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Wurzen Osterbotschaften – Wenn kleine Vögel den Weg weisen
Region Wurzen Osterbotschaften – Wenn kleine Vögel den Weg weisen
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08:00 11.04.2020
Die heutige Osterbotschaft kommt von Holger Herrmann aus Borna.
Die heutige Osterbotschaft kommt von Holger Herrmann aus Borna. Quelle: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/ZB
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Landkreis Leipzig

Die LVZ möchte mit der Superintendentur im Leipziger Land Gedanken der Pfarrer im Kirchenbezirk weitertragen, die Zuversicht geben und Mut machen sollen. Inspiriert vom diesjährigen Motto der Fastenzeit: „Zuversicht! Sieben Wochen ohne Pessimismus.“

Pfarrer Holger Herrmann aus Borna Quelle: Holger Herrmann

Pfarrer Holger Herrmann (Borna)

Angesichts der jüngsten Entwicklung der Corona Pandemie beginnt sich bei mir eher Zweifel als Zuversicht breit zu machen. Was kommt da auf uns zu? Wohin wird das zukünftig führen? Eine Art von mir mit schwierigen Situationen umzugehen, ist es, sich der Weisheit der Ahnen zu erinnern. Diese finde ich in den uns überlieferten Märchen eines Volkes wie einen Schatz aufgehoben. In einem afrikanischen Märchen des Volkes der Shangaan im Süden Afrikas wird von Zweifel bis zur Verzweiflung und von Zuversicht erzählt.

Zwei Brüder zogen in den Busch um zu jagen. Dabei gerieten sie immer tiefer und gelangten an einen unbekannten Ort. Der Ältere war ängstlich und wartete in sicherer Entfernung. Der Jüngere hingegen war neugierig und schaute sich in der fremden Umgebung um. Plötzlich erschien eine kleine, alte Frau, die dem Mutigen eine große Herde von Nutztieren und Geflügel schenkte. Jetzt brauchte er sie nur noch nach Hause treiben und alle Not hätte ein Ende. Doch es sollte anders kommen.

Die beiden Brüder machten sich mit der großen Herde auf den Heimweg, als sie Durst bekamen, weil sie durch die trockene Steppe mussten. In einem schmalen, unzugänglichen Tal floss noch etwas Wasser. Der jüngere ließ den älteren Bruder an einem Seil hinunter, damit er trinken konnte. Als dieser seinen Durst gestillt hatte, half er seinem jüngeren Bruder. Plötzlich überkam ihn ein übler Gedanke. Er kappte das Seil, überließ den Bruder seinem Schicksal und zog mit dessen Herde ins Heimatdorf. Dort erzählte er, dass er die Herde von einer kleinen, alten Frau geschenkt bekommen und er sich von seinem Bruder unterwegs getrennt habe.

Am nächsten Morgen sahen Frauen beim Wasserholen einen Honeyguide und sagten es ihren Männern, damit diese dem kleinen Vogel folgten, der sie zu Wildbienen führe, um Honig zu holen. Sogleich machten sich einige Männer auf und folgten dem Vögelchen. Das flog aber immer tiefer in den Busch, sodass die Männer nicht mehr daran glaubten, noch Honig zu finden. Doch dann sang der Vogel noch energischer. Der Vater der Brüder wollte nur noch diesmal ihm folgen. Auf einmal verweilte der Honeyguide an einer Talkannte bis er unvermittelt hineinflog. Der Vater beugte sich über den Rand und hörte verzweifelte Hilferufe. „Mein Sohn!“, schrie er. Sofort banden die Männer ein Seil und zogen den jüngeren Bruder aus seiner hoffnungslosen Lage herauf.

Die Bibel sagt im Buch der Sprichwörter, Kapitel 3, Vers 26: Der Herr ist deine Zuversicht, er bewahrt deine Fuß vor dem Fallstrick.

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Von lvz