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Wurzen Polenzer Vereine vor schwieriger Wahl
Region Wurzen Polenzer Vereine vor schwieriger Wahl
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19:02 06.05.2019
Das Feuerwehrgerätehaus in Polenz: Links neben dem Gerätehaus ist jetzt noch ein schmaler Streifen Wiese - das wäre der einzige Platz für einen Anbau. Quelle: Ines Alekowa
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Brandis/Polenz

Was wird aus der Vision eines Dorfgemeinschaftshauses für Polenz? Diese Frage beschäftigte den Polenzer Ortschaftsrat jetzt erneut. Dabei schien die Antwort schon einmal zumindest näher gerückt.

Eigentlich sehen die Bürgervertreter das 1936 als Schule entstandene Gebäude an der Straße Zur Rodelbahn, das auch schon zu Wohnzwecken diente, bis zur Eingemeindung nach Brandis 1991 Gemeindeamt und dann für kurze Zeit Kindergarten war, als Heimstatt für die örtlichen Vereine. Doch dafür muss es dringend saniert werden. Zusammen mit dem Spielplatz, den die Stadt modernisieren will, und der benachbarten Kegelbahn könnte hier ein kleines kulturelles Dorfzentrum entstehen. Eine Machbarkeitsstudie sollte den Sinn einer Förderung des Vorhabens über das Leader-Programm belegen. Der Ortschaftsrat wollte diese sogar mit den ihm jährlich zur Unterstützung örtlicher Projekte zur Verfügung stehenden Mitteln von je 2000 Euro aus 2017 und 2018 mitfinanzieren.

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Hiobsbotschaft aus dem Rathaus Brandis

Doch zur Beratung mit Vereinsvertretern im Ex-Gemeindeamt brachte Ortsvorsteher Andreas Böhme jetzt eine Hiobsbotschaft aus dem Brandiser Rathaus mit: „Mit Leader wird nichts, es ist wohl zu spät, um noch in das Programm zu kommen. Und das, obwohl wir viel Zuarbeit zur Machbarkeitsstudie geleistet haben“, ärgerte er sich. Die Alternativen seien: Das Objekt wird an Privat verkauft, der saniert es und vermietet es an die Vereine. Oder: Die Vereine tun sich zusammen und kaufen das Haus zu einem symbolischen Preis. Oder: Das Haus wird geschlossen und über einen Anbau ans Feuerwehrgerätehaus nachgedacht.

„Wir sollten uns diesen Sommer entscheiden, damit die Stadt die nötigen Schritte einleiten kann“, fasste Böhme zusammen. Dass die Stadt selbst für eine Sanierung in die Tasche greift, glaubt er nicht. „Das Geld wird nie zur Verfügung stehen, weil in der Kommune Kita und Schulen Vorrang haben.“ Die Stadtverwaltung schätze den Sanierungsbedarf auf 1,5 Millionen Euro. „Vor einem Jahr war noch von 600 000 Euro die Rede“, erinnerte er.

„Die Stadt lässt uns hängen“

Bei den Vertretern von Männerchor und Frauenchor, die im Ex-Gemeindeamt proben, stieß keine der Varianten auf Gegenliebe. „Schade, dass uns die Stadt so hängen lässt“, sagte Claudia Esser, die Vorsitzende des Frauenchores. Sie bezeichnete einen Kauf durch die Vereine als „unrealistisch“. Selbst bei einem symbolischen Preis müssten die Sanierungskosten aufgebracht und wieder eingespielt werden.

„Der Bürgermeister versucht, uns den Anbau schmackhaft zu machen und dieses Gebäude hier loszuwerden“, vermutete Dirk Kurth, der Vize vom Männerchor, hinsichtlich der explodierten Sanierungskosten. Aber auch der Männerchor sieht sich außerstande, eine Sanierung zu stemmen. Es fehle an Leuten mit Zeit, an Wissen um Fördermöglichkeiten. Hinzu kommen die Bauvorschriften, die bei öffentlichen Gebäuden beachtet werden müssen – ein unwägbares Risiko. „In was für einer Gesellschaft sind wir gelandet, dass Privatpersonen, die sich engagieren, so in die Verantwortung genommen werden?“, fragte er frustriert.

Heimat- und Kulturverein Polenz denkt weiter

Die Abschätzung, ob ein Anbau auf dem Streifen Wiese links am Gerätehaus – von dem Esser bezweifelte, dass er billiger käme als eine Sanierung – eine Option sein könnte, glich allerdings ebenso einem Blick in die Glaskugel. Denn ein Plan lag der kleinen Runde nicht vor. Die Idee zumindest ist nicht neu, stand vor Jahren schon einmal im Raum. „Damals haben wir sie abgelehnt, weil der Anbau zu klein geworden wäre“, erinnerte Böhme.

„Es sah nur Versammlungsraum, WC und Küche vor und einen Verschlag unter der Treppe für Noten und Instrumente.“ Doren Forbrig vom Heimat- und Kulturverein aber denkt nicht nur an Vereinsräume, sondern auch an einen Raum für Veranstaltungen wie Tanz in den Mai oder Fasching. „Egal, wofür wir uns positionieren, wir sollten versuchen, das mit abzubilden“, sagte sie.

Die Vereinsvertreter und Ortsvorsteher Böhme wollen jetzt erst einmal einen Anbauplan schwarz auf weiß, um eine Basis für eine Entscheidung zu haben. Aber Böhme ließ klar erkennen, wofür sein Herz schlägt: „Die Alte Schule ist ein Stück Heimat, so wie Kirche, Kegelbahn oder das alte Spritzenhaus. Es wäre schade, wenn sie verlottern würde.“

Von Ines Alekowa