grabstellen einen anderen Baum aussuchen. „Sind Grabstellen schon belegt, pflanzen wir auf unsere Kosten an gleicher Stelle einen jungen Baum nach oder widmen Bäume in der Nähe um“, sagt Rauchhaupt.

Ein Engel für einen guten Zweck

Aktuell müssen die Förster noch einige Wagenladungen Rindenmulch auf dem neuen Andachtsplatz mit dem hölzernen Unterstand und den sich davor reihenden Bänken verteilen. Zur natürlichen Umgebung passen der grobe Urnenstein, ein Baumstamm als Rednerpult und ein schlichtes Kreuz. „Denn es gibt hier auch von Pfarrern begleitete Bestattungen“, sagt Katja Rauchhaupt.

Friedwald nicht nur zur Trauerbewältigung

Den Engel aus hellem Eichenholz hat sie im Herbst 2018 bei einem Konstantin-Wecker-Konzert im Leipziger Gewandhaus ersteigert. „Mit dabei war damals der Liedermacher Heinz Ratz, der bundesweit Spenden für Jugendprojekte im ländlichen Raum sammelt und dafür die Skulptur versteigerte“, erzählt sie. „Und ich habe für den guten Zweck mitgeboten. Erfolgreich, wie man sieht. Der Engel ist sogar von Wecker und Ratz signiert.“ Musik wird es auch bei der Einweihung des Andachtsplatzes geben. Dafür sorgt die Band New Dunleans, während ein Austausch bei einem kleinen Imbiss möglich ist. Katja Rauchhaupt hofft auf interessierte Besucher. „Es tut gut, in den Wald zu kommen, nicht nur zur Trauerbewältigung.“

Von Ines Alekowa

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